Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906232
garniert, auch sonst mit Bändern und Schleifen ausgeputzt war. Um 1799 wurde der Haubenkopfkleiner 
und bedeckte vorn mit einem breiten ausgesteiften Bande den Oberkopf, seitlich aber die Ohren. Danach 
trat die Haube in zwei Formen auf, einmal in Gestalt eines vSchwartemagensu den Kopf umschliessend 
und hinten gespitzt, vorn aber mit Spitzen besetzt, das anderemal barettartig verbreitert auf dem 
Oberkopfe sitzend und mit doppelten Spitzen umrandet. Die Haube erster Form behauptete sich 
bis 1820, doch wurde sie in der Kappe stumpfer und im Spitzenbesatze grösser, dieser aber aus- 
gesteift und mit Bandschleifen befestigt; daraus entstand nun 1830 die nFlughauberi mit mächtigen 
ausgesteiften Spitzen. Um 1840 bedeckte die Haube, wiederum kleiner geworden, nur noch die 
hintere Frisur und schrumpfte endlich zu einem kleinen Stücke Spitzenzeug zusammen, das man 
auf den Oberkopf legte und unterm Kinn verband. 
Eine weibliche Kopfbedeckung anderer Art war der Hut; dieser, erst seit dem 15 Jahr- 
hundert von den Frauen getragen, glich dem männlichen Hute und führte wie dieser um die Mitte 
des 16. Jahrhunderts einen breiten geschlitzten Rand, niedrigen Kopf und Federnschmuck (48. is). 
Später wurde der Hut im Kopf enger, in der Krämpe schmäler (111. 4), im Sehmuek bis auf eine Feder 
vermindert und diese endlich durch Blumen und grüne Zweige ersetzt. Dann kam der Hut ganz 
ab und erschien erst wieder um 1640, hoch, etwas gespitzt, mit mässig weiter Krämpe (111. 15. 11. 19); 
dann wurde er niedriger, aber in der Krämpe breiter. Am Ende des 17. Jahrhunderts benutzten 
nur noch vornehme Damen den zum Dreispitz mit Goldborten und Federn umgewandelten Hut als 
Reitkostüm (vergl. 110.17.18)- Um 1780 verlor der Hut die aufgestülpte Krämpe; man beiiebte 
ihn wieder rund und mehr oder minder schräg auf die Vorderfläche der ungeheuren Frisuren gesetzt 
(117. 12). Mit der Frisur sank der Hut später wieder auf den Kopf herab; er wurde im Kopfe 
cylindrisch und höher, in der Krämpe breiter (117. 19) und diese nach und nach Schräg nach unten 
gestellt, über der Stirn aber emporgeschwungen. Dieser Hut verengte sich um 1790 in Kopf und 
Schirm fast bis zur Unbrauchbarkeit (117. 20), doch blieb er hoch Dann kam ein niedriger runder 
Hut auf mit halbbreiter Krämpe, die vorn abwärts,'hinten aber aufwärts gebogen War (118. u). Nach 1800 
wurde die Krämpe vorn immer breiter gemacht, hinten aber schmäler und seitwärts tief herab- 
gebogen (118. 17); dies war die vKapotea, der erste Hut, zu dem man einen Schleier trug. Anfands 
wurde der hintere Teil von Zeug und der vordere von Stroh (118. 21), später aber der ganze Hut vcin 
weissem oder farbigem Sammet, Atlas, Plüsch oder Kamelot hergestellt. Um 1810 führte die Kapete 
einen sehr langen, sich nach vorn erweiternden Schirm. Seit 1815 wurde der Hutko f   
Schirm weiter und vorn steil in die Höhe gestellt (118. 18. 10. 119. 1. k), zum Ansputl; algilliägaljqfäießbgzilllel: 
und Blumen verwendet. Man machte den Schirm immer weiter und offener und gab ihm schliesslich 
einen ungeheuerlichen Umfang (119. 3. s), den man erst in den dreissiger Jahren Wieder verminderte 
(119. 12.18.19); den verkleinerten Schirm zog man jetzt an den Seiten herab, so dass er vom 
in die Höhe stieg, und verband ihn unter dem Kinn; den Hutkopf aber machte man niedriger und 
mehr nach hinten gesenkt; endlich stellte man auch den Schirm obenher niedriger, verlängerte und 
spitzte aber die Seitenteile (119. 20); So entSfand um 1840 der ngeschlossene Hutm 
In den östlichen Reichen, in Russland, Polen und Ungarn, behauptete sich während 
des 17. Jahrhunderts die alte heimische Tracht und änderte sich erst während des 18. Jahrhunderts 
im Sinne der zeitläutigen Mode, aber nur unter den vornehmen Ständen. In Russland trug man 
in beiden Jahrhunderten weite Hosen (Stanni, 115. s. 4. 1. 120.  um die Hüften mit Bund und 
Zugschnur geschlossen, unterm Knie verschnürt, an den UntßrSßhßnkcln FuSSlappen (Qnutsehi 12g 3_ i) 
mit kreuzweis darüber geschlungenen Riemen, welche die Beine sehr dick erscheinen liessen, und Leder- 
schuhe (Sapagi) oder Schuhe von Bast (Lapti). Unter besser gestellten Leuten waren kurze Stiefei 
üblich, die gespitzt und hinten mit niederen Absätzen versehen waren, in letzter Zeit auch Strümpfe 
(Tschulki). Ueber die Hosen zog man das Hemd (Rubaschka 120. 3. 5), von Wolle oder Linnen, weiss, 
blau oder rot, mit Brustschlitz und ohne Kragen; darüber legte man am Schluss dieser Epoche 
die modische, vorn herab verknöpfbare Schossweste (120. 5). Der Rock (Sipun 120. 4) wurde vorn
        

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