Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905817
Trikots mit den dickwattierten geschlitzten Oberhosen (81. 13-15. 22), das ausgestopfte Wams samt 
der ärmellosen Weste darüber (81.11), den vorgeschnallten Gänsebauch, das kurze starre Mäntel- 
chen mit und ohne Aermel, die grosse Krause, das ringsum geschorene Haar und den gestützten Bart, 
die Faltmütze in Hut- oder Barettform sowie die Schuhe mit niedrigem Ferseustück und einer Band-i 
schleife oben auf dem Spann. Die Franzosen kamen so wenig von der spanischen Mode los, dass 
hier ein Hinweis auf die spanische Tracht genügt, um die französische zu erklären (s. unten). 
Nur in den rock- und mantelförmigen Umhängen zeigten die Franzosen manches Beson- 
dere. Die Kapuze am Mantel fand erst gegen Ende dieser Periode unter Heinrich IV. eine 
grössere Verbreitung; man trug den Mantel entweder kahl, nur mit einer Randborte verziert (80. 15. 
81. 5. 12. Fig. 36. 15), oder mit einem Kragen, welcher, stehend oder liegend, vorn herab in Umschläge 
überging(81.1s. 22. Fig. 36. m). Am obern Rande war der Kragen häufig nach aussenhin umgeschlagen 
und in Schleifen zerschlitzt (81. 13); falls der Mantel zur Schaube umgeformt war und Aermel hatte, 
sassen dergleichen Schleifen auch auf der Achselnaht oder statt der Schleifen hahnenkammartige 
Besätze (81. 13. Fig. 36. 11 Aermel, 12 Achselstück, 1a Rückenblatt, 1.1 Vorderblatt). Neben diesen 
kurzen Ueberhängen gab es auch längere, welche bis zur Kniescheibe reichten (81.  .1) und vielfach 
als Reisekleid benützt wurden; sie hatten nahezu Kreisform oder die Form eines Kreisabschnittes 
und kamen mit Aermeln und ohne solche vor; man hing die ärmellosen über die linke Achsel und nahm 
sie unter der rechten hindurch nach vorn (81. 19), oder legte sie über beide Schultern und warf 
eines der nach vorn fallenden Blätter über die entgegengesetzte Schulter zurück (82. 1). Ausserdem 
gab es noch ein drittes Ueberkleid, eine Art von Schaube, welche hinten in Falten zusammengefasst 
war, oder bei ziemlich engem Leib einen angesetzten Schoss hatte, der in Falten lag. Unter dem 
weibischen Heinrich III. (1574 bis 1589) verzerrten sich die spanischen Modeformen am Hofe bis 
zur Karikatur und gingen unter dem Namen nMignonkostüma auch auf das adelige Stutzertum über 
(81. 12. 16). Das Wams war auf's engste um die Taille her zusammengezogen, über den Leib 
herab zugespitzt und in den Aermeln straff aufgepolstert; auf den Hüften lag ein schmaler Wulst; 
darunter sassen massig weite, nach untenhin sich verengende steifwattierte Kniehosen, an den 
Unterschenkeln aber Strumpfhosen; die Füsse staken in spitzigen Schuhen; dazu kamen ein kurzes 
Schultermäntelchen, eine breite gesteifte Halskrause, Spitzenstulpen um die Handgelenke, eine Frisur 
Den bichonsu (siehe darüber weiter unten) und ein Mützchen (toque) mit gestutztem Federbusche, 
Ohrgehänge und ein Degen. Das ganze Gewand war in lichten Farben gehalten, in Weiss, Blass- 
grün und Rosa. Unter Heinrich IV. verschwanden die Hüftwulste aus den kurzen Oberhosen und 
diese legten sich mit leichten Falten um die Oberschenkel; doch wurden sie bald durch die wculotte 
a la bearnaiseu verdrängt, ein weites Beinkleid, das bis in die halben ,Waden reichte und am 
unteren Rand eine Zugschnur hatte, vermittelst welcher es über den Knieen gebunden wurde, so 
dass es die Kniescheiben nur halb bedeckte (82. 7. 21). Ganz am Schlusse des Jahrhunderts gewann 
eine engere faltenlose Kniehose Verbreitung, die unten offen blieb (81. 1); diese glich der alten 
normannischen Hose, welche von den Bauern der Normandie noch niemals aufgegeben worden war. 
Auf der Reise trug man einen grossen Hut mit hohem kegeligem Kopf und einem Rande, welcher 
so breit war, dass er zugleich die Schultern vor Sonne und Regen beschützen konnte (81. 19); zugleich 
legte man Ueberschuhe mit drei bis vier Zoll hoher Sohle an. 
Die weibliche Tracht in der ersten Hälfte des 16. jahrhunderts. Die schöne, 
faltige Kleidung mit dem weiten Ausschnitt im Mieder (80. 16. 11) vertauschten die Französinnen 
nur ungern mit der spanischen Tracht, welche den Körper steif und faltenlos bis unter das Kinn 
verhüllte. Der Ausschnitt blieb viereckig oder ging mit dem unteren Rande von Schulter zu Schulter 
(80.18), gegen die Mitte des Jahrhunderts nach oben hin gewölbt (80. 20-22). Man füllte ihn mit 
einem gefältelten Brusteinsatze aus, welcher vorn herab offen und verknöpfbar war (80. 19. 22), 
den Hals umschloss und mit einer schmalen Fräse das Kinn berührte. Auch machte man das 
Leibchen vielfach weiter als bisher, aber rundum gleichmässig tief herabsteigend und verschnürte
        

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