Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905888
Schoss aber verschnitt man bald zu einem frackartigen Stücke, das nur wenig den Hinteren bedeckte 
(86. 1a. 22. 24), bald löste man ihn völlig in ein Netz von Riemen auf (86.16). 
Der halbrunde Rückenmantel und der rechteckige Schultermantel blieben ferner in 
Gebrauch, wenn auch unter mancherlei Abänderungen. Bevorzugt wurde namentlich von Beamten 
und Gelehrten ein bis in die Unterschenkel reichendes quadratisches Zeugstück mit Längsschlitzen 
für die Arme, das man anziehen konnte wie einen Rock (85. 20), oder umhängen wie einen Mantel 
und selbst umwerfen wie eine Toga, nämlich unter der rechten Achsel her und kreuzweis über 
die linke'(87. s). Gewöhnliche Bürger bedienten sich eines kürzeren und halbrunden Zeugstückes 
mit Armschlitzen, das sie anzogen und vorn herab schlossen oder an beiden Kanten nach aussen 
hin umschlugen, so dass der Umhang einer deutschen Schaube ähnlich sah, besonders, da man 
häuüg die beiden Umschläge um den Nacken her durch einen Ueberfallkragen verband (86. s. 87. 1). 
Das wie eine Tunika geschlossene Schutzkleid besetzte man mit einem besonderen Schulterkragen, 
welcher rechts und links mit langer Spitze herabfallend die Arme bedeckte (86. 12. Fig. 39. s). 
Die Jugend bediente sich wie in Frankreich und Deutschland kurzer viereckiger Mäntelchen, welche 
sie auf der rechten Schulter mit Schnüren," Knöpfen oder Spangen befestigte, auch der tappert- 
förmigen Ueberwürfe, die an den Seiten herab offen standen (86. 4), und der Rückenmäntel mit langer 
Kapuze und mannigfach ausgeschnittenem Ueberfallkragen (86. 20). 
Das Fusszeug war massig gespitzt; die langen Schnabel wurden nur von Gecken beliebt, 
die ja überall alles verkehren und lang tragen, wo es kurz, und kurz, wo es lang sein müsste. 
Man unterlegte die Füsse der Beinkleider mit Ledersohlen oder trug Knöchelschuhe; diese hatten 
häufig einen anders gefärbten zumeist weissen Umschlag (86.12), oder waren auf dem Spann aus- 
geschnitten, wo sie mit einem schmalen Riemen festgehalten wurden (86. 1a); hinten stiegen sie nicht 
selten schnabelartig die Ferse überragend in die Höhe (86. 25). Reiter und Reisende benützten 
hohe Stiefel, die bis gegen die Kniescheibe reichten (85 3. 5) oder auch höher hinauf; dann aber 
stülpten sie dieselben soweit um, dass das Knie frei blieb (87. a). Unter den Kopfbedeckungen 
behauptete sich noch immer die Kapuze mit ringsum laufendem Schulterkragen (85. 22. 2a). Gesetzte 
Leute trugen einfache Rundkappen, oben gewöhnlich faltig zusammengedrückt, unten glatt (85. 4. s) 
oder mit einer Krämpe besetzt, die aufrecht stand oder an den Schläfen zerschlitzt und vorn in 
die Höhe, hinten aber nach unten geklappt war (85. 21). An dieser Krämpe liess die Mode ihre 
Schrullen aus; sie bog dieselbe vorn schildartig über das Gesicht herab, stellte sie hinten hoch 
empor und rollte sie nach aussenhin zusammen, oder sie bog die Krämpe über Gesicht und Nacken 
in die Höhe und einwärts, so dass sie, von der Seite gesehen, einer Mondsichel glich (86.  
Man trug auch mörserartig überhöhte Mützen mit und ohne Krämpe, die Krämpe aufgestellt 
oder schräg um den Kopf hängend (86. 1a); überdies benützte man Sackmützen mit dickem 
Wulstringe und Sendelbinde (85. s. 1). Das Haar trug man wie früher schlicht und von 
mässiger Länge, über der Stirne her wagrecht abgeschnitten. Die eitle Jugend aber brannte und 
kräuselte ihr Haar, liess es wellig in den Nacken fallen (86. 20-22) oder ordnete eS in Löckßhen 
den Wangen entlang und selbst rings um den Kopf; auch teilte sie es in zahlreiche lange Ringel- 
locken, die sie mit einem Bande, Reife oder Blumenkranze zusammenhielt. Das Kinn wurde glatt 
rasiert; der Bart fristete sein Dasein nur als kurzer Backenbart, seltener als spitzer Knebel. 
Handschuhe gewannen immer grössere Verbreitung.   
Die weibliche Tracht behielt bis in die Mitte _des 15. Jahrhunderts im Ganzen 
genommen die Formen der abgelaufenen Periode bei. Das Unterkleid (85. 10) richtete sich nach 
dem Oberkleide; dieses aber schloss sich entweder passend bis auf die Hüften herab an (85. 12. 1a) 
oder nur um die Brust her, und erweiterte sich allmählich nach unten hin, wo es mit einer langen 
Schleppe den Boden fegte (85.12.12). Die am Oberkörper anschliessenden Röcke hatten einen weiten 
Halsausschnitt und blieben ungegürtet; die anderen wurden dicht unter der Brust gegürtet und 
hatten nur einen mäsusigen Halsausschnitt mit einem viereckigen andersfarbigen, zumeist weissen 
Hottenrorh. Trachten. H. Band. 2. Aufl.  
        

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