Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905833
und hinten anschloss, sich in weitgeschweiften Bogen über die Schläfenwulste schwang und mit der 
vorderen Schneppe auf die Stirn herunterlegte (81. 9).  
Die faltenlosen Glockenröcke verschwanden gegen die Mitte der siebziger Jahre hin, wenigstens 
aus der bürgerlichen Tracht; herrschend wurde das über gesteifte Unterröcke gelegte faltige Schlepp- 
kleid, das ringsum geschlossen blieb, aber an der Seite aufgenommen wurde. Das Leibchen stieg 
vorn mit einer schmalen Spitze noch tiefer über den Unterleib herab (81. 11); sein Brustausschnitt 
ging entweder von Achsel zu Achsel, etwas nach oben gewölbt, oder folgte mit einer herab- 
steigenden Spitze dem unteren Rande des Mieders. Dieser spitze Ausschnitt wurde durch einen 
Busenlatz ausgefüllt oder ein im Rücken verschnürtes Korsett aus Fischbeinstäbchen; man 
schnürte dasselbe von unten herauf, um den Busen in die Höhe zu drängen, und benützte hierzu 
auch noch die Brustbinde. Gegen Ende der Regierung Heinrich's III. (1589) kam neben der tiefen 
Wespentaille eine Art von Reifrock wieder auf; dieser war aber nur kurz; er stand oben über 
den Hüftkissen wie ein Dach rundum vom Körper ab und unterstützte das Oberkleid nur bis zur 
Höhe des Gesässes; von da ab fiel der Rock frei und senkrecht herab (82. 4), faltig, aber ohne 
Schleppe, und geschlossen oder vorn herab geschlitzt; aber der Schlitz klaffte nicht mehr, wie früher, 
auseinander. Die Aermel behielten noch ihre Achselwulste (81. 20. 82. a), doch verloren sie die 
hohe Bauschung; sie wurden oben ziemlich weit gemacht und dick wattiert, gegen die Hand 
herab aber anschliessend (82. 2); diese Form nannte man va gigotsa. Aehnlich geschnitten, doch 
länger als der Arm, waren die nbourreletsu, welche mit Rundwulsten über den ganzen Arm 
herauf unterlegt und dadurch auf ihr gehöriges Mass verkürzt wurden. Auch Hängeärmel waren 
noch sehr gebräuchlich, welche völlig aufgeschlitzt unter den Achselwulsten hervorkamen (82. a), 
oder besonders angezogen und zu wirklichen Aermeln über den eigentlichen Aermeln her verknöpft 
wurden (82. 4). Die grosse Halskrause verschwand; die auf der oberen Kante des offenen Brust- 
tuches stehende schmale Fräse wurde nun abgetrennt und als eigenes Putzstück behandelt; man 
machte sie jetzt höher, als sonst, so dass sie, um den Nacken gesetzt, fast so hoch wie der Kopf 
emporstieg (82. 2. 4. s). 
In den neunziger Jahren wurde die Miederspitze kürzer und stumpfer (82.  der Brust- 
ausschnitt nahezu kreisförmig, seltener gespitzt und tiefersteigend; auch trug man völlig geschlossene 
Leibchen (82. 5). Die ausgestopften Aermel wurden obenher minder weit beliebt und die Achsel- 
wulste häufig durch Achselstücke ersetzt, die wie umgestülpte Teller oben am Arme sassen (82. 4. s). 
Die Hüftpolster wurden immer dicker, so dass der einzige Reif, aus welchem das Untergestell be- 
stand, immer höher stieg, bis er ebenso hoch sass, wie sein in der Mitte befindlicher Hüftgurt, mit 
welchem er durch radial gespannte Schnüre verbunden war. Der über den Reif gelegte Rock bildete 
um die Taille her eine Platte, welche bis zu zwölf Fuss im Umfang anwuchs; diese Platte wurde 
mit einer in grosse Falten gelegten sternförmigen Krause von demselben Stoffe wie der Rock be- 
deckt (82.  Die Hängeärmel schleppten-häufig auf dem Boden nach, aber der lange Gürtel kam in 
Wegfall. Das Haar wurde kegelig mehr oder minder hoch in die Höhe genommen (82. s. s) und 
zwar, wenn nötig, über ein Drahtgestell und mit falschem Haar ergänzt. Man verzierte die Frisur 
mannigfach mit Perlenschnüren, Behängen von kleinen goldenen Eicheln und mit turbanartig um- 
gewundenen Bandstreifen, seitwärts mit einem gestutzten Federbusche; knappe Mützchen und flache 
Häubchen wurden nur noch als Schmuckstücke seitwärts mit Nadeln an die Frisur geheftet. 
Die Schuhe waren den Männerschuhen ähnlich. Die Fächer glichen anfangs kleinen Fähnchen 
(vergl. 89. 13. 18); unter Heinrich IV. besetzte man die runden Handspiegel ringsum mit Strauss- 
federn (vergl. 93. 4); gleichzeitig kamen die zusammenlegbaren Fächer auf; die Schnupftücher 
verzierte man mit Spitzenbesatz. Vornehme Damen gewöhnten sich beim Ausgehen das Gesicht 
mit einer Maske zu bedecken (82. 4. e); diese war von schwarzem Sammet, mit weissem Tafft ge- 
füttert und wie eine Brille gestaltet. 
 149mm?
        

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