Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905728
indess sowie Halbärmel mit gelappten Flügeln kamen seltener vor als in Deutschland (75. 5.) Die 
Kapuze war ziemlich klein; sie wurde aus einem rechteckigen Zeugstücke hergestellt, welches mit den 
beiden Ecken seiner oberen Langseite auf die Mitte der unteren Seite gelegt und mit den beiden in die 
Mitte fallenden Kanten zusammengenäht ward. Tagewerkende Leute verblieben bei ihren alten be- 
quemen Röcken (74.  Die Oberkleider bewegten sich entgegengesetzt in der Richtung einer über- 
flüssigen Weite und Länge; all ihre zahlreichen Abarten lassen sich auf die Robe, Huppelande und Husse 
zurückführen. Die Robe (74. 10) haben wir oben (S. 148) besprochen. Die Huppelande (74. 10. 77. 12) 
war ein dem heutigen Schlafrock ähnlicher weiter, langer und vorn herab durchaus geöffneter Ueberrock 
mit langen weiten Aermeln, der mit einem Gurt oder einer Binde, wol auch mit einer Schnur faltig über 
den Hüften zusammengefasst wurde. Die Huss e war anfangs ein Ueberwurf mit Kopfloch, der ringsum 
geschlossen und nur vorn in der unteren Hälfte geschlitzt wurde; bald aber schlitzte man die Husse 
auch auf einer Seite, (73. n. 74. 9.12.11.) schliesslich auf beiden Seiten (7512) und verkleinerte sie an 
Brust- und Rückenblatt zu einem leichten Ueberhange (73. 12). Der Husse ähnlich war die Sutane 
(74.11), welche sich aus dem ärmellosen Waffenrocke (72. 21) entwickelt Zu haben Sßhcint und alS CCYC- 
monienkleid der Edelleute galt, bis sie im 15. Jahrhundert ausschliesslich nur den Priestern eigen- 
tümlich blieb. Die Sutane war lang und weit; sie hatte an den Seiten lange Schlitze für die 
Arme und führte oben auf der rechten Brustseite das Wappen ihres Eigners. Die Abarten der 
drei Grundformen waren so zahlreich, dass sie ineinander übergingen (74. 12. 14. 75. v) und auch 
andere Namen annahmen. Bemerkenswert darunter ist ein der Robe ähnlicher wol nur als Reise- 
kleid benutzter Ueberrock von derbem Stoffe (74. 1a), welcher mit einem breiten langen Schulter- 
kragen die Arme glatt und faltenlos bedeckte. Als Kopfbedeckung nahm die gezipfelte und 
gezaddelte Kapuze den ersten Rang unter allen Ständen ein; man benutzte sie sowol in einfacher An- 
lage (74. 2. 75. 5) als auch turbanartig verschlungen, so dass ihr gezaddelter Kragen wie ein Hahnen- 
kamm über den Kopf zu liegen kam (74. 11. 1c. Fig. 19. 1-11 samt Erklärung S. 87 u. 88). In 
dieser Form hiess sie nSchaperon-x und wurde auf- und abgenommen wie ein Hut; beim Grüssen 
schob man sie von der Stirn in die Höhe. Gegen Ende des Jahrhunderts umgürtete man den 
Schaperon untenher mit einem dicken Wulstringe (76. 22). Gebräuchlich waren Rundkappen, ein- 
fach oder mit breiter ringsum aufgestülpter Krämpe (74. 13), sowie mörserartige Mützen, deren 
unterer Teil nach aussenhin zu einer Krämpe umgestülpt war (74.10). Schuhe wie Halbstiefel 
wurden durchweg lang gespitzt beliebt; man nannte die Schnabel apoulainesx d. i. Schiffschnäbel 
und unterschied die Stände nach der Länge des Schnabels; gewöhnliche Leute trugen den Schuh- 
schnabel einen halben Fuss, reiche Leute einen Fuss, Ritter anderthalb und Barone gar zwei 
Fuss lang. Die Schuhe waren über dem Spanne her aufgeschnitten und wurden hier vernestelt; 
auch trug man die Schuhe tief an den Knöcheln ausgeschnitten und verschnürte Fersenstück und 
Spannblatt, welche Stücke spachtelartig in die Höhe standen, mit einem Riemen, der unter einem auf 
das Fersenstück genähten Henkel durchlief (Fig. 17. 1a). Das Haar trug man halblang, häufig ge- 
kräuselt und selbst gescheitelt, den Bart, der nun wieder mehr in Mode kam, spitz zugeschnitten 
und selbst als Knebel.  
Der weibliche Anzug in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Unter- und 
Oberkleid zeigten, wie schon am Ausgange der vorigen Epoche, eine passende Anlage um den 
Oberkörper und erweiterten sich erst von den Hüften an (73. e. 7. 11). Mit der Zeit machte 
man das Kleid oben womöglich noch knapper als seither und verknöpfte oder verschnürte es 
über die Brust herab (73. 21), nach untenhin aber gab man ihm eine beträchtliche Schleppe. Leibchen 
und Rock wurden aus dem Ganzen geschnitten. Die Aermel waren unter gewöhnlichen Bürgers- 
frauen im Oberarme weit und bequem, im Unterarme aber anschliessend und verknöpfbar (73. v). 
Sonst beliebte man die Aermel völlig eng (73. 11. 21). Bald fing man an die Aermel zu Halb- 
ärmeln mit bandartig herabhängenden Flügeln zu verschneiden (73. 1a. 19. 2a. 24) und die Flügel 
nach und nach bis auf den Boden herabsteigen zu lassen. Einer wachsenden Beliebtheit erfreute 
Hottenrozh, Trachten. n. Band. 2. 2.1111. 20
        

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