Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1906015
Die königliche Tracht unterschied sich, von Krone und Scepter sowie einer kostbaren 
Ausstattung abgesehen, nicht von der üblichen Tracht der vornehmen Spanier. In einer dem 13. Jahr- 
hundert angehörenden Buchmalerei begegnet uns der König Alfons X. von Kastilien und Leon 
(91. s. .6) in scharlachroten Trikots, einer violetten Tunika, die geschlossen ist und bis in die halben 
Waden herabsteigt, sowie in einem über beide Schultern gehängten Rückenmantel von Purpur. Ein 
Steinbildwerk aus dem 14. Jahrhundert zeigt den König Heinrich II. von Kastilien (91. a7) in einer 
langen Untertunika mit rückwärts verknöpften Aermeln, einer geschlossenen Obertunika, welche bis 
auf die Füsse reicht, einem langen auf der rechten Schulter mit drei Knöpfen geschlossenen Mantel 
und mit Handschuhen, an deren kurzer Stulpe ein Quästchen hängt. Nach einem Gemälde aus dem 
15. Jahrhundert trug der König Johann II. von Aragonien (gest. 1479, 92. 16) ein langes goldbro- 
katenes Unterkleid mit engen Aermeln, ein purpurnes Oberkleid mit sehr weiten Aermeln, das vorn 
vom Leibe an bis untenhin aufgeschnitten, durchweg mit Hermelin gefüttert und untenher damit 
verbrämt war, einen geschlossenen breiten Schulterkragen von Hermelin und violette Stulphand- 
schuhe. Auf einem anderen Gemälde, welches Ferdinand den Katholischen darstellt (um 1490, 92.  
trägt der König ein langes Oberkleid von Goldbrokat, das von den Hüften an abwärts und obenher 
in den weiten Aermeln geschlitzt ist, durch die weissverbrämten Schlitze ein rotes Unterkleid 
blicken lassend, dazu einen ringsum geschlossenen rotvioletten Ueberwurf, der seitwärts über die 
Arme heraufgenommen ist. Die königliche Familie erscheint auf diesem Bilde nach der Zeitmode 
gekleidet (92. 19.  ebenso gekleidet stellen uns zwei Grabsteinbilder den älteren König Johann 
von Kastilien (gest. um 1454, 92. 2a) und die Königin Isabella von Portugal (gest. 1496) dar, 
letztere in dem mantillenförmigen nationalen Ueberwurfe (92. 22). 
Die männliche Tracht in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Tracht 
in italienischem Geschmack, wie sie das abgelaufene Jahrhundert überliefert hatte, veränderte sich 
in den ersten Jahrzehnten nur wenig. Man trug lange Strumpfhosen, darüber geschlitzte Knie- 
hosen, ein geschlitztes Wams oder verknöpften Rock, schaubenartige Ueberröcke, Barette, niedrig 
oder hoch, randlos oder mit Krämpe, und niedrige Schuhe, die auf den Fuss passten. Die Bein- 
linge wurden obenher durch einen Gurt festgehalten, und die Oberhosen an die Beinlinge oder das 
Wams festgehakt. Dann fing man an, die Oberhose (Fig. 43. 1. 2. mit Einsatzzwickel) der Länge 
nach völlig zu Riemen aufzuschneiden und diese der Quere nach mehrfach zu unterbinden (93. l) 
oder deren Ränder in gleichmässigen Zwischenräumen aneinander zu knöpfen, so dass die darunter 
liegende Futterhose, welche etwas weiter war, als die Oberhose, puffig zwischen den Schlitzen 
hervortrat. Ober- und Futterhose nähte man unten und oben sowie vorn am Ausschnitte zusammen, 
und setzte in den Ausschnitt der Oberhose den Latz, welcher nach französischem Muster zu 
einer runden Kapsel ausgesteift war. In den vierziger Jahren liess man die queren Unterbindungen 
weg und die Riemen, welche jetzt mit einer Menge von schrägen Schlitzchen verziert wurden, 
frei herabfallen; mit dem unteren Saume aber nähte man die Oberhose an eine zweite Futter- 
hose, die das Bein-umschloss, doch kürzer als die Oberhose war, weshalb diese gezwungen wurde, 
sich ebenmässig zu verkürzen und aufzubauschen. Die obere Futterhose wurde nach und nach so 
steif mit Werg und Wolle ausgepolstert, dass die Riemen sich glatt wie Blechbügel darüber legten 
(93. s. 1a). Auch das Wams erfuhr anfangs nur wenig Veränderungen; man beliebte es glatt, 
faltenlos und vorn herab aufgeschnitten; nur setzte man den Schoss jetzt immer häufiger besonders 
an den Leib, der bis auf die Hüften herabstieg (Fig. 43. 4. 5. 1a), liess das Wams bis zum Halse 
steigen, und diesen beliebig noch mit einem niedrigen Stehkragen umschliessen (93.  Die Aermel 
(Fig. 43. s) löste man ganz so wie die Oberhosen in Riemen auf, und unterband und puffte sie. 
Man verknöpfte das Wams vorn herab oder schloss es nur am Halse mit einem Haken und um 
die Taille mit dem Schwertgurte, welcher der Schossnaht folgend auf derselben lag und sie ver- 
deckte. Als man anfing, die Riemen der Oberhose mit kleinen Schlitzen zu schmücken, besäte 
man das ganze Wams reihenweise mit diesem Schmucke (93. s. 1a); die Aermel 11955 man ganz
        

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