Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905978
Aragon, Catalonien, Andalusien und Valencia bedienen sich heute noch ähnlich zugeschnittener 
Wolldecken, die buntfarbig gestreift und befranst sind, als Mäntel. Die Frauen legten über die 
Tunika mit den runden Zierstücken die schon genannte kurze Jacke, solche entweder von bequemer 
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einiger nordfranzösischer Kathedralen begegnet, wo es schuppenartig bestickt und so einem Schuppen- 
panzer ähnlich erscheint; die lange auf dem Unterleibe verknotete Gürtelbinde aber fehlt an den 
spanischen Bildwerken. Es ist nicht unmöglich, dass das kurze, schwarze und verzierte Oberkleid 
der heutigen Spanierinnen, die nBasquinau, aus dieser Jacke sich entwickelt hat; der Name selbst 
deutet auf die Basken, die altheimische Bevölkerung von Spanien. Das Haar wurde gescheitelt, oder 
völlig unter dem Kopfputze verborgen. Als solcher diente ein umgewundenes über der Stirne hel- 
besticktes Tuch, das man seitwärts auf eine Schulter herabfallen liess (Fig. 41. a), oder eine unter 
dem Kinne verschnürte Unterkappe mit ähnlicher Verzierung und einer zweiten Kappe mit abge- 
platteter Spitze darüber, die nach Art der phrygischen Mütze vornüber fiel (Fig. 41. 4. s). 
Im 13. Jah rhund ert wurde die maurische Macht durch die christlichen Waffen gebrochen; 
gleichwol lassen die Steinbildwerke aus jener Zeit, die nun auch durch Buchmalereien unterstützt 
_werden, erkennen, dass die Christen, welche den Glauben der Araber bekämpften, doch die Tracht 
derselben für annehmbar hielten. Es ist kaum zu bezweifeln, dass die langen Gewänder, für welche 
damals in ganz Westeuropa eine grosse Vorliebe herrschte, durch den orientalischen Verkehr in 
das Land kamen, vom byzantinischen Osten her durch die Kreuzfahrer, vom spanischen Westen 
her durch die Araber. Die Män n er trugen in der Regel zwei lange Röcke übereinander. Das 
Unterkileid lag obenher passend an (91. 2. e), erweiterte sich von der Brust ab und reichte bis 
in die halben Schienbeine; in den Aermeln war es lang und passend und hier häufig hinten am 
Handgelenke verknöpfbar, ebenso am kurzen Brustschlitze. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts 
kamen Hängeärmel (ncanadillea) auf, welche als schmale Streifen auf der Aussenseite des Armes herab- 
hingen (91. 31:32). Das Ueberkleid, vLobau geheissen und vermutlich byzantinischen Ursprungs, war 
ebenso lang wie das erste, hatte aber keine Aermel (91. s); sein Schmuck war ein Besatz von Pelz 
oder Borten um die Armlöcher her, sowie am Brustschlitze und Halsloche. Beide Gewänder wurden mit 
und ohne Gurt getragen. Dazu kam noch der mit einer Doppelschnur über die Brust her fest- 
gehaltene Rückenmantel (91. s). Als Schutz- und Reisekleid diente die den Mauren entlehnte nGZ-lf- 
nachaa; dieses Kleid war ebenfalls lang, und hatte kragenartig überfallende Aermel oder Arm- 
decken (91. 2a. 30-32), welche mehr oder minder tief über die Armbeuge reichten. Die Aermel waren 
halbkreisförmig geschnitten (Fig. 42. a) und mit der geraden Kante an die Ränder der Armschlitze fest- 
genäht; unter ihnen sahen die Hängeärmel des Unterkleides hervor. Das Kleid war vorn herab gänz- 
lich offen und bis zum Knie verknöpfbar, oder hatte nur einen Brustschlitz mit Knöpfen. Obenher 
wurde es mit einer Kapuze, dem nCapifOnu besetzt, die mit einem schmalen, geschlossenen oder ver- 
schliessbaren Kragen über Brust und Schultern fiel (Fig. 42. 6). Unter der Kapuze brachte man häufig nach 
maurischer Sitte einen kreisrund geschnittenen Mantelkra gen an, der lang genug war, um die Arme
        

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