Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906174
Kreisen, nachdem er in soldatischen dem vTSChakOu und in bürgerlichen dem runden Hute 
gewichen war. Der Rundhut, meist von grobem Filz mit aufgeleimtem Plüsch, hatte "einen 
hohen Kopf, der sich nach oben hin erweiterte, wie ein Tschako (119. 5), oder spitzer wurde, und 
eine ziemlich schmale an den Seiten ein wenig in die Höhe gebogene Krämpe (119. 12. 17). Schliesslich 
gab man dem hohen Hutkopf eine gleichweite Rohrform (119. 21. 21); so entstand der "Cylindera, 
neben welchem seit 1848 ein niedriger weicher Filzhut mit handlicher Krämpe aufkam, den man 
kurzweg nFilzu benannte. 
Das hohe faltige Barett mit schmaler Krämpe, wie solches am Ausgange des 16. Jahr- 
hunderts üblich war, verblieb im 17. fast nur amtlichen und tagewerkenden Personen. Unter den 
Geistlichen kamen mässig hohe viereckige Mützen auf, die sich nach obenhin erweiterten (11441), 
ähnliche, doch "runde Mützen unter Gelehrten, unterJägern solche mit grossem Rande, den man 
vorn herabklappte, unter Handwerkern spitze oder rundliche Käppchen von verschiedener Höhe. 
Erst gegen die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts fand die Mütze oder nKappeu wieder 
grössere Gunst; sie glich jetzt dem alten niedrigen, nach obenhin verbreiterten Barett, hatte untenher 
einen glatten Bund und statt der Krämpe einen halbrund geschnittenen Lederschirm an der 
Stirnseite. Der Filz verdrängte die Mütze vielfach und die Mode verkleinerte den Schirm. 
Wie die männliche, so wandelte sich auch die weibliche Tracht in der letzten Hälfte des 
16. Jahrhunderts nach spanischem Muster um. Zuerst wurde im Leibchen der Halsausschnitt 
kleiner gemacht, die Achseln mit Wulsten besetzt, die Taille verlängert (109. 15. 10), verengt und 
allgemach vorn in eine kleine Schneppe geschnitten, der Rock aber über einen hölzernen Reif 
geworfen, der mit Bändern an einem Leibgurte befestigt dicht unter der Taille sass. Dann spannte 
man den Rock faltenlos über ein Untergestell von mehreren Reifen oder von Draht und selbst 
von Eisenblech, das oben eng, unten aber von auffälliger Weite war, während man die Taille unter 
überschnürten Brettstückchen zusammenpresste. Am Halse trug man eine gewaltige Krause, an jeder 
Achsel eine grosse Bausche mit ärmelartig herabhängendem Streifelm Am Anfange des 17, Jahrhunderts 
waren die Reife gleichweit und von massiger Grösse; man behielt zuletzt nur den obersten, den 
man entweder in die Höhe der sehr langen Taille heraufzog und den Rock darüber mit einer 
tellerförmigen Krause besetzte (110. i), oder beliess ihn tiefersitzend, legte Hüftkissen darüber und 
unterband den Rock unterhalb des Reifes (110. 1. 2). Die Achseln polsterte man oft handhoch, 
und gab den engen Aermeln vorn einen Schmuck von breiten Spitzen. Von 1680 an trug man 
kurze Leibchen neben gespitzten, während man den Halsausschnitt vergrösserte und mit einem 
breiten Spitzenkragen besetzte; in das Aermelloch nähte man hinten einen breiten langen Zeugstreifen, 
polsterte die Aermel noch dicker oder schnitt sie ungepolstert vorn herab auf und überband sie 
über einem ausgestopften Unterärmel (110. 11. 112. s. 1. s-io). Der Rock wurde faltig angesetzt, 
häufig mit umgewendeter Naht, und mit einem dicken Wulst unterfüttert. Um 1650 verlangte die 
französische Mode das sonst nur vorn herab gesteifte Leibchen ringsum panzerartig mit Fischbein 
ausgesteift, sehr lang, mit spitzer Vorderschneppe, hinten herab verschnürbar, oben tief ausgeschnitten, 
hier mit Spitzen verbrämt und diese vorn mit einer Bandschleife zusammengefasst, die Aermel 
jedoch sehr weit und mit schmalen Bändchen oder einer Agraffe zu einem Bauschen über die 
Armbeuge herauf zusammengezogen (112. 12. 16), die weissen Unterärmel am Vorderarme gleich- 
mässig gebauscht und vorn mit einer weit auseinanderfallenden Spitzenmanschette besetzt. Der 
ringsum faltig an das Leibchen genähte Rock war von bedeutender doch gleichmässiger Weite, 
und ein wenig schleppend, sodass er beim Gehen aufgenommen werden musste. Um 1680 reichten 
Aermel samt Unterärmel nur knapp über den Ellbogen (112. 11. is). Das Kleid wurde vornherab 
aufgeschnitten (112. 12), über das prunkhaft ausgestattete Unterkleid zurückgeschoben und mit 
Agraffen zusammengefasst (110. 19. 20. 112. 16), das Leibchen aber wieder vorn herab verschnürt. 
Gegen 1700 kam die Mode auf, das Leibchen von beiden Achseln an nach der Spitze hin geradlinig 
auszuschneiden (1112. 18, 116. s. (s) und die Oeffnung mit einer steifen dreieckigen Platte, dem
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.