Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905995
Loba wurde bis unter das Knie verkürzt und gleich dem französischen Sürkot an den Seiten ausge- 
schnitten; die Ausschnitte waren lang und obenher so tief, dass das Kleid wie mit einem ringsum 
laufenden Schulterkragen über die Achseln fiel (91.as. Fig. 42. e); das Rückenblatt war breiter alS 
das Vorderblatt, und dieses zeigte längs seiner Mitte eine Borte mit Knöpfen. Der Mantel war halb- 
kreisrund,entweder schleppend und Fig. 42. mit ArmSChlitZCn und AChSGlÖCCkCII 
mitten auf der Brust geschlossen 1 2  3 ein, von welchen die letzteren eben- 
(91, 40), oder nur kurz und dann   falls einen Halbkreis bildeten; doch 
auf der rechten Achsel befestigt      nähte man diese Decke mit der ge- 
(91. a9). Gegen Ende des 14.   radenKantenurüber dieAchselund 
J a h r h u n d e r t s machte man   hinten herab an den Rand der Arm- 
Unter- und O berkleid nur über  schlitze fest, aber nicht vorn (91. 34). 
die Brust her anliegend und er-   In anderer Form verkürzte man 
weiterte sie gleichmässig nach  den Rückenmantel biS unter das 
untenhin. Das Oberkleid erhielt  Knie und gab ihm einen hohen 
lange Aermel, welche entweder  gesteiften Stehkragen (91. 42. Fig. 
gleich weit waren oder sich nach 5  42. 7); so trug man ihn über beide 
untenhin trichterförmig öffneten,  ( Sehulteffl gehängt, einfach Oder 
oft so weit, dass Sie den Boden 4  6 X mit Armschlitzen; die Schlitze 
berührten; auch wurden Aermel Ä  aber reichten etwa von der Mitte 
dieser Form am Saume gezaddelt.      des Oberarmes bis untenhin (92.64. 
Zugleich erweiterte man die Unter-    [7  Fig- 42- 8)- Jungfrauen trugen 
ärmel am Handgelenke. Die Klei- [i   ihr Ha a. r frei und aufgelöst 
der beliebte man nun wieder zu- 'a  herabfallend, mit einem Stirnreife 
meist gegürtet, bis zum Halse  8  10 oder bunten Wulstringe oder einem 
reichend und mit einem kurzen Ei   Kränze besetzt (91. 38-40), ver- 
Brustschlitze versehen, dessen Rän-  1 heiratete Frauen aber in ein weites 
der nachaussenhinumgeklappt,oder  Haarnetz untergesteckt und den 
ausgeschnitten und mit einem feinen {Äi  Ä Kopf mit einem mässig grossen 
Brusttuche ausgefüllt. Den langen    Zeugstücke bedeckt, das sie nach 
halbkreisförmigenMantel richtete    l Belieben mit einem Reife unter- 
man wieden männlichenUeberhang fassten. Die Beischläferinnen der 
Geistlichen mussten einen roten Streifen an dieser Haube tragen. Es kam damals auch der in 
Frankreich beliebte mondsichelförmige Kop f putz auf, ein Reif, in welchem seitwärts über den 
Schläfen zwei gewölbte, obenher abgerundete und aussenher mit bestickter Seide überzogene Platten 
befestigt waren (91. a4). Dem Rande der Platten folgte häufig ein Wulstbesatz und den Zwischen- 
raum zwischen beiden Platten füllte ein locker eingesetztes Zeugstück (vergl. 75. s). Die Schuhe 
waren massig spitz und nach Vermögen mit Stickerei und Goldbesatz verziert. 
Der Einfluss der französischen Mode wurde im 15. Jahrhundert so mächtig, dass die 
männlich e T rac ht völlig der französischen in allen Wandlungen und Auswüchsen derselben gleich- 
kam, so dass hier ein Hinweis auf jene Trachten genügen kann (s. S. 151-454). Die volkstüm- 
lichen alten Tuniken und Mäntel fanden fast nur noch als Ceremonien- und Ordenskleider Verwen- 
dung. Der Mantel kam halbkreisförmig oder "rechteckig zugeschnitten vor; der eckige Mantelwurde 
um den Hals her in Falten gelegt (92. s), mit einem niedrigen Stehkragen besetzt und, auf beiden 
Schultern liegend, mit einer langen Schnur über die Brust her festgehalten. Als Schutzkleid warf man 
den Rückenmantel mit einem seiner Vorderblätter über die entgegCngeSetZte Sehllltef Zurück (92- 9)- 
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde infolge der politisehe" Verbindung Spaniens mit 
Neapel die französische Mode durch die italienische beschränkt und endlich ganz Verdrängt M3" 
kleidete sich jetzt ganz nach italienischem Geschmack in knappanschliessende Beinlinge _mit darüber
        

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