Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905824
es hinten (80. 18) oder hakte es seitlich zusammen. Man machte die Aermel anliegend, besetzte 
sie oben auf der Achsel, WO sie an das Busentuch stiessen, mit einem Wulste und schlitzte und 
verknöpfte sie auf die mannigfachste Weise über weiteren feinstoffigen Unterärmeln, die 
bauschig aus allen Schlitzen hervorquollen (80.18.19), oder versah sie mit besonderen weiten Ueber- 
ärmeln von Pelz oder Brokat (80. 11), welche man nach Belieben umschlagen und mit ihrem unteren 
Rand am Oberarme befestigen konnte (vgl. 68. 9. 16). Den Rock spannte man über ein Untergestell 
von Reifen (nvertugardea) glockenförmig und faltenlos aus; man schnitt ihn anfangs gar nicht 
oder nur seitlich, bald aber vorn herab durchaus auf, und liess durch seinen klaffenden Spalt das 
Unterkleid blicken (80. 20. 22). Um die Mitte des Jahrhunderts wurden die Ueberärmel seltener; 
man überhöhte und erweiterte nun die Aermel an der Achsel (80. 21), stopfte sie hier aus und 
verzierte sie mit Bandstreifen oder knöpfte reihenweis geordnete kleine Wulste daran fest; unterhalb 
der Achseln machte man die Aermel anschliessend; häufig verkürzte man sie im Oberarm und liess 
den Unterarm von einem gebauschten Sonderärmel aus feinem Stoffe bedecken (vergl. 68.14). Das 
Kleid berührte rundum gleichmässig den Boden. Als Gürtel diente eine fmgerdicke Schnur von 
Seide oder Goldfaden, die man um die Taille legte, vorn herabfallen und mit einer Quaste, einem 
Bisamapfel oder einer Kapsel voll Essenzen den Boden berühren liess (80. 20. 81. 9). Als Schutzkleid 
diente ein schaubenartiger Ueberzieher (81. 2), den man am Schluss dieser Periode zu einer Jacke 
verkürzte, und wie einen spanischen Mantel um die Schultern hing (81. 18). Das Haar trug 
man um den Kopf gelockt oder glatt gescheitelt und längs der Wangen sowie hinterwärts aufge- 
bunden. Als Kopfbedeckung bediente man sich vorzugsweise der nChaperonu genannten Kapuzen- 
haube (verg1.68.1o), deren viereckiges Nackenstück man auch nach vorn über den Oberkopf zu 
legen pflegte, wie die Italienerinnen ihr Kopftuch. Um die Mitte des Jahrhunderts häufte man 
Stirn- und Schläfenhaar leicht auf dem Scheitel, wen bichonsu, wie man sagte, und bedeckte den 
Kopf mit dem gesteiften spanischen Mützchen (s. unten). Die Schuhe folgten in der Form den 
männlichen. 
Die weibliche Tracht in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das 
Leibchen wurde nach untenhin immer spitzer; Brust- und Rückenblatt (Fig. 36. 11 Rückenstück, 
18 Bruststück) stiessen dicht vor den Armen zusammen; das Rückenblatt bestand aus zwei Teilen, 
welche hinten zusammengenäht oder verschnürt wurden. Man unterfütterte das Leibchen mit einem 
Korsett aus dünnen Brettstückchen, so dass alle natürlichen Formen abgeflacht und die Haut nament- 
lich an den Seiten in Hornhaut verwandelt wurde. Das Leibchen behielt seinen grossen Ausschnitt 
(81. o. io) oder stieg nach spanischer Weise bis an den Hals hinauf; zu beiden Formen gesellte man 
die immer grösser werdende Krause. Noch gab es eine Zwischenform, welche das Leibchen zwar 
im Nacken bis an den Hals reichen liess, auf der Brust aber dreieckig öffnete (81. 18); die Fräse 
sass alsdann oben auf der Kante des umgeschlagenen Busenhemdes. Die Aermel währten in seit- 
heriger Abwechslung fort, glatt oder gepufft, ganz oder geschlitzt, mit und ohne Achselwulst; die 
Wulste waren kugelrund oder linsen- und scheibenförmig. Es kamen damals auch weite geschlitzte 
und über den ganzen Arm herab in Puffen unterbundene Aermel auf, die über Eisendraht ausgespannt 
wurden. Der Reifrock vergrösserte sich; der darüber gelegte Rock blieb faltenlos, vorn geöffnet und 
ringsum den Boden berührend (81. 9). Man Eng an, den Reifrock durch gesteifte Unterröcke zu 
ersetzen und legte das Oberkleid ungeöffnet mit grossen Falten und einer Schleppe darüber 
(81. 10). Auch wurde es bei diesem langen und faltigen Kleide, doch niemals bei dem Reifrocke, 
Gebrauch, das Gesäss zu polstern; die Polsterung, welche man kurzweg wfessuex nannte, führte bald 
Zll einer Polsterung der Hüften (81. 11). Die Neigung zu schwellenden Formen liess jetzt auch die 
Brüste mit einer eigenen Binde (ndemi-gussetu) unterwickeln und in die Höhe stellen. Die Frisur wen 
bichonsß währte fort, vorn rund um den Kopf her aufgewulstet, aber in der Mitte gescheitelt und 
über den Schläfen gehäuft. Neben der Kapuzenhaube und dem gesteiften spanischen Hütchen (81. 10) 
kam die nStuarthaubeu auf, welche, ein Hut _von schwarzem, weissem oder farbigem Sammet, oben
        

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