Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905754
gewebten Stoffen schlossen sich, weil elastisch, dem Unterleibe genügend an; weniger wollte dieser 
Anschluss bei den Hosen aus festem Stoffe gelingen; hinten zwar liessen sich die einzelnen Bein- 
linge durch einen lang gestreckten Zwickel verbinden, vorn aber wusste man für die Schamteile 
keinen anderen Verschluss, als eine beutelartige Kapsel (braguette, 75. so); das hierzu bestimmte 
Zeugstück setzte man mit einer nach hinten auslaufenden Spitze in die Verbindungsnaht zwischen 
beiden Hosenbeinen, während man dessen oberen Rand mit zwei Knöpfen oder Schnüren an den 
Hosenbeinen festschloss. Man befestigte die Hosen über den Hüften her mit einer Zugschnur oder 
nestelte sie an das Hemd, nach Bedarf auch an das Unterwams. Das Unter wams kommt in dieser 
Periode häufig zum Vorschein, und zwar an den Unterarmen mit seinen engen Aermeln und am Halsc 
mit seinem vorn geöffneten Stehkragen. Der Leib rock (pourpoint) ward noch enger und kürzer ge- 
macht als seither (75. so), so dass er kaum über die Hüften reichte. Um seine Einschnürung an 
der Taille noch auffälliger zu machen, polsterte man den Rock über der Taille auf der Brust und 
unter derselben auf den Hüften aus; vorn herab vernestelte man ihn. Vorder-. und Rückenblatt 
des Rockes waren in ihrem seitlichen Schnitte völlig gleich (Fig. 36. 6.  das hintere Blatt blieb 
ungeteilt und wurde, falls es sich im Kreuze nicht genau anschliessen wollte, in eine Falte gefasst 
und diese geheftet; das Vorderblatt aber war geteilt (Fig. 36. 1) und jedes Halbteil, wegen der 
Wattierung, an der inneren Kante über und unter der Taille auswärts geschweift. Die Aermel 
waren lang und gewöhnlich durchweg anliegend, oder im Oberarme bauschig sowie an den Achseln 
stark überhöht (Fig. 36. 2) und ausgestopft. Diese ausgestopften Achseln nannte man Mahoi- 
tres; sie bildeten nebst der eingeschnürten Taille ein hervorstechendes Kennzeichen im Kostüm dieser 
Periode. Der Pourpoint hatte auch gebauschte Halbärmel, welche mit ihrem unteren Rande über 
den Aermeln der Unterjacke faltig zusammengezogen wurden (75. 30), sowie hängende Aermel mit 
Armschlitzen. Ein zweiter kurzer Rock, welchen man als Ueberzieher zu benützen pflegte, das 
njaquetteu, hatte die Form einer gleich weiten Tunika; er wurde rings um den Leib in regel- 
massige Falten gelegt und diese in der Taillengegend festgeheftet (Fig. 30. 6), so dass der Rock 
hier ohne Gurt fest am Körper lag; auch zog man den Rock hier mit einer Zugschnur zusammen 
oder fasste ihn mit einem Gurt (76. 0. 12. 14. 20. 21), falls man es nicht vorzog, ihn überhaupt un- 
gegürtet zu tragen (75. 29. 76.  Das jaquette reichte ebenfalls nur knapp über die Hüften und hatte 
am Hals einen Stehkragen, falls dieser nicht, was zumeist der Fall war, am Unterwamse sass. 
Die Aermel waren bequem, nicht selten so lang, dass sie über die Hände fielen (76. 12) und für 
den Fall, dass sie über die ausgestopften Achseln des Pourpoint zu liegen kamen, oben sehr weit 
und faltig in das ovale Armloch eingesetzt. Bisweilen wurde ein Teil der vorderen oder hinteren 
Naht offen gelassen, um den Arm durchstecken zu können (76.14. 21). Doch blieb dieses Kleid ge- 
legentlich auch ohne Aermel (75. 2a). An den Armschlitzen sowie am Halsloche und an den unteren 
Säumen beliebte man es mit Pelz verbrämt. 
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Die langen Ueberröcke, nun sämtlich mit dem Namen nRObGu bezeichnet, blieben wie 
seither entweder vorn herab geöffnet, wie die Huppelande (77. 12. Fig. 36. o), oder geschlossen und nur 
mit einem Schlitz auf der Brust oder untenher versehen, wie die altväterliche Robe (76. 1a. 11). Die 
Formen gingen in einander über. Zu den Roben von solcher Mischform zählte die nSimarreu; 
diese war auf der Brust geöffnet und verknöpfbar; der Schlitz hatte eine einfache" Pelzverbrämung 
(76. 22), oder einen Aufschlag von Pelz wie die Huppelande (77. 10) oder einen viereckigen Schulter- 
kragen, welcher bis auf die Mitte der Oberarme herabfiel (66. a1. 77. 13). Die Form der Aermel 
war mannigfach; die mässig weiten, gleich breiten Aermel herrschten vor; dann kamen die langen 
und weiten Sackärmel, welche oben in der Mitte oder unten im Boden des Sackes einen Schlitz 
für die Hand oder den Vorderarm hatten. Beliebt waren offene Hängeärmel mit Schlitzen und solche, 
die völlig der Länge nach aufgeschlitzt (77. 10. 13). Wie bei dem Jaquette wurden alle diese Aermel 
nach Belieben an den Achseln hoch gemacht und ausgestopft und ebenmässig wie dieses wurde 
auch die Robe durch einen Gurt, eine Binde oder eine Zugschnur über den Hüften zusammengefasst,
        

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