Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905731
sich der ärmellose Sürkot (73. 18. 24), doch schnitt man jetzt dieses Kleid in seinem oberen Teile 
bedeutend schmäler als früher, so dass es nur mit einem schmalen Streif über die Achsel zu liegen 
kam (Fig. 36.  Der Rand der seitlichen Ausschnitte umschloss entweder die Brüste (73.13) oder stieg 
so tief herab, dass der auf der Robe unter den Hüften sitzende Gürtel dem Auge noch begegnen 
konnte (73. 24. 75. a). Das Oberteil wurde gewöhnlich aus Hermelin hergestellt und längs seiner 
vorderen Mitte mit Knöpfen oder Juwelen besetzt (Fig. 36. 3). Edelfrauen schmückten das Unter- 
teil des Sürkot ebenmässig wie auch die Robe mit ihren Wappenfarben (73. 19.  24). Der Hals- 
ausschnitt war ziemlich tief, rundlich oder viereckig, und wurde von gesetzten Frauen mit dem 
Gimpfe ausgefüllt (73. 19. 75. i); es war dies ein weisses feines Linnentuch, das man um Kopf, Kinn 
und Hals, sich nonnenmässig vermummend, herumlegte und unter die Robe herabsteigen liess. Die 
Schürze kam damals schon vor (73. 10). Der Mantel wurde nur noch als Fest- oder Witwenkleid 
getragen; halbkreisförmig im Zuschnitte legte man ihn auf beide Schultern und hielt ihn auf der Brust 
mit einer Agraffe oder Spange fest (73.11). Der Trauermantel war mit Armschlitzen versehen und 
einer mit Grauwerk gefütterten Zierkapuzc, welche mit ihrer geteilten Spitze tief über die Brust 
herabfiel (75. i). Bürgerliche Frauen bedeckten den Kopf über dem Gimpfe her mit einem kleinen 
runden Schleiertuche, welches über die Stirne bis auf die Augenbrauen und seitwärts auf die 
Schultern herabstieg (75. 1. Fig. 18. 2. a). Auch umwanden sie mit diesem Tuche den Kopf über 
dem Gimpfe (73. 11) oder legten es sonstwie um (73. 1G). Fast nur junge Mädchen trugen das 
Haar aufgelöst (74. 7); erwachsene und Frauen flochten es in Zöpfe, welche sie tief über die Ohren 
herabsteigen liessen, im Nacken kreuzten, sodann vorn wieder senkrecht empornahrnen, das Gesicht 
umrahmend, und über den Schläfen in die Bauschen des gescheitelten Haars untersteckten. Ueblich 
unter Edelfrauen war eine reichgestickte über die Wangen herabsteigende Haube, unter welcher, 
gleichsam die Zöpfe nachahmend, im Nacken zwei regelmässig gedrehte Wülste oder Raupen 
von metallischem Gewebe hervorkamen, aussen auf der Haube, deren Rand entlang, herliefen 
und sich über der Stirne vereinigten.  
Die Abänderungen am weiblichen Anzug in der zweiten Hälfte des 14. jahr- 
hunderts waren bis zum letzten Iahrzehnt dieser Periode nicht bedeutend. Unter- wie Ober- 
kleid wurden womöglich noch enger und auch noch länger gemacht als seither, das untere Kleid 
seitwärts durch Schnürsenkel (76. 1), das obere über die Brust herab mit Schnüren oder Knöpfen 
geschlossen (74. 21). Die Aermel blieben eng und öffneten sich nicht selten trichterförmig über der 
Handwurzel; Am Oberkleide wurden die Aermel wie seither als etwas weitere Halbärmel mit 
Fahnen beliebt. Wie in England kamen auch in Frankreich die handgrossen Schlitze in der Ober- 
schenkelgegend auf (vergl. G3. s), die man, weil der Teufel der Gefallsucht hindurchblicke, Hüllen-
        

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