Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905946
und hing vorn herab. Man pflegte eine Kapsel mit Essenzen am Gürtel zu befestigen, auch ein 
Täschchen mit Toilettbedürfnissen, oder den Balg eines Eichhörnchens oder Wiesels als Flohfanger 
(90.10), im Winter eine walzenförmige Muffe. 
Fast in ganz Italien wurde das Haar von der Stirn und den Schläfen aus zurückgestrichen, 
glatt, wellig oder locker aufgekräuselt. In Rom fasste man es hinterwärts mit einem schmalen Tuche 
zusammen und band den Schleier darüber; in der Romagna legte man es mit schmalen Flechten 
zu einem ziemlich hohen Kegel auf den Hinterkopf zusammen und befestigte auf dessen Spitze 
ein Netz, das mit handlangem Zipfel in den Nacken fiel. In Oberitalien ordnete man die Flechten. 
zu einem flachen Neste auf den Hinterkopf (90. 4. s. s. 10. 1a) oder legte sie spiralisch über die 
Ohren und nahm das übrige Haar im Nacken hoch. Von Venedig aus verbreitete sich über ganz 
Italien eine wo cornaa genannteHörnerfrisur (89.16.18); das Haar wurde vorn auf jeder Seite zu 
einem spitzen Kegel emporgelockert, so dass die Frisur, von vorn betrachtet, einer Mondsichel 
glich; hinten wurde das Haar mehrfach zu einem breiten Knoten geschlungen. In Venedig war 
auf jedem Dache eine viereckige Kabine aus Holz, die keine Decke hatte; dort sassen die Damen 
in langem Hemde tagesüber in der brütenden Sonnenhitze, einen breiten Hutrand von Stroh auf 
dem Kopfe und über dem Schirme die Haarmasse ausgebreitet; diese wuschen sie mit beizenden 
Wassern mittelst eines gestielten Schwämmchens (Fig. 40. s); dann liessen sie das Haar an der Sonne 
trocknen und wiederholten die Waschung viele Monate hindurch, bis das Haar goldblond war. 
Gegen Ende des jahrhun- Fig_ 40_ vor der Sonne durch breite 
derts ward es durch ganz   -4 schüsselförmige Strohhüte, 
Italien üblich, das Haar über    in Turin das Gesicht ausser- 
ein untergelegtes Drahtgß-   IX dem durch ein kleines vier- 
Steil i" die Höhe Zu tuPie'      iä  eckiges Stück von schwar- 
Teii (9916)- Die KQPi-be" 29g!" I    {bei i zem Flore, das man über 
deckungen verminderten i"  (USW (x    den Augen um die Stirne 
Sich; in Siidiiiiiieli Wie aui     1 Mit  llgäiii ß band. In Siena tru en 'ün- 
Sardinien und namentlich  i i ß   iiiqnißiiix  g- J 
 _ 2 Wg   1 Ü gere Frauen kleine mit Sam- 
in Turin schützte man sich 1 2  5 met überzogene Hütchen, 
deren abstehende Krämpc über den Ohren eine leichte Wölbung hatte. Mit der spanischen Mode 
kamen die Barette in das Land, die über Draht gespannt nach unten hin faltig zusammengezogen 
waren. Die Fussbekleidung wurde vorn rundlich gemacht, auf dem Spanne geschlossen oder auch 
ausgeschnitten und selbst pantoffelartig ohne Fersenstück hergestellt; die hochsohligen Stelzschuhe 
währten fort (89. 16-18. 90. 19. Fig. 39. a. 7. 9. 10); daneben benützte man bei regnerischem 
Wetter dicksohlige Sandalen (90. 1. 2). Strümpfe gewannen weitere Verbreitung, ebenso Hand- 
schuhe. Fächer gab es aus zusammengebundenen Straussfedern (88. 1a. 20), daneben andere aus 
einem viereckigen Stück Pergamente, das wie ein Fähnchen an einem Holzgriffe befestigt war 
(89.13.18. 90.11). Zu Ende des Jahrhunderts kamen die zusammenlegbaren Fächer auf (90. 21). 
Unter dem Landvolke bildeten sich durch Mischung von alten und neuen Kleiderformen 
besondere Volkstrachten heraus. Die Kalabresen (90. 21) trugen lange enge Hosen von 
grobem Zeuge, eine schwarze gegürtete Tunika mit bequemen Aermeln, einen langen schwarzen 
Mantel, an der Halsgrube verknöpft, hohe Schuhe und eine schwarze Zipfelmütze mit kleinem 
Aufschlage. Die Bauern im Venetianischen (89.14) hatten Pumphosen an, welche sie in hohe 
Ledergamaschen untersteckten, einen bis auf die Kniescheibe reichenden lohfarbenen oder grauen 
Rock, den sie vorn herab mit Bändern schlossen und um die Hüften gürteten, einen Mantel von 
gleicher Länge und ebenso gefärbt, mit einem stehenden Halskragen und einem besonders an- 
gesetzten Schulterkragen, einen groben Strohhut und hohe Schuhe. Die venetianischen 
Bäuerinn en (89. 15) bekleideten sich mit einem himmelblauen Unterrocke, einem groben Oberrocke, 
einem Aermelleibchen, das mit Silberknöpfen besetzt und über dem Hemde verschnürt war, so dass dieses
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.