Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904400
fasern. Die Fellbekleidung bestand aus einer um die Schultern gehängten und mit einer Fibel 
oder einem Dorne festgehaltenen Decke, oder aus zwei im Rechtecke zugeschnittenen Decken (10. 1), 
welche, mit der Haarseite nach aussen, vorn und hinten über den Körper gelegt und auf den 
Schultern zusammengenäht, überdies nach Bedarf um die Hüften gegürtet wurden; die Decken 
waren breit genug um zugleich die Arme damit zu verhüllen; aufgenähte Streifen von buntgefleckten 
Fellen bildeten ihren Schmuck. Mit der Zeit wurden die Decken nicht blos über die Schultern her, 
sondern auch an beiden Seiten herab bis auf weite Oeffnungen für die Arme zusammengenäht; so 
entstand ein ärmelloser Rock. Zur Zeit des Tacitus trugen die Männer den Rock von solcher Enge, 
dass er knapp um den Körper anschloss und gleichsam die einzelnen Glieder abformte; bei solcher 
Enge musste der Rock mit einem Brustschlitze versehen sein. Schuhzeug verschaffte sich der 
Germane aus einem Stücke Fell, welches er am Rande in Zungen zerschnitti]. m); diese Zungen 
verknotete er über dem Spanne; oder er durchlöcherte den Rand der Sohle (10. 2), zog Schnürriemen 
durch die Löcher, verknüpfte diese auf dem Fusse und wickelte sie, falls ihre Länge es gestattete, 
auch noch um seine sonst nackten Beine. Die Weiber bekleideten sich ähnlich wie die Männer; 
Arme und Schultern, sowie die den Armen zunächst liegenden Teile der Brust blieben unbedeckt; 
doch zogen die Weiber linnene Gewänder denen aus Tierhaut oder gefilzter Wolle vor und ver- 
brämten dieselben mit purpurnen Streifen. Völlige Weiberröcke mit Aermeln kamen erst unter 
römischem Einfluss in Gebrauch, und von dieser Zeit an machte sich ein Schwanken und Aendern 
-in der Tracht aller germanischen Völker bemerklich, bis dieselbe völlig der spatröinischen gleicl1- 
geworden war. Als Schmuck trugen Männer und Frauen zahlreiche Armringe, welche in ganzen 
Reihen von der Hand bis zur Schulter hinauf sich erstreckten. Beliebt waren Ringe jeder Art, 
vom Fingerringe an bis zum Halsbande und Diadem, auch Nadeln, Fibeln und Broschen; sämtliche 
Schmuckstücke waren damals noch von Bronze. Die Bekleidung der germanischen Priester 
bestand in einem sehr langen, gleichfalls armellosen Gewande von ungefärbtem Linnen, welches 
mit einer ehernen Spange gegürtet ward und in einem Mantel von gleichem Stoffe, der auf der 
Schulter mit einer Fibel zusammengehalten wurde. Die Füsse blieben nackt, den Kopf umschloss 
ein frischer Kranz (vergl. 3. 51). Die Germanen hatten auch Priesterinnen, oder, nach der 
Kleidung benannt, weisse Frauen, deren Ratschläge sie, weil die Weiber von den Dingen nicht 
mehr zu sehen pflegen, als wirklich ist, wie Orakelsprüche befolgten. Den Priesterinnen lag überdies 
die Tötung der menschlichen Opfer ob; noch zur Zeit des Bonifacius wurden selbst durch christ- 
lich gewordene Stämme an die heidnisch gebliebenen Nachbarn Sklaven zum Zwecke der Opferung 
verkauft. Diese furchtbaren Weiber gingen völlig so gekleidet einher wie die Priester. 
Die frühesten Abbildungen, ÄVClClIC uns über die Gewandung der einzelnen Germanenstämrne 
Aufschluss geben, stammen aus einer Zeit, in welcher die Germanen sich nicht mehr selber an- 
gehörten. Quaden und Markomannen finden sich auf den Reliefs der Antoninischen Säule dargestellt, 
Ostgothen auf der Theodosiussäule, Longobardcn in den Miniaturen der Leges Langobardorum 
und einigen Reliefs am Dome zu Monza. Die Markomannen und Quaden trugen, jenen Zeug- 
nissen zufolge, ziemlich weite Beinkleider (10. n), die an Knieen und Knöcheln Lmterbunden waren, 
geschlossene Röcke und Schuhe. Nach Bedarf legten sie mehrere Röcke übereinander an, von denen 
der obere kürzere A.ermel hatte als der untere, und gürteten dieselben; überdies bedienten sie sich eines 
Mantels, den sie auf der rechten Schulter verknüpften. Auch die Gothen hatten lange, ziemlich 
weite Hosen (10. 4), welche stets unterhalb der Kniee, seltener an den Knöcheln unterbunden wurden; 
häufig waren ihre Hosen nach der Weise unserer Frauenhosen unten mit einem zackigen Besatze 
geschmückt. Die Röcke der Gothen waren verschiedener Art; es gab Röcke mit kurzen und 
langen Aermeln, geschlossene und nur mit einem Brustschlitze versehene oder vorn herab völlig 
Q offene Röcke, die oben mit einem ausgezackten Kragen versehen waren. Auch die Gothen legten 
ä l mehrere Röcke übereinander an und schlossen dieselben um die Hüften mit einem Gürtel; dazu 
ä g fügten sie noch einen Schultermantel und geschlossene Schuhe. Die gothischen Weiber finden 
u g Hottenroth, Trachten. n. Band. 2. Anti.  3 
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