Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904330
schrieben. Die Tunika reichte bis an die Fussknöchel. (4. 1a); ihre Aermel waren ganz wie bei dem 
Männerrocke so lang, dass man sie über die Unterarme zusammenstreifen musste; sie mögen bei kalter 
Witterung zugleich als Handschuhe gedient haben. Bezüglich des Kleides, welches "Gunna" genannt 
wird, gehen die Meinungen auseinander; den schriftlichen Berichten nach müsste es eine kurze 
Uebertunika mit halblangen Aermeln gewesen sein; in den Abbildungen aber Findet sich niemals 
eine kurze Tunika als Ueberrock angedeutet, wohl aber ein langes schleppendes Gewand mit weiten 
Aermeln, das unter dem Gürtel heraufgezogen werden musste, um darin gehen zu können (41.18.22). 
Als Schutzkleidung zu Hause wie beim Ausgänge bedienten sich die Frauen einer ringsum schlies- 
senden langen Pänula und eines Tuches von Leinwand oder Seide, welches über den Kopf gelegt 
und nachBelieben um den Hals geschlungen wurde. Strümpfe bildeten höchst wahrscheinlich einen 
Teil der weiblichen Kleidung; in den Miniaturen scheinen sie jedoch beständig von Tunika und Gunna 
verdeckt; was von Schuhen sichtbar, ist schwarz gemalt. Das Haar pflegten die Frauen in lange 
Locken zu drehen oder zu kräuseln, den Schleier aber zuweilen noch mit einem goldenen Kopf- 
bande festzuhalten. Armbänder, Halsschnüre und Ohrringe finden sich fortwährend in den Schriften 
erwähnt. Handschuhe dürften unter beiden Geschlechtern erst um die Wende des 10 und 11 jahr- 
hunderts üblich geworden sein; sie wurden bis dahin durch die langen Aermel ersetzt. Eine Miniatur 
aus jener Zeit lässt uns eine Frau begegnen, welche an der linken Hand eine Art von Fausthand- 
schuh mit besonders angesetztem Daumen trägt; der Handschuh ist blau gemalt. 
Anuerin, ein keltischer Barde, welcher selbst gegen die eindringenden Angelsachsen mit- 
gefochten hatte, gibt folgenden Bericht über die Schlacht bei Cattraeth: „Dreihundert Krieger waren 
es in vergoldeten Rüstungen, drei gepanzerte Rotten mit drei Anführern, die goldene Halsringc 
trugen. Bewaffnet waren sie mit Dolchen in weisser Scheide; sie trugen vierkantige Helme. Iiinige 
hatten Speere und Schilde, letztere aus gespaltenem Holze. Ihr Führer trug einen gewölbten Schild; 
er war geharnischt mit einem schuppigen Panzer und bewaffnet mit einer mörderischen Pike; er trug 
die Haut eines wilden Tieres (vergl. 1. m). Sein langes Haar floss über die Schultern und war, wenn 
'er unbewaffnet ging, mit einem Kranze von Bernsteinkugeln geschmückt; um seinen Hals trug er einen 
goldenen Ring." Viereckige Helme und selbst Kronen solcher Art (4. 20) begegnen uns häufig in 
den angelsächsischen und fränkischen Handschriften bis in das 10 Jahrhundert hinein; diese Form, 
so unschön und unpassend sie erscheint, hat ihren Grund in dem grossen Schutze, welchen die 
vorstehenden Kanten gegen feindliche Hiebe gewähren, aber nicht, wie man vermuten könnte, in 
der ungeschickten Hand der malenden Mönche; indess gab es auch runde Helmkappen in der Form 
von Glockenhelmen (4. s). Vorzugsweise vertreten unter dem angelsächsischen Kopfschutze war eine 
Kappe mit vorwärts geneigter Kuppe (4. 11. 12), die vermutlich von Leder und mit Metall beschlagen, 
sowie ein Helm von nahezu konischer Form (4. 14) mit kl-IFZCI" Naßenberge, ein Vßfläüfef dßS SOgC- 
nannten normannischen Helmes. Ein Helm, welcher statt der Kuppe einen gezackten Kamm hatte 
(4. 1a. 2a), dürfte als der letzte Ausläufer des altgermanischen Eberhelmes zu betrachten sein, welchen 
die Sachsen mit über das Meer herübergebracht hatten und von welchem bis jetzt nur Ein Exemplar 
in Derbyshire dem Grabe eines Häuptlings enthoben wurde (5. 11). Dieser Helm besteht aus 
eisernen, zu einer Rundkappe übereinander gebogenen Spangen, die am unteren Rande an einem 
Reife festgenietet, in der Kreuzung aber, oben auf dem Wirbel, mit dem Eisenbilde eines Ebers 
besetzt sind. Das Eberbild war das Zeichen des Frö und galt als schützendes und schreckendCS 
Amulet. In der christlichen Zeit begnügte man sich mit einer Andeutung der Rückenborsten des 
Ebers in Gestalt eines gezackten Kammes; möglich, dass auch noch die Augen, die Hauer und die 
Ohren des Tieres durch Metalleinlagen nachgeahmt wurden. Unter dem Schuppenpanzer, von wel- 
chem der keltische Barde redet, haben wir sicher die Rüstung aus Hornplatten zu verstehen, welche 
durch sarmatische und gothische Stämme nach dem Abendlande gekommen war. In einer der älte- 
sten Miniaturen begegnet uns ein Panzer aus Ringen, welche flach auf einen ledernen Rock aufge- 
näht erscheinen  es ist dies die "Byrne", welche sich im 8 Jahrhundert erwähnt findet; SPäter
        

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