Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906126
Diesem Schwedenrocke ähnlich war das ärmellose Koller aus Büffel- oder Elenshaut, das als 
Schutzkleid allein oder über dem Rocke getragen wurde; aber der Schoss des Kollers bestand aus 
4-6 Laschen, die sich nach untenhin dergestalt verbreiterten, dass sie selbst beim Reiten über- 
einanderiielen und keine Lücke boten (110. e. 111. s). Nach 1630 rückte man die Taille des Rockes 
immer höher, bis sie um_ 1640 unter den Armen sass und der untere Schossrand auf den Hüften 
(110. 5. 111. s. 112. 14). Nach 1650 liess man die Taille wieder sinken, doch ohne den Rock selbst zu 
verlängern, und zierte den ringsum angesetzten Schoss nach der Zeitmode mit Spitzen. Die Aermel 
glichen noch den vorn geöffneten geraden Schwedenärmeln, doch waren sie zweinähtig und ohne 
Achselstück. Von jetzt an vollzog sich die Umgestaltung des Rockes in französischem Sinne. Die 
Aermel erhielten breite weite Aufschläge, die, hinten offen, am Ellbogen sassen und die Hemd- 
ärmel mit den breiten Manschetten blicken liessen. Leib und Schoss wurden häufig getrennt und 
der Schoss als Schurz mit einer Zugschnur um die Hüften festgebunden, so dass zwischen Leib 
und Schurz das feingefaltete Hemd hervortrat (111. 9). Der Schurz erhielt längs- oder quer- 
geschnittene Seitentaschen und am unteren Rand einen Schmuck von Bandschleifen. Nach 1670 
stieg der aus Leib und Schurz wiederum vereinigte Rock mit weiten Schössen bis auf die Waden 
herab und führte breite Aermelaufschläge, Seitentaschen, ein in Schleifen zusammengelegtes Achsel- 
band und reichen Bortenbesatz. Die Behandlung der Aermel war eine wechselvolle. Um 1690 liess 
man den Aermel sich vom Ellbogen an dergestalt erweitern, dass der Aufschlag beliebig weit zurück- 
geschoben werden konnte (110. 16-18. 111. 11. 112. 20. 21); man öffnete ihn hinten und befestigte ihn 
vorn mit einigen Knöpfen. Der Rock war damals ohne Kragen; so blieb er bis 1700. Dann 
erhielt er breite gesteifte Schösse, die an den Seiten in einige Falten gelegt (116. 7), hier auch 
aufgeschnitten und unten an den zusammenstossenden Rändern mit einem Stiche oder Knopfe 
zusammengeheftet wurden (117. s); der Aermelaufschlag war klein, hinten geschlossen und besonders 
angesetzt. Nach 1760 erschien der Aufschlag kaum weiter als der Aermel (117. 1. s. 9), auch die Seiten- 
fältelung massiger, aber der Rock im Oberteile weiter als seither und mit einem kleinen Stehkragen 
besetzt. Gegen 1790 verlegte man die Taschen in die Hinterschösse. Nach 1800 schnitt man den 
Rock in den beiden Rückenteilen schmäler als seither, nach oben und untenhin spitzig, die Brust- 
teile aber breiter; ebenso machte man die Schossstücke hinten schmal, vorn aber breit und besetzte 
jedes Ende der Rückennaht in der Kreuzgegend mit einem Knopfe. Schnitt und Stellung des Kragens 
wechselten nun mannigfach. In den zwanziger und dreissigcr Jahren zog sich der Kragen hinten 
hoch hinauf und vorn bis zur Taille herab (119.12.17); auch bildeten die Aermel auf den Schultern 
augenfällige Bauschen. 
Von diesem Leibrocke sonderte sich in der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahrhunderts 
der Frack, ein Gewandstück, das schon durch seinen Namen als ein Wrack oder Rest des Leib- 
rockes gekennzeichnet erscheint. Anfangs pflegte man die langen Schösse des Rockes nach Belieben 
zurückzuschlagen und zu verknöpfen; dann aber, und zwar zuerst in England und Amerika, schnitt 
man die beiden umzuschlagenden Vorder-stücke hinweg und zwar mit einem Stücke vom Leibe des 
Rockes, so dass der Ausschnitt von der Brust an in einer gleichmässig runden Linie nach untenhin 
verlief (117. 1. 9.16. 1a); später zog man diese Linie in der Taillengegend ein (118. 2.12), um 1837 
schweifte man sie von der Brust an (119. 11); sonst behandelte man den Frack ganz wie den Leibrock. 
Das, was wir heutzutage Weste nennen, war ursprünglich ein Rock, den das Bedürfnis, 
zwei Röcke übereinander zu tragen, aus dem schwedisch-deutschen Lederrock oder Koller entwickelt 
zu haben scheint, denn die Weste glich anfangs in Stoff und Form völlig dem Rocke, nur war sie 
etwas enger und kürzer als dieser. Um 1680 wurde die Weste allgemein als Hausrock getragen 
und selbst ausser dem Hause. Um 1700 verkürzte man die Weste bis auf die Mitte der Ober- 
schenkel und liess dieiSeitenfalten hinweg, die sie mit dem Rocke gemeinsam hatte. Von jetzt 
ab verwendete man neben dem Leder auch farbige Tuch- und Seidenstoffe, namentlich weissen 
Atlas mit eingesticktem Blumenwerk und einem Besatz von Gold- und Silbertressen. Als der Frack 
Hottenroth, Trachten. n. Band. 25
        

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