Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906145
Der Schuh verlor in der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts sein breites ausgestopftes 
Oberblatt und richtete sich wieder nach der Form des Fusses. Um 1600 waren die Absätze allgemein 
üblich geworden; der Schuh wurde an den Seiten niedriger und selbst bis auf die Sohle ausgeschnitten, 
das Fersenstück über dem Spann verknüpft und mit einer Schleife oder Bandrosette besetzt; die 
kleinen Schlitze kamen ab. Bauern und Soldaten behielten den geschlossenen Knöchelschuh; dazu 
trugen sie lange wollene Kniestrümpfe und noch längere Ueberstrümpfe von Leder, die bis hoch 
in die Oberschenkel reichten (109. s. 114.10); diese wurden erst im Anfange des folgenden Jahr- 
hunderts durch Gamaschen ersetzt. Der Schuh des 17. Jahrhunderts war derb, schwer und zumeist 
von geschwärztem oder naturfarbenem Leder. Um die Mitte dieser Epoche liess man das Oberblatt 
über die Fussbeuge heraufsteigen und zwar über die hier geschlossenen Fersenlaschen und verzierte sie 
mit einer Schleife oder Rosette; Sohlenrand und Absatz aber färbte man rot. Gegen 1670 machte man 
den Schuh etwa zwei Finger breit länger als den Fuss, vorn gerade und kantig, in der Sohle dick, 
im Absatze hoch, in der Rosette aber kleiner; dazu gesellte man zehn Jahre später ein breites 
Lederstück, das man in die Fussbeuge setzte und zwar über das Oberblatt; das Leder war so hoch, 
dass es vornüber fiel. Nach 1700 spitzte man den Schuh und verschnallte die Fersenlaschen über 
dem verkürzten Oberblatte; 70 Jahre später verschnürte man sie wieder unter dem Oberblatt, das 
man mit einer Schnalle besetzte; auch machte man den Absatz niedriger, die Sohle dünner, 
und hörte auf, beide rot zu färben. Der Schuh wurde zierlicher; um 1800 hatte er die Form eines 
niedrigen absatzlosen Pantoffels, doch behielt er noch die Schnalle (118. 20). Von jetzt ab wurde der 
Schuh immer mehr durch den Stiefel verdrängt. Gegen 1840 kam ein Mittelding zwischen Schuh und 
Stiefel auf, die nStiefeletteu , die ungefähr dem Schuhe von 1770 glich, doch ohne Schnalle blieb. 
 Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wandelte man den Lederstrumpf zum Stiefel um, indem 
man ihn nicht mehr, wie jenen, aus dem Ganzen schnitt, sondern aus Schaft, Fuss und Sohle mit 
Absatz zusammensetzte. Der Fuss folgte in seinen Wandlungen dem Schuhe. Der Schaft ging 
hinten bis zur Sohle hinab; oben war er weit genug, um die Pluderhosen aufzunehmen; dann, als 
die Pluderhosen verschwanden, wurde er enger, aber höher oder kürzer beliebt als sonst, auch 
obenher ausgezackt und bei kurzem Schafte nach aussen hin umgeschlagen. Die Schweden 
brachten einen gewaltigen Stiefel in Mode, der sich kegelförmig nach obenhin erweiterte und in 
die halben Oberschenkel stieg. Diesen Stiefel machte man nach 1640 auf den Unterschenkel 
passend und erweiterte ihn erst von da an (110. s. 114. s), stülpte ihn auch nach Belieben unter das 
Knie herab und dann wieder in die Höhe, so dass er mit seinem weiten, besonders angesetzten 
Oberteile das Bein unter dem Knie wie mit einer grossen Schüssel umgab (110. 5. 12). Stiefel dieser Art, 
aus rohfarbigem Rindsleder verfertigt, pflegten die Reiteroffiziere über ihre hohen Lederstrümpfe 
anzuziehen (114. 10). Nach 1660 verlor sich das Umstülpen des oberen Schaftstückes; man stellte das 
untere Stück gleichmässig weit und röhrenförmig aus dickem Leder her, das schüsselartig ausgebauchte 
Oberteil aber aus weicherem, machte die Sohle sehr dick, vorn gerade und eckig, den Absatz ziemlich 
hoch, fast viereckig und unten so breit als oben (114. 11). Spornleder und rotgefarbte Sohlen- 
kanten beliebte man ganz wie bei den Schuhen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde 
der Reiterstiefel zu einem wahren Ungetüme, das den Namen vKanonee nicht mit Unrecht führte. 
Das gleichweite Rohr bestand aus dickem hartgesottenem Leder und war ziemlich weit, da man sonst 
wegen seiner Unbiegsamkeit den Stiefel gar nicht hätte anziehen können; das ausgeweitete Oberteil 
aber war aus weicherem Leder; das Spornleder reichte in das halbe Schienbein hinauf. Neben 
diesem Stiefel gab es eine Gamasche mit leichterem und weicherem Schafte, der ausserhalb ver- 
schnürt oder verknöpft wurde (116. s). Seit 1730 trug man den Stiefel wieder leichter, das Schaft- 
leder minder starr, das Spornleder kleiner und die ganze Stiefelform besser auf das Bein passend. 
Auch das noch immer besonders angesetzte Oberstück wurde verengt, aber hinten in der Kniekehle 
ausgeschnitten. Man pflegte seitdem den Stiefel völlig zu schwarzen und den Schaft überdies noch 
mit einem Wolfszahne zu polieren. Neben Stiefeln mit härterem Schafte trug man jetzt auch
        

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