Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904327
kleinen Schild, an der Hüfte aber den Sax, das einschneidige lange Messer. Diese überaus einfache 
Tracht gestattet die Vermutung, dass die Angelsachsen, soweit es gewöhnliche Leute waren, 
schon in diesem Aufzuge den britannischen Boden betreten haben. Mit germanischer Zähigkeit 
müssen sie noch geraume Zeit an dieser altererbten Tracht festgehalten haben trotz der römischen 
Tracht, welche unter den Britanniern herrschte, und trotz des Christentums, zu welchem sie mit 
der Zeit übertraten; in einem Koncil des 8 Jahrhunderts wird nämlich gesagt: „ihr legt eure Kleider 
an in der Weise der Heiden, die von euren Vätern aus der Welt vertrieben wurden; erstaunlich, 
dass ihr diejenigen nachahmt, deren Leben euch verhasst war." Vier Jahrhunderte hindurch muss 
nach dem Zeugnisse der illustrirten Handschriften in der Tracht der neuen Herren von Britannien 
kaum eine Veränderung stattgefunden haben. Bis zum 9 Jahrhundert bestand die allgemeine männ- 
liche Tracht der Angelsachsen aus einem Hemde, einer Tunika, einem Mantel, aus Schuhen und 
Schenkelbinden; dazu kamen später noch die von den Römern ins Land gebrachten Kniehosen 
und Strümpfe. Das Hemd war von Leinwand und am Halse mit einem Schlitze versehen. Dcnselben 
Schnitt zeigte die Tunika oder der Rock (Roc, Rooc); doch war dieses Kleid bedeutend länger und 
weiter als das Hemd; es reichte nämlich bis in die halben Waden und seine Aermel, die oben ziem- 
lich weit, nach unten hin aber anschliessend waren, fielen weit über die Hände herab. Um seine 
Fülle zu vermindern wurde der Rock dergestalt heraufgezogen, dass er mit einem Bausche über 
den Gürtel fiel und denselben gänzlich bedeckte, die Aermel aber wurden über die Unterarme in ein 
dichtes Gerinne von Fältchen zusammengeschoben und am Handgelenke mit einer Spange oder einem 
Knopfe festgehalten (4.845). Alle zeitgenössischen Miniaturen ohne Ausnahme und selbst die rohesten 
lassen diese zusammengestreifelten Aermel erkennen (5. an. 4.4.  AuCh SChClnt CS, (1355 man den 
Rock zweimal in abstehenden Windungen zu umgürten liebte (4. 9. 14. 2a), so dass jener Teil, den die 
Bildwerke zwischen den Windungen blicken lassen, für eine Schärpe gehalten werden kÖnnTC, Wenn Cf 
nicht stets die Farbe des Rockes trüge. Häufig erscheint der Rock unten an den Seiten aufgeschlitzt 
(4. s.  und an allen Säumen mit farbigen Borten verziert. Ueber den Rock pflegte man einen 
ziemlich kurzen Mantel (Mentil) anzulegen, welcher nach Belieben auf der rechten Schulter oder auf 
der Brust, zuweilen auch auf beiden Schultern verhaftelt wurde  Die Beine liess man 
in der frühsten Zeit entweder völlig nackt (11.10.11) oder umwickelte sie mit Binden; SdbSt in 
der letzten Zeit der Angelsachsen finden sich arbeitende Leute mit nackten Beinen dargestellt, 
selten aber ohne Schuhe (4. s); doch kamen damals die von den Römern ins Land gebrachten Knie- 
hosen (Brech 4. 2a.) in Aufnahme und Strümpfe (Hose 4. 14), welche bis zu denselben hinaufreich- 
ten; HQSCU VQH Leder, welche sich hie und da erwähnt finden, dürften als Strumpfstiefel aufzu- 
fassen sein. Auch über die Strümpfe wurden wollene Riemen gewickelt, kreuzweis oder in spirali- 
schen Windungen (4. a. 12. 20). Die Schuhe waren über den Rist herab offen und wurden mit Riemen 
oder einem Knopfe geschlossen. Bei festlichen Anlässen trugen die hohen Staatsbeamten Kleider von 
grösserer Fülle, bis auf die Knöchel fallende Röcke und weite Mäntel (4.12. 21). Trotz des Nebelhimmels, 
welcher sich über Britannien ausspannt, liebten die Angelsachsen der Spätzeit glänzende Farben; 
Rot, Blau und Grün finden sich in allen Miniaturen. Schon im 7 Jahrhundert waren (die englischen 
Frauen in der Kunst des Stickens so berühmt, dass man auf dem Festlande jede kostbare Arbeit 
dieser Art mit „anglicum opus" zu bezeichnen pflegte. Auch die Kunst des Tätowierens wurde 
von den Angelsachsen selbst noch nach der Zeit des normannischen Einbruches geübt trotz Priester- 
zorn und Gesetz. Das Haar pflegte man auf der Stirne zu scheiteln und frei auf die Schultern herab- 
fallen zu lassen, den Bart aber gabelig zu teilen. Schmucksachen wurden von den Männern ausgiebig 
verwendet; man trug Armbänder von Edelmetall und Elfenbein, goldene und mit Juwelen besetzte 
Gürtel, Halsketten von Bernstein, Broschen, Ringe und Schnallen. (5. 2c König Alrfed's Amulet). 
 Weit und fliessend waren auch die weiblichen Gewänder; sie finden sich in den Schriften 
durch die Namen Cyrtle, Tunica und Gunna unterschieden. Unter "Cyrtle" ist vermutlich ein Unter- 
gewand oder Hemd zu verstehen, denn dieses Kleid wird stets als weiss und von Leinwand be- 
Plotter-roch. 'l'ra.chten. II._ Band. 1mm.  2
        

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