Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905796
darüber noch ein dunkelfarbiges, gewöhnlich schwarzes Zeugstück, das sie samt dem liennin und 
Gesichtsschleier mit Nadeln am Gimpfe befestigten. Das Haar wurde von Stirn uni Schläfen 
zurückgestrichen und völlig unter dem Kopfputze verborgen. 
Der-weibliche Anzug in. der zweiten Hälfte des 15. jahrhunderts. Nach 1460 
wurden die spitz und tief ausgeschnittenen Roben mit der kurzen Taille seltener (77. 2a. 20); es 
kamen wieder ähnliche Kleider auf, wie man sie um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts ge- 
tragen hatte. Man liess die Robe sich wieder bequem an den Oberkörper schliessen und rückte 
den Gürtel auf die Hüften herab. Zwar die Brustöffnung blieb noch ziemlich gross, wurde aber 
jetzt minder _dreieckig als rund oder viereckig geschnitten und mit Borten besetzt, auch die obere 
Brust nach Bedarf: durch einen eingesteckten Latz oder das obenher gestickte Hemd bedeckt. Enge 
Aermel_blieben vorherrschend neben den sackartigen oder nach untenhin sich trichterförmig öffnen- 
den. Die Schleppe währte fort. Der Brauch, das Oberkleid als Rock und Leiibchen getrennt zu be- 
handeln, wurde immer allgemeiner; man setzte den Rock (jupe) faltig und mit umgewendeter Naht 
an 'das Leibchen (corsage 77. 27); um diese Zeit kam der Gurt in Wegfall; man fing an, die engen 
Aermel in den Gelenken zu schlitzen, in der Armbeuge selbst völlig zu trennen und die Schlitze 
durch eingesetzte, meist weisse Bauschen mit locker darüber gespannten Schnüren auszufüllen. Der 
Sürkot (77. 22. 21.) währte etwa bis zum Tode Ludwig's XL; nach 1483 war er nicht mehr zu sehen. 
Der Mantel in alter Halbkreisform (77. 25) wurde nur noch als Festkleid beibehalten. Als Cere- 
monienkleid, welches auf dem Boden schleppte, zeigte er nun die Gestalt eines langgestreckten gleich- 
schenkeligen Dreieckes, dessen Spitze etwa im unteren Drittel abgeschnitten, dessen Basis aber an 
den Ecken gerundet sowie mit einem ziemlich tief eingeschnittenen Halsloche in der Mitte vor- 
sehen war. Mäntel in solcher abgestumpften Dreiecksform kamen damals auch unter den bürger- 
lichen Frauen als Schutzkleid auf; sie wurden von dichtem: starkem Zeuge hergestellt, das man 
in viele gleichmässige Längsfalten presste, oben dichter als unten. Die Kopftrachten änderten 
sich im Verlaufe dieser Periode. Der spitze Hennin" und derweitausladende Aufsatz in Mondsichel- 
form währten so lange, als der Sürkot und verschwanden zugleich mit diesem. Beliebt in dieser 
Zeit wurde eine gezipfelte Kapuzenhaube mit Ohren, die sogenannte k-Affenhaubeu (77. 23. 2a). Der 
flügelartige Behang des Hennin währte fort, wenn auch in mässigerem Umfange; das dazu ver- 
wendete Zeugstück aus gesteiftem Musselin hatte die Form eines langgestreckten Rechteckes  
(Fig. 37. 10); jede Hälfte desselben wurde durch eine schräge Bruchfalte in zwei gleiche Trapeze 
geteilt, so dass bei dem äusseren Trapeze die längste Parallelkante oben, bei dem inneren unten 
lag; das innere wurde in zwei Dreiecke gebrochen, dergestalt, dass die Bruchfalte unten von der 
Mittellinie des Rechteckes aus nach oben an die innere Ecke des äusseren Trapezes lief; der Stoff 
wurde sodann mit dieser Bruchfalte auf die Mittellinie gelegt, wiederum gebrochen, und hierauf 
mit dem Dreiecke, durch welches die Mittellinie lief  der entlang der Stoff ungebrochen blieb  
auf eine cylindrische, den Hinterkopf umschliessende Mütze gelegt, mit der Spitze auf die Stirn. 
Indem man die seitlich anschliessenden Dreiecke rechts und links in die Höhe richtete, fielen die 
nächsten Dreiecke dachartig über die beiden Scheitelhälften des Kopfes herab und die Trapeze in den 
Nacken (Fig. 37. 11. 12). Die Anlage des Stoffes geschah, wie auch früher, über ein Drahtgestell. Durch 
die Wölbung des auf dem Cylinder ruhenden Dreieckes wurden die nach innen fallenden Kanten der 
im Nacken hängenden Trapeze zur Kreuzung gezwungen. Dieser Kopfputz währte von 1480 bis 
1485; um diese Zeit stattete man auch die cylindrische, aber völlig auf den Oberkopf gesetzte und 
nur wenig rückwärts geneigte Mütze am unteren Rande mit einem kurzen Schleier aus, welcher gleich 
einem Lampenschirm den Kopf umgab (Fig. 37. 9) und über'die Augen fiel. Nach dem Jahre 1485 fing 
man an, das Haar wieder mehr blicken zu lassen als seither; man legte es wellig oder in Zöpfe ver- 
flechten über Schlafe und Ohr, die Zöpfe den Wangen entlang, und StCCkte C5 hinten in einen Chigno" 
unter; auch frei herabfallendes Haar kam wieder in Mode. Man bedeckte jetzt den Kopf mit einer 
Stoffhaube, welche auf den Oberkopf zu liegen kam, das über der  Stirn gescheitelte Haar
        

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