Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905766
Für den täglichen Verkehr machte man die Roben bis an die Knöchel oder auch nur unter die 
Kniescheibe reichend, als Festtracht aber schleppend und mit Pelz verbrämt (77. 10. 12). Neben 
all diesen Rockformen blieb noch die Husse in Gebrauch, jener ärmellose Ueberhang, welcher 
seitwärts völlig geschlitzt war oder nur Armschlitze hatte (77. 1); doch führte dieses Kleid jetzt 
nach dem deutschen Tappert den Namen ntabardu. Der halbkreisförmige Mantel, auf der rechten 
Schulter oder vorn auf der Brust geschlossen, kam fast nur noch unter alten Leuten oder als 
Staatstracht vor; dafür wurden jetzt kleinere Mäntel unter Stutzern beliebt. Kopfbedeckungen 
gab es in unzähligen Formen. Die alte Kragenkapuze fristete ihr Dasein fast nur noch unter 
Leuten, welche viel im Freien verkehren mussten, unter Bauern und Hirten (76. n. 77. 2.  auch die 
Gelehrten trugen sie über ihren langen Roben (77. .4. 16. 11). Geringe Leute benützten ausser ihreinen 
Hut mit rundem oder spitzem Kopfe und abstehender Krämpe (76.11. 77.1.11). Unter den höheren 
Standen beliebte man die Krämpe dieses Hutes hinten in die Höhe geklappt, vorn in eine Spitze aus- 
laufendund geradaus gestellt. (76. 11.  Fürsten trugen diesen Hut mit dem Kronenreife ge- 
schmückt (vergl. 73. 1a). Vorherrschend waren die Mützen in hoher abgestumpfter Kegel- oder in 
Mörserform. Gelehrte und Beamte trugen diese Mütze (mortier) ohne Krämpe (76. 1a. 77. 1-1--1s) oft 
eckig gesteift und oben stets mit einem Knopf oder einer Quaste besetzt, als sonstigen Schmuck 
eine hinten oder vorn befestigte geradaufgerichtete Feder (77. 20). Mützen dieser Form trug 
man auch mit ringsum abstehender oder aufgestellter Krämpe (76.12). Sehr häufig kam noch der 
Schaperon vor, jener dicke Kopfwulst, in welchen die Kapuze oder ein faltiger Sack oder auch eine 
flache Rundkappe eingenäht war (76. 2a. vergl. Fig. 19. 11. 13); dazu gesellte sich in dieser Zeit 
die nSendelbindeu, jenes breite lange Seidenband, welches um den Kopfwulst geschlungen oder 
sonstwie daran befestigt und seitlich herabhängend oder über die Brust genommen und über die ent- 
gegengesetzte Schulter zurückgeworfen beliebt wurde. Häufig getragen wurden auch flache, teller- 
förmige Barette mit ringsum aufgeklapptem schmalem Rande (75. 25. 77.10.13). Fast durchweg 
setzte man unter diese Kopfbedeckungen ein glattanliegendes Käppchen, die z-CalOttCu (77. 12.19). 
Der vornehmen Jugend genügte ein Kopfreif mit aufrecht gesteckter Feder. Das Fusszeug war 
geschnäbelt; die Schnabel machte man oft so lang, dass sie mit einem unter den Kniescheiben befestigten 
Kettchen in die Höhe gehalten werden mussten (Fig. 17. 4). Man pflegte diese langen Schnabel- 
schuhe mit ebenso zugespitzten Holzsohlen, die flach oder mit zwei Zoll hohen Klötzen ver- 
sehen waren, zu unterlegen (Fig. 17. 7. 11m1 1). Diesen Holzpantoffel befestigte man mit einem Riemen 
vorn über der Zehenbiegung oder sonstwie über dem Spanne, so dass er bei jedem Schritt einen 
Klapps machte. Das Haar liess man anfangs halb lang in den Nacken fallen; unter Karl VII. 
aber (1422-1461) verschnitt man es kurz und selbst äusserst knapp; das Kinn rasierte man glatt; 
nur in den niederen Ständen behauptete sich der Bart. 
In ihrer Grundform änderte sich die männliche Tracht während der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts gar nicht, nur der Widerspruch zwischen Enge und Kürze einer- 
seits und Länge und Weite anderseits trat immer augenfälliger hervor; schier unübersehbar wurde die 
Fülle schmückender Zutaten. Etwa die bemerklichsten Aenderungen im Schnitte der Tracht waren 
folgende: Die Aermel an dem kurzen jaquette sowol wie an der langen Robe wurden noch 
weiter und in den Achseln noch höher gemacht; auch schlitzte man dieselben nur noch auf 
der Rückseite (55. 11.. 70. 14. 18) und besetzte den Schlitz mit Pelz oder hängte dessen Ränder mit 
Schnüren zusammen (77. 20). Den Schoss des jaquettes beliebte man nur handbreit und seitlich ge- 
schlitzt. Beide Röcke schnitt man im Vorder- und Rückenblatt etwas breiter als seither, legte sie 
vorn und hinten in der Taille passend an und nähte die Falten fest; in den Seiten aber liess man 
die Röcke sich glatt und faltenlos an den Körper schliessen (57. 11). Sonst wurde der lange Rock 
auch wie seither durch einen Gurt oder eine Zugschnur über den Hüften zusammengefasst. 
Die burgundischen Hofroben wiesen noch ein besonderes Stück auf, das im Rücken frei über den 
Gurt bis auf den Boden herabfiel (77. 1a. 20). Das jaquette beliess man nicht selten uneingenäht 
und selbst ohne Aermel (55. 42. 4a. 49).
        

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