Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906208
tiefer herab und verengte sich zur Wespentaille, während der Rock, durch vielfache Unterröcke 
gestützt, um die Hüften und besonders über dem gepolsterten Gesäss immer stärker anschwoll und 
sich nach unten hin mehr und nfehr auseinanderspreizte (119. 19. 20). Obenher säumte den Ausschnitt 
der Taille ein breit über die Schultern fallender Kragen. Nach 1835 drehte man die "Schinken- 
ärmelu herum und machte sie oben eng, aber unten weit, doch am Handgelenke schliessend; 
das Kleid verlor die grosse Breite an den Schultern samt dem grossen Halsausschnitte (119. 10). 
Das Leibchen wurde zumeist hinten herab geschlossen, das Gürtelband aber beseitigt. Gegen die 
vierziger Jahre hin beliebte man die Aermel wieder auf den Arm passend (119. is-zo). Spenzer 
und Ueberrock (119. i-a) erhielten seit 1813 bei kurzer Taille einen kleineren Halsausschnitt mit 
stehendem Kragen, der sonst glatte Schoss des Spenzers hinten einige Falten, die Aermel von 
beiden Gewandstücken oben eine bauschige Weite, die sich nach untenhin verlor. Um 1818 fing 
man an den Ueberrock an Stelle des Kleides zu tragen und diesem ähnlich zuzuschneiden; man 
verknöpfte ihn vorn herab bis untenhin oder hakte ihn zu; den Spenzer unterwarf man gleichfalls 
der Mode und schloss ihn gleich dem Leibchen bald vorn, bald hinten. 
Das nFichuu genannte Knüpftuch, welches im vorigen Jahrhundert aus England herüber- 
gekommen war, währte als rechteckiger mehr oder minder breiter Shawl bis in das folgende Jahr- 
hundert. Daneben kam ein grosser quadratischer Umhang aus Wolle, florartigem Gewebe oder 
indischem Shawl auf, der fast zu einem Dreieck übereinandergeschlagen und mit dem kleineren 
Dreieck oben von hinten her um die Schultern gehängt wurde. Um 1835 ersetzte man den vShawlu 
durch die wMantilleu; diese, meist aus schwarzem Seidenzeuge, war in der Mitte sehr breit; nach 
beiden Seiten hin aber schmäler; später wurde sie hinten verlängert, an den Schultern noch mehr 
verbreitert und an den Rändern mit Krausen besetzt; umgelegt und vorn verhaftelt bedeckte sie 
Schultern und Oberkörper wie ein Mantelkragen, der mit langen Enden vorn herabfiel. 
Der schaubenartige Aermelmantel, der im 16. Jahrhundert getragen wurde, verschwand 
im 17. Länger hielt sich, wenigstens als Kirchenkleid, ein nahezu radförmiger Mantel, welcher 
um das Halsloch her oder seiner ganzen Länge nach in dichte feste Falten gelegt war. Dieser 
Mantel kam um 1750 wieder allgemein in Mode, aber völlig radförmig geschnitten, in freien Falten 
herabfallend und oben mit einem nCapuchonu besetzt. Meist war er von hellem Sammet und mit 
Pelz oder weissem Atlas, in der Kapuze mit andersfarbiger Seide gefüttert. Daneben kam seit 1780 
ein leichterer und kürzerer Mantel mit breiter Falbel auf. Beide Mäntel wurden nach 1790 von 
dem Ueberzieher verdrängt (119. 2. s. S. 196) und kamen erst 1830 als Winterkleid wieder zu Ehren, 
jetzt aber den Ueberröcken ähnlich und zum Anziehen gemacht, sehr weit, mit Aermeln und langem 
Schulterkragen. Doch liess man die Aermel bald wieder weg und stellte den Mantel als einfachere 
"Hüllen radförmig mit langem Schulterkragen und kleinerem Ueberfallkragen her (119. 16). 
Der weibliche Schuh war bis zum Schluss des Mittelalters seiner Form nach dem männ- 
lichen Schuhe gefolgt; wenn die langen Kleider ihn sehen liessen, war er spitz und geschnäbelt 
oder Bach, breit, geschlitzt und immer absatzlos wie der männliche. Erst mit dem Aufkommen 
des Absatzes um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts gewann der Frauenschuh eine eigene 
Form; anfangs unterschied er sich von dem Mannesschuh nur durch einen höheren Absatz und den 
Stoff; vornehme Frauen trugen ihn von hellfarbigem Seidenzeuge, geringere von Sammet. Bis gegen 
1650 behielt der Absatz eine ziemlich breite Grundfläche, von jener Zeit an aber wurde er immer 
Spitzer, auch höher und hinterwärts in schlankem Bogen ausgeschweift (110. 21); solch ein Absatz 
oder Stöckel stellte den Fuss in einen Winkel von mehr als vierzig Grad und zwang die Frau zu 
einer vorgeneigten Haltung, ja selbst zur Hilfe eines Stockes. Absatz und Sohlenrand wurden 
rot gefärbt, der Absatz auch mit weissem Leder überzogen und der ganze Schuh mit Stickerei und 
metallischem Besatze verziert. Im 18. Jahrhundert rückte man den Absatz mit seiner unteren Fläche 
immer mehr nach der Mitte der Sohle, doch machte man ihn breiter und niedriger; die Schuhspitze 
liess man häufig in Länge und Breite wechseln. Der Verschluss der Fersenlaschen über dem Spann 
Horreni-ozh, Trachten. II. Band. 26
        

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