Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905852
trugen ihren Oberrock die Beamten und Gelehrten auch dann noch, als die neuerungssüchtige Jugend 
bereits den ihren nach französischem Muster bis auf die Kniescheibe und selbst bis in den halben 
Oberschenkel verkürzte. Den kurzen Rock machte man bis untenhin auf den Körper passend, (83. 111) 
und verknöpfte ihn auf der Brust (83. 11) oder in seiner ganzen Länge (84. 19). Gegen Ende des 
Jahrhunderts kam ein bequemer Rock auf, welcher sich von den Hüften an durch eingesetzte Zwickel 
stark erweiterte, ringsum in regelmässige Längsfalten zusammengeschoben und unterhalb der Hüften 
oder um die Taille her mit einem Gurt umschlossen wurde (84. 1a. 85. 4. s). Aermel gab es damals 
in allen Formen: Sackärmel (84.10), Trichterärmel (84. 1a. 22), Hängeärmel, lange anschliessende 
Aermel, die vorn sich erweiternd bis an die Finger reichten, weite hinterwärts geschlitzte Aermel 
(84.11. 10), sowie Aermel, die im Oberarme gebauscht waren (85. 4. 5). Der Mantel behielt seine 
alte Form und Anlage; rechteckig zugeschnitten wurde er auf der rechten Achsel zusammen- 
gefasst, von rundem Zuschnitte aber auf der Brust (83. 9. 84.  Um 1350 fing man an, die Mäntel 
wie in Frankreich auf der Achsel oder der Brust, häufig auch völlig herab zusammen zu nähen oder zu 
verknöpfen, sie mit Armschlitzen und selbst mit kragenartig überfallenden oder kurzen Aermeln 
zu versehen (84. 7. 14. 21). So ringsum geschlossen oder vorn herab verknöpft und mit einer Kapuze 
besetzt trug man den Mantel ganz wie sonst die altrömische Pänula (84. s). Der Kapuze gab man schon 
frühe einen ringsumlaufenden Kragen (83. 11. 18), welcher nur knapp über die Achseln reichte oder, 
den Mantel ersetzend, bis auf die Hüften (83. 1). Der Kragen wurde gleichfalls vorn herunter 
verknöpft und die Spitze der Kapuze nicht selten zu einem seilartigen Zipfel verlängert (83. 7. 84. 11). 
Den Kopf bedeckte man zumeist mit einer knappen Rundkappe oder Haube (83. s) und darüber 
noch mit einer niedrigen gesteiften Mütze oder einer Zipfelmütze mit aufwärts geklapptem Rande 
(83. 9). Auch gab es höhere meist kegelige oder spitze Filzmützen, deren Rand ringsum oder 
vorn und hinten aufgeschlagen (83. 111) oder nur hinten aufgeklappt War und vorn in eine schild- 
förmige Spitze auslief (84. 1). Der Verkehr mit östlichen Völkern brachte einen turbanartigen 
Kopfputz in das Land, der aus einer hohen gespitzten Mütze und wulstig darum gewickeltem Stoffe 
zusammengesetzt-war. Die Füsse schützte man durch niedrige oder sockenartige Schuhe (84. 19. zu), 
oder durch derbe Sohlen mit Seitenlaschen, die wie Sandalen auf dem Spanne verknöpfbar waren 
(84. 14). Das Haar beliebte man massig lang und selten gelockt, zumeist schlicht und über der 
Stirn her gerade geschnitten, das Kinn glatt; nur ältere Leute und solche vom gelehrten Stande 
trugen noch einen Bart.  
Auch die weibliche Tracht zeigte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts noch 
durchweg den massvoll edlen Zuschnitt der klassischen Zeit (83. 2. a). Ganz nach altrömischer 
Weise bestand sie der Hauptsache nach aus zwei langen Gewändern, die noch der Tunika interior 
und der Stola entsprachen; beide Kleider schlossen sich passend um die Brust an, erweiterten sich 
faltig von hier aus und blieben ungegürtet (83. e. s). Das Unterkleid war kürzer als das Ober- 
kleid und hatte lange auf den Arm passende Aermel. Das Oberkleid liess nur die Fussspitzen 
blicken und hatte massig weite, nicht selten trichterförmige Halbärmel (83.11). Tagewerkendc 
Frauen unte  enden ihre langen Röcke und zogen sie bauschig herauf, um die Füsse frei zu haben 
(83. 1.1. 15). mild wurde es auch üblich, das Oberkleid überhaupt zu kürzen (83.12), S0 C1355 ES 
nur bis in die halben Unterschenkel reichte. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, 
um die Zeit, als die Frührenaissance ihre ersten Blüten trieb, machten sich einige Modewand- 
lungen namentlich am Oberkleide, das nun nZimarrau genannt wurde, bemerklich. Dieses Kleid, 
um die Brust her festschliessend, wurde nach unten hin faltenreich und schleppend gemacht (83. 
20. 84. 4). Den Ausschnitt am Halse liess man so tief herabsteigen, oval oder viereckig, dass die 
Achseln halb entblösst erschienen. Auch schnitt man die Zimarra vorn herab durchweg auf und 
schloss sie oben mit einer Spange (83. 10) oder der ganzen Länge nach mit kleinen Knöpfen. 
Es gab jetzt neben den langen Aermeln, die auf den Arm passten, weitere, die bis an die Finger, 
und solche, die weit über die Hände gingen, unterwärts in eine schleppende Spitze Verlängert (83- 20)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.