Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905987
zu bedecken, aber vorn herab offen blieb (91. 29.111). Die Hosen glichen den auch anderwärts üblichen 
Strumpfhosen; die Schuhe waren hoch, geschlossen und vorn etwas gespitzt. Das Haar trug man 
halblang und über der Stirne zurückgestrichen, das Kinn häufiger glatt als bärtig. Als Kopfbedeckung 
diente eine cylindrische Mütze mit flachem Boden, die im Nacken sowie über den Schläfen etwas 
tiefer herabstieg als vorn. Die Frauen bekleideten sich fast noch so wie im 12. Jahrhundert 
mit einer langgegürteten Aermeltunika, einer mehr oder minder anschliessenden Jacke (91. 1. s) 
und einem Rückenmantel, den letzteren mit Schnüren, die quer über die Brust liefen, festhaltend. 
Zwischen Rock und Mantel legten sie jetzt aber noch ein dem männlichen Loba völlig ähnliches 
Gewand ohne Aermel an, das frei und ohne Gürtung herabfiel (91. 1); dieses Kleid erhielt sich ohne 
wesentliche Aenderung bis zum Anfange des 14. Jahrhunderts, um welche Zeit es nach dem Muster 
des französischen Sürkot zugeschnitten wurde (91. iss). Junge Mädchen trugen das Haar frei in den 
Nacken fallend; verheiratete Frauen banden ihr Haar auf, doch so, dass der Nacken bedeckt blieb. 
Der Kopfputz glich dem nCornou der venetianischen Dogaressen (91. 1. s; vergl.  hatte 
eine hohe cylindrische Form, war oben etwas breiter als unten, flachbodig und am Rande mit goldenen 
Kugelknöpfchen besetzt, aussenher aber mit weisser goldgemusterter Seide überzogen (91. 7); die 
Hüte in beiden Formen wurden durch ein Kinnband festgehalten. Ritterliche Leute trugen die 
langen Röcke verkürzt, unten bis zu den Knieen, in den Aermeln bis zum Ellbogen, und schlossen 
sie mit einem Ledergurt (91. 12) oder einer breiten Binde um den Leib. 
Im 14. Jahrhundert begann die französische Mode diese halborientalische Kleidung lang- 
sam und stückweise zu verdrängen. Die Männer behielten zwar noch die alten Strumpfhosen bei, 
aber sie verengten ihren Leibrock faltenlos auf den Körper (91. 21. 29. Fig. 42. 1- 2), verkürzten ihn 
untenher bis über die Kniescheibe, in den Aermeln bis an den Ellbogen, verknöpften ihn vorn herab der 
ganzen Länge nach sowie auf der Rückseite der Vorderarme, und beliebten auch jede Hälfte des Rockes 
aus andersfarbigem Tuche, den Gürtel tief um die Hüften gesetzt, den Rand des Kapuzenkragens 
gezähnelt und die Kapuzenspitze in einen strickförmigen Zipfel verlängert (91. 21). Die Hängeärmel 
währten bis zum Ende des Jahrhunderts. Daneben trug man noch die lange faltige Gewandung un- 
verändert fort (91. es. 30-32), auch den ärmellosen Loba, welcher sich noch in das folgende Jahr- 
hundert vererbte (92. 7), und das maurische runde Mäntelchen, das vorn herab aufgeschnitten war 
und am Halse mit einigen Knöpfen geschlossen wurde (91. 29). Gegen Schluss des Jahrhunderts kamen 
bequeme sackförmige Aermel auf (Fig. 42.10), mit welchen man den knappen Leibrock besetzte; so 
trug man denselben auch als Waffenrock (aljuba, auch pelote oder guezote 91. 41). Das Schwert war an 
einem breiten Bande befestigt, welches von der rechten Schulter nach der linken Hüfte ging; so 
trug man es noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts; es war dies die Art der Gallier, welche sich 
hierin von den Franken unterschieden, die das Schwert an einem Hüftgürtel trugen, eine Befesti- 
gung, die von den Spaniern nur zum Teile beliebt wurde (91. 21. a5). AüCh untCYSChiCd sich der 
spanische Waffenrock von den anderwärts üblichen durch bequeme Aermel (91. 35. Fig. 42. 4. 5). 
Die weibliche Kleidung blieb bis um die Mitte des 14. Jahrhunderts die altge- 
wohnte und bestand aus einer Untertunika mit passenden Aermeln, einem Ueberrocke mit weiteren 
Aermeln, beide Röcke gegürtet und ungegürtet, faltenreich und bequem (91. 3a), einem Ueberkleide 
ohne Armel und einem mantelartigen Ueberwurfe (91. 1). Von der kurzen Jacke scheinen abbild- 
liche Spuren nicht vorhanden zu sein. Um die Mitte des Jahrhunderts machte man Unter- und 
Ober kleid passend und faltenlos bis auf die Hüften herab, so dass eine Gürtung überflüssig wurde 
(91. 33-40), und gab ihnen oben einen ziemlich weiten Halsausschnitt, unten aber eine massige 
Schleppe. Das Unterkleid kam sowol völlig geschlossen als auch vorn herab geöffnet vor, entweder 
nur oberhalb oder durchweg und verknöpfbar (91. a9. 40); es hatte enge Aermel, die hinterwäyts 
im Unterarme verknüpft oder über einem weissen Unterärmel, der sichtbar blieb, verschnürt wurden. 
Das Oberkleid war ebenso gestaltet, hatte aber weitere Aermel, die nur bis zur Armbeuge reichten, doch 
hinterwärts mit einer kurzen Spitze über den Ellbogen hingen (91. es. Fig. 42. 11). Der ärmellose
        

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