Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906161
und den Kopf zu einer steifen Haltung zwang. Statt des Busenstreifs wurde ein Vorhemdchen 
üblich. In den dreissiger Jahren erschien die sKravattee, eine mit farbigem oder weissem Stoffe 
überzogene, in Knoten und Schleifen festgenähte Binde, die im Nacken mit Schnalle und Strippe 
befestigt wurde; der Busenstreif kam wieder auf, aber nicht mehr gewellt sondern gerippt. 
Bei kurzem Haar trennte man im Anfange des 17. Jahrhunderts den Vollbart in Schnurr- 
und Knebelbart; gegen 1630 aber liess man das Haar lang und wellig über den breiten Kragen 
fallen (110. s. 12. 111. a. 112. 4. 11. 1a. 11). Je mehr das Haar wuchs, desto kleiner wurden Schnurr- 
und Knebelbart. In der zweiten Hälfte dieser Epoche glich der Schnurrbart nur noch einem 
schwarzen Strich auf der Oberlippe und der Knebel einer sMücke-s, die in der Furche zwischen 
Unterlippe und Kinn sass. Wem die Natur längeres Haar versagt hatte, half sich mit einer Perrücke, 
die er ebenso wie das Haar kraus und wirr um den Kopf hängen liess. Nach 1660 verdrängte die Perrücke 
das natürliche Haar; man schor den Kopf und liess die Perrücke in geordneten Locken vorn mit 
zwei Flügeln rechts und links über die Brust herab und hinten in den Rücken fallen (112. 20), beide 
Flügel mit tiefem Scheitel über der Stirne getrennt und seitwärts des Scheitels wieder empor 
getürmt. Dies war die s-Allongeperriickee, die sich 80 Jahre hindurch erhielt und erst um 1740 
durch die Stutzperrücke oder sAzels ersetzt wurde, die nur wenig über die Ohren reichte (116. 1). 
Während dieser Zeit hatten es die Soldaten im Brauch, ihr langes Haar im Nacken zusammen- 
zuschnüren, den Bündel in die Höhe zu nehmen und einzubinden, später aber in einen Beutel unter- 
zustecken und diesen mit einer schwarzen Bandrosette zu schmücken. Dieser Haarbeutel ging im 
Anfang des 18. Jahrhunderts auf die vornehmen Klassen über (116. 1. 10); die Soldaten und schlichten 
Bürger aber fassten jetzt ihr hinteres Haar in eine Strähne zusammen und umwickelten diese mit 
einem zollbreiten grauen oder schwarzen Bande, welches sie oben und unten in eine Schleife 
knüpften; das Stirnhaar strichen sie nach hinten in den Zopf oder tupierten es kurz geschnitten 
und steif in die Höhe; das Schläfenhaar aber brannten sie zu einigen Lockenrollen. Ungeheuer 
war während dieser Perrücken- und Zopfperiode der Verbrauch an Puder aus feinstem Weizen- 
mehle; seit 1720 erschienen alle Köpfe weiss. Die Gesichter waren durchweg glatt; nur Soldaten 
trugen einen Schnurrbart. Bauern strichen ihr Haar lang und offen nach hinten. Die französische 
Revolution fegte Haarbeutel und Zopf samt dem Puder hinweg. Haar und Barttracht blieben seitdem 
im Grossen und Ganzen dem persönlichen Willen überlassen; zuerst kam der Backenbart wieder 
auf, dann der Schnurrbart, seit 1848 auch der Voll- oder "Demokratenbartu. 
In der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren Hüte von zweierlei Form gebräuchlich: 
der hohe, cylindrische, spanische Hut mit schmaler Krämpe (109. 1a) und ein Hut mit spitzem oder 
rundem Kopf und massiger Krämpe, der alte Bauernfilz (109. 1. 11. 10). Der dreissigjährige Krieg 
brachte den Bauernhut zu Ehren, aber er verwilderte ihn zu einem Schlapphute, indem er ihn im 
Kopf und namentlich an der Krämpe mächtig vergrösserte (110. G. 10) und ihn überdies mit Strauss- 
federn ä la Fuchsschwanz besteckte, die tief in den Nacken herabwallten. Um 1650 herrschte ein 
Hut in Form des alten Bauernhutes mit hohem spitzem Kopf und gerader Krämpe von wechselnder 
Breite vor (110. 12. 111. 1:1. 11-19. 112.14); er war gewöhnlich schwarz von Farbe und mit nur 
einer Feder in Rot, Schwarz oder Weiss besteckt. Zehn Jahre später schmückte die Mode den 
Kopf ringsum mit Federn und machte die Krämpe sehr breit, rollte diese aber, weil unhandlich, 
um 1680 seitwärts in die Höhe (110. 20); bald darauf stülpte sie die kreisrunde Krämpe in spitzem 
Winkel gegen den Hutkopf, erst auf einer Seite (111. 11), dann auf zwei (111. 1a. 14. 114. 11. 12. 11), 
schliesslich auf drei Seiten (110. 17. 1a) und hielt sie mit Schnüren fest, die sie durch die Krämpe 
und über den Kopf zog. Um 1740 herrschte der dreieckige Hut, der vDreispitza, den man oben an 
den Rändern mit Gold- oder Silberborten und an einer Seite mit Schleife und Kokarde verzierte. 
Um 1780 schnitt man die Krämpe oval und stülpte sie an beiden Schmalseiten in die Höhe; dieser 
nZweispitzu war der Hut der französischen Revolution; dann Stülpte man die Breitseiten empor. Der 
Zweispitz wurde seitwärts mit Federbüschen besteckt; er erhielt sich noch lange in diplomatischen
        

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