Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905679
ein über das Chorhemd anzulegendes rotes Gewand (chimere) ohne Aermel, vorn herab geöffnet 
und so lang als das schwarze Unterkleid; die schwarze Binde (Stola) und schliesslich eine flache 
Kappe in Rot oder Schwarz, die Wangen und Hinterkopf bedeckte und sich nach obenhin in vier- 
eckiger Form erweiterte. Dazu kam noch zu gelegentlichem Gebrauch ein Chormantel mit drei- 
eckiger Kapuze von schwerem farbigem Stoffe und reich bestickt, sowie ein cylindrischer oder ge- 
spitzter Hut mit Krämpe. Da auch die Oxforder Doktoren rote Chimeren trugen, so änderten 
Bischöfe und Erzbischöfe die ihrige in Schwarz ab. Mitra und Stab wurden nur noch im Wappen 
weitergeführt. 
In Schottland und namentlich im nördlichen Teile des Landes unter den Berg- oder 
Hochschotten behauptete sich das ganze Mittelalter hindurch bis auf unsere Tage neben den Zeit- 
moden eine besondere Volkstracht aus bunt gewürfeltem Stoffe. Doch haben sich bis jetzt nur 
sehr wenige abbildliche Spuren der mittelalterlichen Schottentracht gefunden, die wir durch ebenso 
geringe schriftliche ergänzen müssen. Die früheste schriftliche Gewähr in Bezug auf das ge- 
würfelte Gewand findet sich erst im 16. Jahrhundert und besagt, dass auf den Hebriden vor Mitte 
des 15. Jahrhunderts das gross gewürfelte Wollzeug, delgf-Tartans, verarbeitet worden sei und zwar 
in einer Mischung von Naturschwarz und -weiss für die ärmeren Leute, bunter für die Reichen. 
Könige oder Häuptlinge trugen ihren Tartan in sieben, Edelleute in vier Farben. Zeuge in Grün 
und Schwarz mit roten Streifen herrschten vor. Nationalkleid war der Plaid (breacan-feile), ein 
grosses Zeugstück, das sowol als Mantel wie als Lendenschurz gebraucht werden konnte (71. 1. 11.4); 
er wurde im letzten Falle seiner Länge nach auf die Hälfte zusammengelegt, dann um den Leib 
gewickelt und mit dem Rest über die linke Schulter geworfen (vrgl. 71. 20). Die Hosen (truis), 
ursprünglich ein wesentlicher Bestandteil der gälischenvTracht, waren im Verlaufe der Zeit ausser 
Gebrauch gekommen. Im 16. Jahrhundert trug man gewürfelte Strümpfe, die um die Waden 
gebunden (71. a. 4. 15) und Schuhzeug, das über dem Spann oder am Schienbein herauf verschnürt 
wurde (71. 1. 2.10. 11). Ausser mit dem geschürzten Plaid schützte man den Unterleib durch einen 
kurzen Rock (phillibeg oder kilt 71.2), welcher noch heutzutage wie ein Frauenuntcrrock an- 
gelegt wird. Dazu kam noch für jene Periode ein Wams (71. 2) mit langen geschlitzten Aermeln 
nach der Zeitmode und ein westenartiges Koller mit kurzem Schosse und Achseldecken (71. a), das 
vorn herab verknöpfbar. Schon für das 14. Jahrhundert nachweisbar ist der Gurt mit daran ge- 
hangter beutelartiger und bequasteter Tasche (sporan) an der rechten Seite. Es scheint, dass Kopf- 
bedeckungen von den wetterharten Stammen ursprünglich mehr zur Unterscheidung als zum 
Schutze getragen wurden. Die Mütze mit nach vorn geneigter Spitze (71.15.11) hat eine merk- 
würdige Aehnlichkeit mit einer schon im 11. Jahrhundert auf französischen Klostermauern verbild- 
lichten Mütze (Fig. 29. 5. e), die ihrerseits wieder der phrygischen Mütze nahesteht; vielleicht, dass 
sie mit den Normannen auf die Insel kam, ebenso die Kragenkapuze (71.11.18); die flache Tuch- 
mütze (71. 12) scheint jünger. Die blaue Farbe, wie solche die Mützen zeigen, war die Lieblings- 
farbe der Kaledonier; das gewürfelte Band ist später hinzugekommen. Aelter als die Mütze ist 
sicherlich deren Schmuck, die Adlerfeder; diese bildete nebst einem Zweige der Stechpalme und des 
Ginster von altersher das eigentliche Merkmal der Häuptlinge. Von einer weiblichen Volks- 
tracht scheint sich bis jetzt keine Spur vorgefunden zu haben. Die vornehmen Schotten nament- 
lich im südlichen Tieflande gingen im 16. Jahrhundert mit der Zeitmode (71. 5. e. 1). Was nun 
die Kriegsrüstung betrifft, so lässt sich nachweisen, dass der unter den Normannen übliche 
mit Ringen besetzte Rock und der spitze Helm mit Nasenschutz schon früh ihren Weg in die 
schottischen Berge gefunden haben, ebenso das Ringelhemd und die eisernen Handschuhe, die Brust- 
platten und Schienen. Das Ringelhemd, zum Wamse verkürzt, trugen die Soldaten Jakob's V. unter 
dem Koller (71. 1). Auch der lange Bogen galt damals noch als echte Hochlandswaffe (71. 1); da- 
neben der Zweihänder, die Claymore (71 2), mit langer Angel und einfacher, nach beiden Seiten 
hin gesenkter Parierstange; er wurde an einer Schnur über dem Rücken getragen. Statt des Clay-
        

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