Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905712
unmittelbar über dem Hemde getragen wurde, ein Anschmiegen um den Oberkörper bemerklich. 
Zuerst begnügte man sich, den Rock mit einem Hüftgürtel faltig zusammenzuschliessen (73. s. 9); 
dann rückte man den unteren Saum in die Höhe und endlich weit über das Knie herauf, und schnitt 
den Rock seitwärts am Hinter- und Vorderblatt dergestalt aus, dass er den Oberkörper straff umspannte 
und über die Brust herab, nicht selten auch auf der Rückseite des Hinterarmes geschlitzt und ver- 
knöpft werden musste (73.14.15). Die Mode bemächtigte sich vorzugsweise der Aermel; sie ver- 
längerte dieselben mit trichterförmiger Erweiterung über die halbe Hand herab (73. s. 9) oder 
dehnte sie zu langen faltenreichen Aermeln und geschlossenen Sackärmeln mit Handschlitzen aus 
(73. s. 9); sie versah den Rock in den Nähten und an den Rändern mit einem Zaddelschmuck und 
besetzte ihn schliesslich mit einem Stehkragen. Der Rock führte nun den Namen vpourpointu; 
er war oft so kurz, dass er wie ein gezacktes Wams erschien (73. 15). Die bis jetzt getrennten 
Beinlinge wurden zu wirklichen Hosen verbunden, so dass auch der Unterleib, um welchen sie 
mit einer Zugschnur befestigt wurden, bedeckt war. Um ihre Spannung aufzuheben, stellte man sie 
jetzt vielfach aus elastisch gewebten Zeugen her. Man gab jedem Beine gern eine andere Farbe 
und ritterliche Leute schmückten die Hosen mit ihren Wappenfarben. Das Obergewand (robe) 
veränderte man nur wenig; man liess es in den Schultern anliegen (73.13) und sich nach unten 
hin erweitern, schlitzte es auf der Brust und beliebig auch unten auf der Vorderseite auf, besetzte es mit 
Pelz oder Zaddeln und gürtete es. Schon am Schlusse des 13. Jahrhunderts erscheint als Ueberrock 
eine Abart des Balandrun (72. 12) mit kragenartig über die Oberarme fallenden Aermeln und einer 
Kapuze mit zwei Bäffchen darunter an der Halsgrube; diese führte den Namen nGanacheu und Scheint 
von den spanischen Mauren nach Frankreich gekommen zu sein. Der Mantel behielt seine halb- 
kreisförmige Gestalt, doch wurde er verkürzt, so dass er oft nur bis zu den Knieen reichte; man 
verknöpfte ihn vorn nach Belieben der ganzen Länge nach; auch verknüpfte oder vernähte man ihn über 
die rechte Achsel herab (73. n. 74. 12). Dem ringsum geschlossenen Mantel gab man seitliche Arm- 
schlitze. Als Kopfbedeckung kam immer mehr die Kapuze in Aufnahme, entweder selbständig 
und mit geschlossenem Kragen (74. 2) oder am Rocke sowie am Mantel festgenäht (73. 4. s). Mit ihren 
Zipfeln häufig den Boden berührende Kapuzenmäntel (chaperons) waren unter allen Ständen und 
Geschlechtern verbreitet. Sonst deckte man den Kopf auch mit einem gespitzten Hute, dessen 
Krämpe hinten in die Höhe geklappt war und nach vorn in eine Spitze auslief(73.2.1a) oder mit 
einem steifen breitkrämpigen Filzhute (73. 12) sowie mit einer wulstbesetzten Rundmütze (73. in). 
Schuhe und Halbstiefel versah man mit ausgestopften Schnabelspitzen; häufig ersetzte man 
das Fusszeug durch eine an den Fuss der Hosen befestigte Ledersohle (73. s. 15). Getragen wurde 
nur wenig oder kein Bart, das Haar anfangs hinten und über den Ohren ziemlich lang und über der 
Stirne gerade verschnitten, später aber durchaus verkürzt, unter vornehmen Leuten um einen Reif 
gewickelt, welcher vom Nacken sich verschmälernd über die Stirne hinaufstieg, wo ihm ein Kleinod 
als Schmuckstück diente (Fig. 37. i). 
Zahlreich sind die Formwandlungen, welche die männliche Tracht in der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts durchmachte. Zwar die Beinkleider behielten ihre alte Form 
und wurden nur an den Fussspitzen beträchtlich verlängert und ausgepolstert. Die Neigung, den 
Körper so schlank als möglich erscheinen zu lassen, liess den Leibrock, den Pourpoint (auch 
jupe und jaquette genannt) dergestalt verengen, dass man ihn vorn herab ganz oder teilweis öffnen 
musste (74. 4. s), um ihn anlegen zu können; man verknöpfte oder verschnürte ihn dann so, dass 
er ohne eine Falte wie angegossen auf dem Oberkörper sass. Der Rock stieg nur wenig über die 
Hüften herab; auch seine Aermel waren von äusserster Enge und öffneten sich nur am Handgelenke 
bis gegen die Finger hin. Nicht selten jedoch führte der Rock auch bequemere Halbärmel, während 
die Vorderarme mit den Aermeln einer Unterjacke bekleidet erschienen (74. ß). Man stattete den 
oberen Rock farbig und glänzend aus, besetzte ihn oben mit einer Kapuze (caPuchon) (74- 4): unter 
den Hüften mit einem Gürtel von Goldschmiedearbeit und am unteren Saume mit Zierstücken; diese
        

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