Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904310
lande wohnenden Häuptlinge den mit Ringen besetzten Rock der Sachsen und den verbesserten 
Panzer sowie den Nasenhelm der Normannen an; im nächsten Jahrhundert erschien die schottische 
Reiterei durchaus in Rüstungen von Eisennetzwerk wie die englische. Die Waffen der Bergschotten 
aber beschränkten sich noch im 13 Jahrhundert auf Rundschild, Schwert, Dolch, Streitaxt und 
Bogen sammt Pfeilen. Nur Häuptlinge trugen einen Helm (4.  oder statt dessen eine blau- 
gefarbte Lederkappe; der Kopfschutz hatte stets eine mehr oder weniger halbeiförmige Gestalt; 
sein Schmuck bestand in ein paar Adlerfedern oder einem Zweige der Stechpalme oder einem 
Büschel Ginsterkraut. Ueber den Schurz legten die Häuptlinge ein Ringelpanzerhemd (Lurich, von 
Lorica), welches bis über die Hüften (4. a) oder bis gegen die Knöchel reichte (4. v), und über das 
Panzerhemd oder den Haubertnoch eine Fellweste, die verschnürt und gegürtet wurde (4. G). Das 
alte Schottenschwert, der berühmte Claymore, hatte eine lange, gerade, zweischneidige Klinge, lange 
Angel und eine einfache, nach beiden Seiten stark gesenkte Parierstange (4.  
Die alten Iren waren in Kleidung und Sitten ganz verschieden von ihren britannischen 
Brüdern; sie behielten auch ihre urtümliche Tracht noch die ganze Zeit hindurch, während welcher 
Britannien nacheinander die Beute der Römer, Angelsachsen und Normannen geworden war. Die 
Tracht der Iren im 12 Jahrhundert, wie sie uns in Abbildungen überliefert ist, scheint sich gegen 
die aus römischer Zeit noch gar nicht verändert zu haben. Die Männer trugen damals lange 
Beinkleider (Truis 3. 52-54) mit einer Zugschnur um die Hüften; die Hosen waren oben ziemlich 
weit, an den Knöcheln aber anschliessend und wurden hier in hohe Schuhe untergesteckt; auch 
gab es Hosen und Strümpfe aus Einem Stücke. Der Rock (Cota 3. 4a. 54) hatte lange und enge 
oder kurze und ziemlich weite Aermel; er war ringsum geschlossen, niemals gegürtet und von ver- 
schiedener Länge, so dass er bald bis auf die Knöchel oder bis auf das Knie und bald nur knapp 
über die Hüften reichte; sein unterer Saum erschien bisweilen a-usgezackt (3. a2). Man bediente 
sich auch eines Mantels, welcher auf der Brust oder Schulter verhaftelt wurde und eines Kapuzen- 
mantels, der über beide Schultern hel und bis an die Ellbogen reichte; doch galt ein irischer König 
schon für gut gekleidet, wenn er nur in einen Mantel gehüllt war, und noch im 14 Jahrhundert 
gab es Häuptlinge, welche keine Hosen hatten. Die Mäntel wurden aus kleinen Stücken von ver- 
schiedener Farbe zusammengesetzt (3. 4a), ein Flickwerk, wie solches in Nachahmung der ge- 
würfelten Zeuge gewiss schon vor der römischen Periode üblich war; indess findet sich in keiner 
Handschrift des Mittelalters der Mantel buntgefärbt oder mit einer Kapuze versehen. Gewöhnlich 
waren die Kleider von schwarzer Farbe, weil die irischen Schafe, aus deren Wolle sie hergestellt 
wurden, zumeist diese Farbe haben. Eine Kopfbedeckung scheint selten gewesen zu sein. Die 
weibliche Tracht war bis auf die Beinkleider der männlichen ziemlich ähnlich und nur von 
grösserer Länge und Weite. Vornehme Frauen trugen einen mit goldener Nadel im Haare befes- 
tigten Schleier. In allen Teilen Irlands sind Schmuckstücke und Waffen gefunden worden, 
(3. 25 u. ff.) die genau den in England entdeckten entsprechen; die alten Iren trugen Halsringe, 
Ketten und Armbänder von Gold und Silber, Schwerter und Streitäxte, sowie Speere und Wurf- 
spiesse aus Bronze. Von den Dänen nahmen sie die stählerne Streitaxt an und den runden, r0ten,_ 
mit Eisen beschlagenen Schild (3. 53.54. 4. 2). Im 12 Jahrhundert W81" der iriSChe Krieger ausgerüstet 
mit einer kurzen Lanze, zwei Wurfspiessen und einer breiten Axt von Stahl; diese wurde mit nur 
Einer Hand geschwungen. Der Schleuder wussten sich die Iren mit gefürchteter Sicherheit zu be- 
dienen; in der Schlacht liessen sie die Steine wie Hagel dahinsausen, so dass nicht selten die feindlichen 
Pfeile davon aufgehalten wurden. Noch im 13 Jahrhundert sassen sie ohne Sattel und Steigbügel zu 
Pferd. (Ueber den Kultus der keltischen Stämme siehe „die Franzosen") 
Nach den Schilderungen Widukinds und der Quedlinburger Annalen waren die festländischen 
Sachsen im 9 und 10 Jahrhundert bekleidet mit einer weiten Tunika, einem viereckigen Mantel 
aus haarigem Stoffe, sowie mit einem breitkrempigen Strohhute auf dem frei über die Schultern 
fallenden Haare; in der rechten Hand führten sie den langen Spiess der Urzeit, in der linken einen
        

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