Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905775
Als Staatskleid liess man die Robe, die geöffnete wie die geschlossene, auf dem Boden 
Schleppen und gürtete sie mit einer aus Goldfäden gedrehten Quastenschnur oder mit einer farbigen 
Binde; schleppend war auch der fürstliche Ceremonienmantel (76. 23), während das Mäntelchen der 
stutzerhaften Jugend schier wie ein Lappen über dem Rücken hing (55. 53), durch eine quer über 
die Brust laufende Schnur festgehalten. Die Kopftrachten waren noch die alten; üblich unter den 
Leuten am Hofe wurde es, zwei Kopfbedeckungen zu gleicher Zeit zu tragen und zwar die eine, 
den krämpenlosen Mortier, auf dem Kopfe, die zweite, einen hohen Hut mit Krämpe in der Hand 
oder an einer Sendelbinde auf dem Rücken (76.18. 20). 
Gegen Ende d es Jahrhunderts kamen kurze Oberschenkelhosen (haut-dc-chausses) 
auf (Fig. 38), mit welchen man die vordere Oeffnung der Hosen zu verdecken suchte. (Näheres weiter 
unten S. 157.) Man Eng an den engen Pourpo in t durch Längs- und Querschlitze zuerst an den Gelenken 
bequemer zu machen, dann aber auch an Brust und Schultern, und die Schlitze durch ein feines 
Leinenhemd oder durch besonders untergelegte farbige Bauschen auszufüllen. Man vermehrte 
die Schlitze und kam endlich dahin, das ganze Bruststück bis zur Taille und selbst das Rückenstück 
herauszunehmen; den Ueberrest hängte man durch Schnüre zusammen (37. 19. 21). Das Hemd kam 
nun häufiger als seither zur Geltung; es wurde vom feinsten Linnen hergestellt und namentlich auf 
der Brust mit Goldfäden und farbiger Seide gestickt. Auch trennte man die Aermel in der Arm- 
beuge und verband die beiden Stücke durch Schnüre über den Hemdbauschen; ebenso schlitzte 
und vernestelte man dieselben hinterwärts der ganzen Länge nach. Hals, Nacken und Schultern zeigte 
man völlig entblösst. Pourpoint und Hosen waren so kurz und knappanschliessend, dass man genau die 
Form des Hinteren und der Schamteile sehen konnte (57. 21). Da waren denn die langen Ueber- 
röcke nötiger als je und die Gegensätze in dieser Tracht, wie sie uns in den Abbildungen überliefert 
worden, erregen unser Staunen. Unter dem gesetzten Bürgertume wurde die Huppelande zu einem 
der deutschen Schaube ähnlichen Kleide bis unter die Kniescheibe verkürzt (77 10). Mit den 
hohen auswattierten Achseln verschwanden zugleich, die spitzen Schuhschnäbel, Welche man durch 
kurze, vorn abgestumpfte sogenannte s-Entenschnäbele ersetzte. Das Haar wurde schlicht ge- 
tragen oder wellenförmig gekräuselt, lang auf Schultern und Nacken fallend, vor der Stirn aber 
mit geradem Schnitte gekürzt. Das Kinn beliebte' man glatt und bartlos. 
Die Kleiderpracht stand damals in ihrer höchsten Blüte; goldgemusterter Seidenstofßgross- 
blumiger Sammet und kostbares Pelzwerk kam selbst unter den bürgerlichen Ständen zur Ver- 
wendung; ebenso das mi-parti; man machte die Röcke zweifarbig und stellte jedes Hosenbein von 
einem andersfarbigen Stoffe her, oder auch eines davon "einfarbig, das andere gestreift. 
Die Frauentracht erfuhrin der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts keine wesent- 
lichen Veränderungen. Das Unterkleid behielt seinen engen Anschluss am Oberkörper;-je nach- 
dem es aber als wirkliches Unterkleid oder ohne Oberkleid als Haus- und Strassenkleid getragen 
..werden sollte, erschien.es besonders hergerichtet. Allein oder doch nur mit dem Sürcot getragen 
(75. 32) bedeckte es meistens die" Füsse (76. 4. s. 10) und hatte einen ziemlich grossen Halsausschnitt, 
viereckig oder rund, welcher unter vornehmen Damen vorn wie hinten bis gegen den Gürtel herab- 
stieg (76. 21). Der Gürtel sass ziemlich hoch unter der Brust. Die Aermel waren lang, eng, auch 
im, Oberarme gebauscht (75. a2) und öffneten sich häufig über die Handwurzel herab. Unter dem 
Oberrocke getragen liess dieses Kleid die Fussspitzen blicken (76. 2. a. s. e) und hatte enge Halb- 
ärmel, oder, wenn das Oberkleid mit weiten Aermeln besetzt war, lange, durchaus enge Agermel; 
es wurde vorn herab bis mitten auf den Unterleib oder seitwärts bis unter die Hüften mit Schnür- 
senkeln geschlossen. Das Oberkleid, die Robe, lag nicht besonders fest am Oberkörper, es 
kam mit und ohne Brustausschnitt vor; in letzterem Fall umschloss es den Hals mit einem niedrigen 
Stehkragen (76.13). Der Brustausschnitt war oben weit und stieg mit einer Spitze bis auf den' 
ziemlich hoch sitzenden Gürtel hinab (76. 111. 79.  Fig_ 36. 10); an seinen Rändern hatte der Aus- 
schnitt einen Umschlag von Pelz oder andersfarbigem, meist weissem Stoffe; der Umschlag War unten
        

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