Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906222
an jeder Schlafe über das Ohrläppchen herabgehen und lange Hängelocken über den Busen fallen 
(117. 10). Anfangs benutzte man zum Ausputze des Herisson Spitzen, Bänder, Zitternadeln und 
Blumen, später aber auch Straussfedern, ganze Körbe voller Blumen, Obst oder Aehren, ja selbst 
kleine Wälder von Eichen und Lorbeeren, sogar Schiffe mit schwellenden Segeln. Dann erfolgte 
eine Rückbildung; um 1790 tupierte man zwar das Haar noch, aber ohne Unterlage; man umgab 
den Kopf mit dichten Lockenrollen und band das Nackenhaar in einen Chignon zusammen (117. 1a. 
118. a). Dann kam leicht gelocktes, fast ganz offenes Haar in Mode, welches über Schultern und 
Rücken fiel, oder ein scheinbar zufälliges Gekräusel von Locken und Löckchen mit langem Schläfen- 
und Nackenhaar (117. n. 19. 20. 118. 4. s). Statt weissen Puders verwendete man jetzt nussbraunen, 
dazu einen Ausputz von Blumen, Straussfedern und Musselin. Locken und Federn verloren sich 
um 1800. Das Haar wurde nach griechischem Muster ringsum nach oben genommen und auf dem 
Hinterkopfe zu einem Bündel vereinigt (11815), aus welchem man ringsum ein wirres Gekraus von 
Löckchen herausfallen liess; auch umschlang man den Bündel locker mit einem farbigen Tüchlein, 
über welches man dann wieder kleine Zöpfe samt Kettchen und Perlenschnüren schlang. Aus 
dieSel" FFiSUF entwiekelte Sieh um 1810 der wLockenkopfa, an welchem fast alles Haar in kurze 
geschwungene Locken gedreht (118. 19), das Nackenhaar aber mit einem Kamme aufgesteckt wurde. 
Um 1813 scheitelte man das glatte Haar und setzte hinter jedes Ohr eine Locke, iiocht das Hinter- 
haar und legte den Zopf zu einem nNesteu auf den Oberkopf. Dieses Nest rückte man allgemach 
nach hinten und steckte es mit einem hohen geschweiften Kamme fest; auch vermehrte man unter- 
halb des glatten Scheitels die Seitenlocken zu trauerweidenartig herabfallenden vSchmachtlockenuw 
Um T818 kam der schräge Scheitel auf. Kamm und Seitenlocken blieben; der Zopf wurde in 
mehrere dünne Zöpfe zerlegt und diese bogenartig um den Kopf und zugleich zu einem lockeren 
Neste auf den Hinterkopf geordnet. Bei all diesen Frisuren blieb der Nacken kahl, indem das 
Haar nach oben gestrichen wurde. In den zwanziger Jahren machte man die Schläfenlocken mit 
Hilfe falschen Haares immer grösser und zahlreicher (119. 7) und steckte den Zopf über einem 
Drahtgestelle mit mächtigen Verschlingungen am Hinterkopf auf. Um 1830 wickelte man das 
Hinterhaupthaar, geflochten oder in offenen Strähnen, über einen hohen ausgezackten Kamm; 
dies war Hausfrisur; für Bälle legte man das Haar um hohe, mit Draht unterlegte Puffen, welche 
mittelst eines kleinen langgezähnten Kammes hoch auf den Kopf gesteckt wurde (119. 14). Diese 
wunderliche Frisur wich einer sehr schlichten Frisur, welche das Haar scheitelte und glatt über die 
Ohren wegstrich oder auch in schraubenförmigen Schmachtlocken zu beiden Seiten des Gesichtes 
herabfallen liess, das Hinterhaar aber ilocht und als Nest oder Schnecken aufsteckte. 
Zu dem Barette, welches die Frauen am Ausgange des 1G. Jahrhunderts trugen, gesellte 
sich eine, unter dem Namen nStuarthaubeu, zierlich aus Sammet gefertigte Haube, die mit einer 
Schneppe in die Stirn und mit weiten Seitenbogen tief über die Wange herabstieg. In der ersten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts trug man fast gar keine Haube und den Kopf bloss, in einigen Städten 
jedoch mit einer hohen Pelzmütze bedeckt. Darauf erschien die Fontange (s. S. 198), neben welcher  
eine Haube üblich wurde, die Hinter- und Oberkopf bedeckte und mit einem Spitzenschirm über die 
Stirn emporstieg (11213). Dieser Haube beliess man später nur die hintere Kappe und breitete 
an dieser den Spitzenschirm ringsherum aus. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an wurde die Haube 
nur von verheirateten Frauen getragen, daher der Ausdruck vunter die Haube bringena für ver- 
heiraten. Nach 1750 wurde die Kappe wieder grösser und vorn von einem Ohre zum andern mit 
dachziegelartig übereinanderfallendem Spitzenbesatze verziert. Um 1780, als die hohen Frisuren 
herrschten, gab man der Haube die Gestalt eines aufgerichteten stumpfen Kegels, bedeckte sie gänzlich 
mit Spitzen und schloss diese mit einem breiten Bande so um den Kegel, dass sie nach oben- 
und untenhin sich auseinanderspreitzten. Die Haubenformen mehrten sich; sie wurden in der Kappe 
immer grösser und stiegen seitwärts tiefer über die Wangen. Es kamen Hauben von riesiger Ungestalt 
auf, darunter die nDormeuseu, eine ballonartige faltige Masse (118. ß), die am Rande mit Falbeln
        

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