Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906037
den Mantel zu einem schaubenartigen Ueberzieher um, indem _man ihn mit Armschlitzen versah 
und selbst mit Aermeln; diese Aermel waren stets so weit, dass sie über die gepufften Wamsärmel 
angezogen werden konnten, aber gegen das Handgelenk hin passend auf den Arm verengt (93.15). 
Als Kopfbedeckung verlangte die Zeitmode im Anfange des 16. Jahrhunderts ein 
flaches Barett; dieses erhöhte sich allmählich, bis es um die vierziger Jahre zu einem Hute gewor- 
den war. Barett und Hut, so verschieden sie in ihrer Höhe waren, blieben sich doch in der Art 
ihrer Herstellung gleich; sie wurden durchweg aus einem kreisrunden Zeugstücke gebildet, das man 
nach Bedarf grösser Ioder kleiner nahm; den Stoff faltete man gegen den Rand hin auf die Kopf- 
weite zusammen, schlug den für die Krämpe bestimmten Rand auf die Hälfte seiner Breite nach 
innen um und nähte ihn fest. Wünschte man die Krämpe glatt und faltenlos, so setzte man sie 
besonders an, doch blieb sie immer sehr schmal. Der Schmuck des Barettes bestand in einer 
Goldschnur über der Krämpe, einem Geschmeide an der Seite und einer kurzen Feder. Anfangs 
war das Barett Hach und breit, fast wie ein Teller  dann verminderte man die Breite, indem 
man den Kopf über ein Drahtgestell erhöhte (93. e.12-16), und so wuchs sich bei fortwährender 
Erhöhung das Barett zu einem Hute aus. Der Hut wurde etwa von 1540 an üblich; er war im 
Kopfe rundlich (93.11) oder cylindrisch (93. 9) und oben platt, in der Krämpe schmal; man beliess 
ihn ohne Federschmuck. Die Schuhe, welche nach dem Verschwinden der geschnäbelten Spitzen 
vorn rundlich (93. 9) und breit geworden, spitzten sich nach kurzer Zeit wieder zu; sie passten 
auf den Fuss, waren am Fersensttick etwas niedriger als über dem Spann oder an den Knöcheln 
ausgeschnitten und zeigten einen Schmuck von farbig unterlegten kleinen Schlitzen (93. 10-14). Das 
Haar trug man um den ganzen Kopf kurz geschoren, den Bart als gestützten Vollbart, am Kinn 
etwas gespitzt. Handschuhe trug jeder Spanier von Stand, ebenso ein Schwert an einem um 
den Leib gegürteten Wehrgehenke, häufig dazu noch einen Dolch, den man auf der rechten Seite 
mit farbigen Schnüren an den Leibgurt befestigte. 
Die männliche Tracht in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die engen 
Hosen, welche man jetzt zu weben verstand, währten fort; um 1550 fing man an, sie am Knie 
zu trennen und in Hosen und Strümpfe zu zerlegen. Man zog jetzt häufig nur Strümpfe 
über die Unterschenkel und liess das Futter der gepolsterten Oberhose anschliessend bis auf das 
Knie herabsteigen, wo man es mit Bändern an die Strümpfe schloss (93. s). Die Oberhosen be- 
liebte man immer dicker aufgepolstert, entweder nur in ihrem unteren Teile oder in der Mitte 
(93. 8-13.15); das Futter wurde genau nach dieser Form geschnitten, damit es faltenlos blieb. 
Vornehme Leute trugen ihre Hosen in dieser Form bis in das folgende Jahrhundert hinein. In 
bürgerlichen und soldatischen Kreisen aber kam eine andere Hose auf, die oben sehr weit war, 
sich nach unten hin massig verengte und bis unter die Kniescheibe reichte; diese wurde mit einem 
eingesetzten Zuge oberhalb der Kniescheibe um die Strümpfe gebunden, so dass sie sich hier 
etwas aufbauschte (93.14). Sie glich zwei Säcken; bei breitem Stoffe konnte man jeden Sack im 
Ganzen schneiden, so dass man ihn nur aussen herab zusammenzunähen brauchte. Durch Polste- 
rung liess man die Hose von unten nach oben hin anschwellen; diese selbst sass auf einer Futterhose, 
die mit ihrem äusseren Rande der weiten Oberhose glich, mit ihrem inneren aber der engeren, 
die früher üblich war. Der Latz mit der auswattierten Schamkapsel währte fort. Zugleich mit 
den Strümpfen kamen gamaschenartige Ueberstrümpfe von geschmeidigem Leder auf, die bis in 
die halben Oberschenkel reichten und seitwärts oberhalb der Knöchel herauf verknöpft wurden, 
damit sie sich hier fest um das Bein schlossen (93. 9). Von 1560 ab erhielt das Wams einen 
etwas veränderten Schnitt; man machte seinen Leib vorn augenfällig länger, als hinten, und wattierte 
ihn über die Brust her, zuerst gleichmässig, dann unten und besonders nach der Mitte hin, so dass 
diese eine vorstehende Kante bildete, welche sich nach obenhin abflachte (93. 12). Gegen Ende des 
Jahrhunderts liess man die nach unten steigende Polsterung dergestalt anschwellen, dass das Wams 
wie mit einer ausgestopften Kapuze frei über den Unterleib hing (vergl. Fig. 32. a. 4). Ein Polster
        

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