Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906119
selbst mit dichtgereihten Bandrosetten. Um 1560 legte man anschliessende Beinkleider unter die 
Oberhosen an und schmückte die letzteren unten herab an der äusseren Naht mit Bandschleifen 
in wagrechten Zeilen, die Zahl der Schleifen nach oben hin vermindernd, und ebenso über den 
Leib her, aber in umgekehrt verkürzter Reihenfolge (112. 14). Man machte die Oberhosen bald so 
weit, dass sie einem Weiberrocke ähnlich sahen (11013), ja man legte um 1670 einen förmlichen 
Weiberrock von kurzer Schurzform darüber (111. s). 13. 112.15), den man mit einer Zugschnur um 
die Hüften schloss, so dass zwischen Schurz und YVams das Hemd sichtbar blieb; die Hosen selbst 
unterband man in diesem Falle unter den Knieen. Die Strümpfe, oben mit handbreiten weissen Spitzen 
besetzt, fielen hier trichterförmig auseinander und stülpten sich unter den Knieen. um, die engen Unter- 
hosen blicken lassend. Der Schurz verschwand nach kurzer Frist, aber die weiten Sackhosen dauerten 
bis in das 18. Jahrhundert hinein (112. 13. 15. 116. 2); dann kamen zugleich mit anschlicssenden 
Strümpfen enge Kniehosen oder Cülotten auf, die aussen an den Knieen zugeknöpft oder vernestelt 
und oben statt mit einem Schlitze mit einem breiten Latze versehen wurden (112. 21). Die Cülotten 
währten bis zur französischen Revolution (118. i. 2. s), dann wurden sie allgemach durch lange bis 
aufden Fuss gehende Pantalons ersetzt, ein Gewandstück, das seinen Trägern den Namen nUIIbChOStCu 
(sansculottes) eintrug. Bis jetzt hatte man die Hosen durch eine Zugschnur am Leibe festgehalten, 
seit 1800 aber bediente man sich eigener Hosenträger in Gestalt von Schulterbändern. Um 1818 
trug man die Hosen eng bis zu den Knieen, nach untenhin erweitert und nur bis zu den 
Knöcheln reichend, um 1825 gleich weit und unten mit Stegen versehen, um 1830 wieder durchweg 
eng anschliessend, um 1835 wieder etwas weiter, um 1840 aber nur in der Kniegegend bequem, 
sonst oben und unten anschliessend. Der Latz, seit 1790 üblich, wurde in den dreissiger 
Jahren sehr breit beliebt und währte bis 1850. Der Steg blieb während dieser Wandlungen immer- 
fort in Geltung. 
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts, als die weiten Pluderhosen in Deutschland Mode wurden, 
erhielt das deutsche Wams einen spanischen Zuschnitt; man vertauschte seine weiten, sackartigen 
und vielfach geschlitzten Aermel ( 109. 1. 2) gegen die engeren wattierten spanischen Aermel mit den 
ausgepolsterten Achselwulsten und den Krausen an Handgelenken und Hals (109. 3. ß. 1a), ja 
man beliebte, wenn auch nur vereinzelt, den spitzig über den Gürtel herabhängenden nGans- 
baucha. Um 1570 kam in Deutschland die Puffjacke auf, der eigentliche Reitrock jener Zeit, 
ein Gewand, das sowol als Rock angezogen wie als Mantel um die Schultern gehängt werden 
konnte (109. 1. 10. 11). Die Puffjacke lag entweder auf der Brust glatt an, wie das Wams, und hatte 
einen kurzen angesetzten Schoss (109. 7), oder war im Ganzen geschnitten, durchweg ziemlich weit 
und reichte bis in die halben Oberschenkel herab (109. 10); in letzterem Falle wurde sie um die 
Taille 11er in Falten festgenäht oder auch mit dem Gürtel faltig zusammengeschlossen. Unterhalb 
des Gürtels aber gab man ihr rechts und links einen verknöpfbaren Einschnitt, so dass, falls man 
sich zu Pferde setzte, die abgetrennten Teile des Schosses zurückgeschlagen werden konnten. Vorn 
oder seitwärts über die Brust herab bis zum Gürtel waren beide Arten von Jacken mit Haken 
und Oesen verschliessbar gemacht, in den Aermeln eng oder von sackartiger Weite. 
Bald nach 1600 verloren sich Polsterung und Gansbauch aus dem Wamse, doch steifte man 
noch die Brust mit Fischbein und "liess die Taille von hinten nach vorn in eine schlanke Spitze 
auslaufen. In bürgerlichen Kreisen jedoch ging man bald zu einer geraden gleichmässig langen 
Taille über, gab dem faltenlosen Schoss eine grössere Länge und setzte statt des ausgestopften 
Wulstes einen gespitzten Zeugstreifen auf die Achselnaht; so wurde aus dem Wamse ein Rock. 
Während des dreissigjährigen Krieges wurde für den Rock das schwedische Muster bestimmend; er erhielt 
eine ziemlich kurze Taille, halblange, glatte, hinten getrennte Schösse und gerade einnähtige Aermel 
(110. s); diese sassen in sehr weiten Armlöchern und blieben häufig in ihrer nach vorn fallenden 
verknöpfbaren Naht offen stehen, so dass hier das Hemd oder ein besonders eingesetzter Unter- 
ärmel sichtbar blieb. Der Rock war vornherab mit Knöpfen, Haken oder Nesteln verschliessbar.
        

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