Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906251
Aermeln oder ärmellos, mit Knöpfen und Litzen über die Brust herab besetzt; ein kurzer offener Ueber- 
zieher ohne Taille, mit weiten Halbärmeln (98. 22); knapp anschliessende Hosen; Knöchelschuhe oder 
Halbstiefel aus farbigem Leder, meist mit Absätzen und vorn gespitzt; eine flachbodige höhere oder 
niedrigere Mütze mit Pelzbräm oder aufgestülptem Rand, seitlich mit einem gestützten Reiherbusche 
besteckt, und eine höhere abgestumpft kegelige Mütze von weissem Filze (97. 14. 99. 29). Das Haar 
beliebte man nach tatarischer Weise bis auf einen Büschel auf dem Scheitel völlig wegrasiert, den 
Schnurrbart aber so stark als möglich, das Kinn glatt oder mit einem Knebel. Die.Ueberröcke und 
Mäntel mit Schnüren und Knöpfen, sowie die Aermelweste blieben im 17. Jahrhundert fast unver- 
ändert. Die übrigen Kleider wechselten den Schnitt nach ost- oder westländischer Mode, namentlich 
wurde das Sonst enge Bein- Fig 45  schorenen Scheitel (115. 12. 
kleid immer weiter und in   H)  Die National- 
die Stiefel eingesteckt. In      tracht fristete fast nur noch 
der letzten Halfte des 18.   14kg? 45165  ü) unter den Bauern ihr Dasein; 
Jahrhunderts kam die vCon-  f(äai     die vornehme Welt putzte 
föderatkau genannte hohe [Käägggglly  I1   sich nach französischerMode 
Mütze mit viereckigem Bo-  v    heraus und warf. sich nur 
den auf(115.12.13). Statt des  pi   4 "Qllt  h! ißx-f", dann in die heimischeTracht, 
Haarbüschels trug man jetzt 7    . a" S ÄQ, n, wenn sie politisch demon- 
einen mönchsartig rund ge- m  strieren wollte. 
Aehnlichen Wandlungen unterlag die Frauentracht; im Mittelalter vielfach verdeutscht 
(95. 1. s. 19), zeigte sie im 16. Jahrhundert ein nationales Gepräge mit einigen deutschen Zuthaten, 
darunter weite zu Bändern geschlitzte und quer überbundene Aermel (98. 1), Kröse und Manschetten. 
Doch ersetzte man die weiten Schlitzärmel häuüg durch engere Aermel mit queren Bandstreifen. 
Den Rock teilte man in Rock und Leibchen und machte letzteres knappanschliessend mit spitzem 
Ausschnitt und Brustlatze, den Rock faltig und die Aermel lang und eng, falls man sie nicht durch 
die weiteren Hemdärmel ersetzte (98. 1a. 20. 2a); eine kurze offene Jacke mit Halb- und Hänge- 
ärmeln (98.11), ein kurzer Schulterkragen, ähnlich dem deutschen Koller (98. 15. 115. s), ein längerer 
Mantel (98. 21. 24) oder ein schaubenartiger Ueberrock (96.11). 98.1), gleichfalls mit Halb- und 
Hängeärmeln, mit Futter und Kragen von Pelz, eine Schürze, eine runde oder kranzförmige Mütze 
über eine um Wangen und Nacken herabsteigende Haube gesetzt, für den Winter eine Sammet- 
mütze, mit Pelzrand, die Ohren und Nacken bedeckte, darunter ein Linnentuch um Kopf und Kinn 
gewickelt: dies waren die Hauptstücke der weiblichen Tracht. Mit geringem Wechsel erhielt sich diese 
Tracht bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, als man anfing sich den französischen Moden zuzuwenden. 
Zäher, als Polen, scheint Ungarn im Mittelalter seine eigene Tracht behauptet zu haben; 
doch fehlt es an Abbildungen; die früheste, welche dem 14. Jahrhundert angehört (99. 21), Zeigt einen 
Prager Studenten ungarischen Geblütes in orientalischem Kostüm, in langem engärmeligem, mit 
einer Schärpe gegürtetem Rocke, dessen Kragen oben umgelegt ist, in einer Jacke mit unterwärts auf- 
geschlitzten Aermeln sowie mit Knopf- und Schnurwerk, in Mütze mit dickem Bräm und gestutztem 
Federbusch, in engen Hosen, die samt den Knöchelschuhen westländischer Art. Einige Trachtenbilder 
aus dem 15. Jahrhundert (99. 31-33) sind völlig deutsch bis auf den hohen Kopfputz einer Frau, wie 
solcher ähnlich noch heute bei den Morlachen üblich. Die Röcke und Ueberröcke des 16. Jahrhunderts, 
wie sie uns in den Abbildungen begegnen, waren ähnlich wie die polnischen gestaltet; dazu gesellte 
sich ein Ueberrock von verschiedener Länge mit Hängeärmeln oder über den Ellbogen herab fort-  
gesetzten Halbärmeln; dieser Rock war nach türkischer Weise unten an den Seiten aufgeschnitten 
und im Vorderblatte bedeutend kürzer als hinten (100. a. 1. o. 11). Ausser Mänteln mit Aermeln 
benutzte man Wolfs- und andere Felle als Umhänge, und neben Stiefeln und Schuhen nach west- 
ländischem Muster tatarische Stiefel ohne Absätze (100.  Von den Frauen dieser Zeit sprechen 
nur einige Abbildungen, welche Dalmatinerinnen vorstellen (100. is-is); dieseßrscheine" i" hoch
        

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