Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904361
zu Pferde sassen, trugen kurze unten offene Kniehosen, in welche sie ihre "funika untersteckten 
(Fig. 2. 5). Die Normannen pflegten sich damals das Gesicht und selbst den Hinterkopf „nach aqui- 
tanischer Sitte" völlig glatt zu rasieren (6. 13), ganz in der Weise der alten Merowinger, 
so dass sie aussahen wie Mönche. Die weibliche Tracht der Normannen zeigte gegenüber der 
angelsächsischen einige Veränderungen. Man trug die lange Untertunika und darüber ein Gewand, 
entsprechend der sächsischen „Gunna", von den Normannen „Robe" genannt (6. 9. 11). Die Aermel 
des Untergewandes waren sehr eng und wurden darum auf ihrer Unterseite aufgeschlitzt und zum 
Verknöpfen oder Zuschnüren eingerichtet (6. 11), so dass zwischen den Schnüren das weisse Hemd 
zum Vorscheine kam. Das Obergewand, die Robe, umschloss den Oberkörper glatt bis zum Halse 
hinauf, erweiterte sich dagegen nach unten hin noch bedeutender, als die sächsische Gunna und 
zwar vermittelst eingesetzter Zwickel; die Aermel schlossen sich eng bis zum Handgelenke an, 
dann aber öffneten sie sich weit und fielen tief herab. Die Säume der Kleider waren von Gold 
und sehr breit. Das Haar wurde lang herabüiessend getragen und nach Belieben in zwei und mehr 
Zöpfe verflochten; darüber kam das Kopftuch, "Couvre-chef" genannt; dasselbe fiel wie ein Mantel 
über den Rücken herab; ausserdem wurde der Hals noch mit einem feinen Tuche möglichst dicht 
verhüllt. Auf einer Miniatur aus jener Zeit findet sich eine Frau dargestellt, deren Hände mit Hand- 
schuhen bedeckt sind, an welchen lange Flügel hängen (6. 9). 
Auch die normannische Kriegstracht wies verschiedene Neuerungen auf. Zuerst die 
Kapuze, "Camail" genannt; diese bedeckte Kopf und Nacken dergestalt, dass nur ein kleiner Teil 
des Gesichtes entblösst blieb; sie war mit dem Panzerhemde, einer Art Kittel, welcher bis unter 
das Knie reichte, aus Einem Stücke verfertigt; das ganze Gewand bestand aus Leder oder Lein- 
wand, auf welche Stoffe entweder starke Ringe von geschmiedetem Eisen neben einander aufgenäht 
(6. s. 12) oder Ketten senkrecht oder wagrecht (6. 4) sowie auch Metallplatten verschiedener Art 
befestigt waren. Die Aermel reichten im Anfange nur bis zum Ellbogen und wurden erst 
später verlängert; dieses Rüstgewand war unten vorn und hinten ein Stück weit aufgeschnitten, 
so dass es in der rohen Darstellung des Bayeuxer Teppichs aussieht, als ob es in kurze Hosen 
endige; doch gab es auch beringte Hosenröcke (6. 16); um die Anlage derselben zu ermöglichen, 
befand sich auf der Brust eine Oeffnung, welche mit einem ebenfalls beringten, viereckigen 
LätZC geschlossen wurde (6. 12.16). Alle Ränder hatten eine gelbe, blaue oder rote Einfassung, 
ob aus Metall oder Leder vermögen wir nicht zu unterscheiden. Der normannische Name für 
dieses Panzerkleid war Hauberk (lat. halbercum), ein Wort, das abgeleitet war von Halsberge, 
dem, Schutzfür den Hals; so nannte man zuerst die Kapuze allein, welche sich mit der Zeit nach 
unten und über die Arme hin zu einem völligen Rocke verlängert hatte (vergl. 6. i). Der normannische 
Hauberk (oder Haubert) zeigte häufig ein Gitterwerk, dessen Vierecke mit sehr dicken Ringen oder 
Nagelköpfen besetzt waren (6.16. 7. s), was sich bei dem halbverblassten Zustande des Gobelins 
unmöglich mehr unterscheiden lässt. Vorderarme und Unterschenkel blieben von dem Haubert 
unbedeckt; jene wurden durch ein gestepptes Aermelwamms, diese durch Strümpfe von Filz oder 
Fell mit darübergefloehtenem Riemwerke geschützt, [oder auch durch Strümpfe, welche ähnlich wic 
der Haubert gegittert waren (6. 13.16). Der normannische Helm hatte eine konische oder halb- 
eiförmige Gestalt, war nicht selten hälftig aus Eisen und Bronze hergestellt (7. s) und mit Nasenberge, 
bisweilen auch noch mit einem Nackenschutze versehen. Der Schild hatte die Gestalt unserer Papier- 
drachen, (6. 12. 7. s) und soll den sicilianischen Schilden gelegentlich früherer Eroberungen nachge- 
ahmt worden sein. Er war inwendig gepolstert und hatte in der oberen Hälfte eine Handhabe aus 
Lederriemen, welche kreuzweis oder im Vierecke mit Schrauben angeheftet waren; mit den beiden 
oberen Schrauben erschienen zugleich die Enden eines langen Riemens (Guige) untergefasst, mit 
welchem man den Schild um den Hals zu hängen pflegte. Aussen war der Schild mit Leder überzogen 
und am Rande mit Metall beschlagen, im Grunde aber einfarbig oder mit Drachen, Greifen, Schlangen 
und Löwen, manchmal auch mit Kreuzen, Ringen und phantastischen Ornamenten bemalt; diese
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.