Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906185
wSteckera zu verschliessen, den tiefgefalteten und mit umgewendeter Naht angesetzten Rock aber 
vorn mit schräger nach unten hin gerundeter Linie aufzuschneiden, zu beiden Seiten mit grossen 
Falten zusammenzulegcn und hinterwärts häufig über ein Drahtgestell so hoch wie möglich auf- 
zustecken oder festzuhaken, die Schleppe aber oft ellenlang auf dem Boden schleifen zu lassen. 
Rock und Leibchen, stets aus gleichem Stoffe, nannte man zusammen nManteaua. 
Statt des Manteau trug man namentlich als Hauskleid Rock und "Schnürbrust; die Schnür- 
brust war ein Panzer aus dichtgereihten Fischbeinstäbchen, die sich vorn wie ein Fächer von unten 
nach oben hin ausbreiteten und zwar zu beiden Seiten eines Mittelstabes von Eisen, der sich in die 
Schneppe unten etwas verbog. Man beliebte die Schnürbrust mit starker Seide bezogen, oben mit 
Achselbändern besetzt, unten in Laschen zerschlitzt wegen der Hüften, vorn herab mit Knöpfen, 
Bandschleifen und Spitzen ausgestattet und hinten herab verschnürbar gemacht, auch im Kreuze mit 
Oesen zum Aufhaken des Rockes versehen. Der Rock sass über den Hüften an einem Gurt, den 
man zuhakte, und war oben und unten von gleicher Weite. Rock und Schnürbrust stimmten in 
der Farbe selten überein. Aus beiden Stücken entstand um 1700 die nRobeu, die ebenso wie 
der Manteau andersfarbig gefüttert und umgeschlagen wurde, auch Aermel hatte wie jener Rock. 
Robe und Manteau blieben fast durch das ganze 18. Jahrhundert in Mode, doch nur als Staats" 
und Feierkleid; als Haus- und Promenadentracht kam in der ersten Hälfte dieser Periode die uCon- 
touchei: auf, ein Obergewand, das ohne Taille vom Hals an nach unten hin sich erweiternd über 
den Rock fiel (11611. 11-111); sie hatte einen weiten Halsausschnitt, vom Nacken an bis unten hin 
eine lange Rückenfalte, vorn aber einen tiefen Brustschlitz oder einen durchgehenden Schlitz, der mit 
Bandschleifen verschliessbar war. Seit 1685 kam der Reifrock_wieder zur Geltung; zuerst war er 
trichterförmig, seit 1700 aber glockenförmig, so dass er Hüften und Gesässmit einer Wölbung 
umschloss (116. 11. 12. 1a). Ueber den Reifrock legte man den zurückgeschlagenen Rock oder die 
schlotterige Contouche. Der Aermel war damals kurz, anliegend oder in eine Puffe zusammen- 
gezogen, ebenso der weisse Unterärmel, an welchem eine lange offene Manchette sass. Der Reif- 
rock schien um 1740 verschwinden zu wollen; der Schweif des Manteau aber blieb schleppend, 
wurde jedoch schmal in viele Falten zusammengezogen, auch der Aermel länger und ohne Puffen 
gemacht, sowie mit einem massig breiten Umschlage besetzt, der seit 1760 den Spitzen wich. Um 
diese Zeit kam der Reifrock wieder in Blüte, an Grösse alle seine Vorgänger übertreifend (11612. 
117. 2); er schwoll über die Hüften dergestalt an, dass man hier die Arme darauflegen konnte; 
nicht mehr kreisrund, sondern oval, drehte er seine Breitseiten nach vorn und hinten, so dass seine 
Trägerin sich auf die Seite drehen musste, wenn sie eine Thür durchschreiten wollte. Neben diesem 
Reifrock 11a coudeu wurde überdies noch ein Sattelrock oder nCul de Parisu Mode, welcher nur" 
das Gesäss vergrösserte und die Kleider hinten emporhob (117. 12). Der ROCk ä Coude War oben 
an beiden Seiten in Falten gelegt und an einen Gurt genäht, sonst aber glatt (116. 12), der ROCk 
über dem Cul jedoch hinten gefaltet. Der dreieckige Stecker des Leibchens wurde immer schmäler, 
so dass sich die Ränder des Leibchens immer näher rückten und endlich aneinanderschlossen (117. 10). 
Die Schnürbrust wich dem bequemeren Mieder, das indes in der Taille noch immer ziemlich lang 
und glatt blieb. Das Zurückschlagen der Röcke kam um 1770 ab; doch blieb der Rock geschlitzt 
und legte sich glatt über den Reifrock ä. coude, denselben hinten und seitwärts wie mitKäferflügeln 
deckend (116. 19. 117. 10), über den Cul aber mit einer Schleppe. Indess währte auch diese Mode 
nicht lange; man schloss die Röcke und zog sie ringsum mit Schnüren in die Höhe (117. 11); diese 
liefen durch kleine Ringe auf der Innenseite des Rückenteils; zugleich kamen lange und enge Aermel 
auf. Mit dem Manteau war, so lange er herrschte, eine Jacke gebräuchlich und zwar in vielerlei 
Formen, lang oder kurz, knapp oder faltig; der obere Teil des Manteau selbst wandelte sich in ein 
Ueberziehleibchen um, den vCaracou (118. 9. 10); dieser war stets vom gleichen Stoffe wie der Rock, von 
oben an, wo er geschlossen wurde, rundlich nach hinten verlaufend und im Kreuz mit einer gefalteten 
Schneppe oder einer langen Schleppe endigend oder auch mit zwei Reihen von übereinander sitzenden
        

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