Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905656
enge Aermel und an den Achseln einen schmalen Puffenbesatz; es wurde gleichfalls über die Brust 
herab verknöpft. Namentlich unter Edel- und Kaufleuten beliebt war ein langer, bis gegen die 
Knöchel reichender, vorn herab geöffneter und mit Pelz besetzter Rock, welcher mit einem Riemen 
oder einer Sammetbinde geschlossen wurde. Dieser wol aus der Huppelande hervorgegangene Rock 
war von gemustertem Sammet und zeigte sich in zweierlei Form. Einmal lag er oben fest an, wie 
ein Wams ((3512) und hatte besonders angesetzte Schösse, welche sich nach unten hin erweiterten; 
ein andermal erweiterte er sich ohne die geringste Taille schon vom Halse an  7), so dass er 
vorn übereinandergeschlagen werden konnte, und hatte einen nach obenhin breiter werdenden Auf- 
schlag von Pelz. In der ersten Form führte der Rock lange halbweite Hängeärinel mit zwei oder 
drei pelzumsäumten Schlitzen für den Arm, in der andern auf den Arm passende Aermel mit wul- 
stigen Achselstücken. Dazu kam noch ein Barett oder ein gespitzter Krämpenhut. Seehandelsleute 
trugen die weiten, unzerschlitzten, unterm Knie verschnürten Trussen (69. 5), Strümpfe, einen kurzen, 
ungegürteten Kittel nach Matrosenart, darüber einen bis unter die Hüften reichenden schwarzen 
Mantel, dessen Aufschlag in einen stehenden Kragen überging, dazu Spitzhut, Halskrause und nach 
dem Fuss geschnittene Schuhe mit Absätzen. Die Matrosen hatten kurze Kittel, sehr weite bauschige 
unter dem Knie verschnürte Hosen, Strümpfe, Halskrause und hohe Pelzmütze (69. a). Krausen 
an Hals und Handgelenk wurden in allen Schichten beliebt. Die Halskrause, oft drei- und vierfach 
übereinander getragen, wuchs nach 1595 so sehr ins Ungeheuerliche, dass man sie mit dem Aus- 
druck: sDrei und einen halben Schritt näher am Galgene kennzeichnete. Das Fusszeug war 
noch immer an den Zehen mehr oder weniger breit, eckig oder rundlich und wurde jetzt häufiger 
als sonst mit Absätzen versehen; man trug auch Pantoffeln. Die Reitstiefel, aus weichem Leder 
hergestellt, reichten bis in die Oberschenkel und wurden bis an das Knie heruntergeschlagen oder 
gewickelt. Handschuhe mit farbig unterlegten Schlitzen waren allgemein unter den begüterten 
Ständen. Das Haar wurde kurz verschnitten, der Bart gestutzt, bald rundlich, bald spitz, der 
Schnurrbart in Spitzen und beliebig nach oben gedreht. 
Die Frauentracht in der ersten Hälfte des 16. jahrhundertS- In Schnitt, Zahl und 
Namen blieben die Hauptbestandteile des weiblichen Anzuges etwa bis zum Jahre 1:330 fast un- 
verändert. Die Kleider zeigten noch wie am Ausgange des 15. Jahrhunderts die ziemlich kurze, sich 
nach vorn aber mehr oder minder tief herabsenkende Taille (68. 9-12), den viereckigen flachen Hals- 
ausschnitt und die nach untenhin sich stark erweiternden Aermel, welche man mit ihrem Saume 
vom Handgelenk emporraffte und im halben Oberarme befestigte; Aermel in dieser Form pflegte 
man in London aßischofsärmelu zu nennen. Daneben gab es noch Aermel, welche im Ganzen 
ziemlich eng waren, aber geschlitzt, unterpufft und mit darüber gespannten Nesteln verziert wurden; 
dergleichen Aermel brachte man namentlich am Unterkleide an, wo sie, da die oberen Aermel auf- 
geschlagen wurden, dem Auge freigegeben waren (G8. 9.12). Dieser Aermelform folgte bald ein an das 
geschlossene Mieder besonders angesetztes Gewand, welches nach französischer Weise vorn herab 
Weit geöffnet war und den nkirtleu, wie damals das Unterkleid genannt wurde, sehen liess. Die 
Kleider berührten nur gerade den Boden, doch kam auch noch die Schleppe vor, wenn auch kleiner 
als seither. Das Mieder wurde jetzt nicht selten als eigenes Gewandstück behandelt; es war in 
diesem Falle ein der männlichen Weste oder dem Koller ziemlich ähnliches Kleidungsstück mit 
Flügeln an den Armlöchern und über die Brust herab verknöpfbar. Der Gürtel folgte genau der 
Taille und fiel mit langem Behang über den Unterrock herab. Um diese Zeit scheint jene Kopf- 
bedeckung eingeführt worden zu sein, irvelcheiuns als Stuarthaube vertraut geworden ist (68. 14). 
Die Königin Maria, welche ihre hohe Stirn für unschön hielt, suchte dieselbe dadurch niedriger 
erscheinen zu lassen, dass sie die Stirnschneppe der damals üblichen Haube herunterdrückte und 
so erhielt diese Haube zugleich eine ungemein kleidsame Form. Ueblich war noch derhalbmondförmige 
Aufsatz, doch minder hoch als im vorigen Jahrhundert (68. 11). Die kapulenaftigen Hauben 
(68. 10) von grünem oder schwarzem Tuche währten durch das ganze Jahrhundert fort. Schon gegen
        

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