Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905863
und am Saume gezähnelt waren; ausserdem noch Doppelärmel, von welchen der obere völlig auf- 
geschlitzt war und hinterwärts herabhing, nicht selten den Boden berührend (844). Der Gurt war 
nicht allgemein üblich; er sass nur als Putzstück locker auf den Hüften. In Oberitalien, namentlich 
in Florenz, trug man um diese Zeit eine Zimarra von Goldbrokat, sowie rotem oder violettem 
Stoffe, welche an beiden Seiten von den Achselgruben an bis unten hin völlig offen und mit 
zahlreichen Knöpfchen verschliessbar war (84.12); dieselbe wurde unter der Brust gegürtet, häufig 
jedoch nur mit dem vorderen Teil untergefasst, während der hintere frei blieb. Unter den jungen 
Frauen in Siena kam eine halblange Zimarra in Mode (84. s), welche um die Brust her anlag und 
unten einen breiten Besatz von farbigem Netzwerke hatte, doppelt gegürtet und unter dem zweiten 
Gurte bauschig heraufgezogen wurde. Am Schluss dieses Jahrhunderts kam nach französischem 
Muster ein mit wCyprianee bezeichnetes schleppendes Oberkleicl mit hoher Gürtung in Aufnahme, 
welches einen dreieckigen mit der Spitze nach abwärts gerichteten tiefen Ausschnitt zeigte. Die 
Brust wurde untenher mit einem Latze bedeckt und der Hals mit einer feinen Krause umschlossen. 
Die Mode verlangte die Aermel hinterwärts mehrfach aufzuschlitzen und zu verknüpfen, oder sie 
länger als nötig zu machen und dergestalt hinaufzuschieben, dass sie oben an den Achseln sich 
mit einem weiten Bausche aufblähten (84.12). Der Mantel, rechteckig oder halbrund, wurde als 
Rückenmantel über beide Schultern gelegt und auf der Brust geschlossen oder durchweg offen 
gelassen, gegen Schluss des Jahrhunderts aber mit Knöpfchen völlig geschlossen. Matronen be- 
liebten ein Ueberkleid ohne Aermel (84. s) oder den Mantel bis zum Boden reichend, rot oder 
blau, Witwen schwarz mit einer schwarzen Kapuze oder einem weissen Schleiertuche. Mädchen 
trugen das Haar aufgelöst und mit einem Reif oder Blumenkranze besetzt (84.12). Doch wurde es 
immer mehr üblich, das Haar in Zöpfe zu vei-Hechten (83.12) und zwar mit farbigem Seiden- 
bande, mit Perlenschnüren oder goldenen und silbernen Flittern. Frauen legten die Zöpfe spira- 
lisch über die Ohren. Haarnetze, Käppchen und Schleier waren allgemein. Zu diesen Kopf- 
trachten gesellte sich gegen den Schluss dieser Periode ein ausgepolsterter Wulst mit farbigem 
Sgäireriägiänjeloilngwoelslfe; Zlgsgätrlnngieiciäelnlhplcii Llältßf ein Netz zusammengeraffte Haar gesetzt   
   ergestalt befestigt wurde, dass er hufeisenformig 
uber den Schlafen hinauf, über Stirn und Nacken aber herabstieg (85. s. s. S. 151). Die Schuhe 
waren massig gespitzt und häufig aus farbigem Leder hergestellt. 
Das 15. Jahrhundert tilgte aus der italienischen Tracht fast alle Merkmale ihres klassi- 
schen Ursprungs, doch entschädigte der einheimische Geschmack für die fremden Thorheiten, die 
von Frankreich her in das Land kamen. Die männliche Tracht folgte den Umwandlungen 
schneller, als die weibliche. Zwar die Beinlinge behielten ihre alte knappe Strumpfform. Aus 
elastischem Stoffe gefertigt, wurden sie obenher zusammengenäht und mit einer Zugschnur um den 
Leib oder mit Nesteln an ein Unterwams geschlossen. Die venetianische Jugend verdeckte die 
Lücken zwischen den beiden Langstrümpfen hinten und vorn durch den schürzenartig überfallenden 
Teil des Hemdes (87. s). Beinlinge aus weniger nachgiebigem Stoffe schnitt man oben auf der 
Aussenseite ziemlich breit, verband sie unten und hinten durch einen passenden Zwi" Ä! und vorn 
durch einen beutelförmigen Latz, später durch einen Latz mit besonders eingesetzter Schamkapsel. 
Man liebte es, jedem Beinling eine andere Farbe zu geben oder den einen glatt zu lassen, den andern 
zu streifen, teilte auch beide in der Kniegegend und machte jeden Teil andersfarbig. In der zweiten 
Hälfte des Jahrhunderts kam es vor, dass man die Hosen, was anderwärts nicht geschah, mit Längs- 
schnitten zerschlitzte oder ganze Stücke aus denselben herausschnitt, die Oeffnungen mit feinem 
Futterstoffe füllte und dieses mit Schnüren überband (86. 24. 25). Um diese Zeit wurden auch die 
Oberschenkelhosen Mode, die man aber länger machte, als in den Nachbarländern, u'nd mit farbigen 
Bändern unter den Knieen befestigte. Die langen Unter- und Oberröcke blieben gleichfalls 
noch in Gebrauch. Beide Röcke lagen um die Brust her an; der untere reichte gewöhnlich bis 
gegen die Fussknöchel, hatte einen verknöpfbaren Brustschlitz und passende Aermel. Der Oberrock
        

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