Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905645
gegürtet blieb, und weite Aermel oder lange Hängeärmel mit Schlitzen für den Arm hatte, sowie 
einen Aufschlag von Pelz, welcher sich oben breit über die Achseln legte. Neben dem kurzen 
Wamse trug man ein längeres mit Schoss, der ringsum in gleichmässige Falten gelegt und besonders 
angesetzt wurde (68.  Dieses Schosswams war vorn herab durchausgeschlitzt, nicht selten 
auch völlig ohne Bruststück und bis auf den Gürtel ausgeschnitten (68. 1a). Man machte es etwas 
höher als sonst, besetzte es wol auch mit einem kurzen Stehkragen und liess es von dem ge- 
krausten Hemde überragen, das auf der Brust mit Goldfaden oder schwarzer und weisser Seide bis 
zum Gürtel herab bestickt war. Den weiten Brustausschnitt aber füllte man durch einen Latz von 
Silbertuch mit schwarzer Stickerei oder durch eine Unterjacke aus; diese war ebenmässig mit breiten, 
bis zum Handgelenke reichenden Aermeln versehen, im Falle man das Schosswams ärmellos beliess 
(68.13). Die Schlitzung wurde vermehrt und erstreckte sich über alle Teile des Schosswamses und 
die sichtbaren Teile der Unterjacke, ebenso die farbige UnterpuKung. Das lange Wams, von Leder 
mit faltenlosem Schosse, kurzen Aermeln und farbig unterlegten Schlitzen, wurde von den Soldaten 
als Waffenrock getragen (68. is). Die Schaube mit Pelzaufschlag pflegte man namentlich unter 
Heinrich VIII. in den Achseln ausnehmend breit zu machen. Neben den kurzen engen Oberhosen 
kamen solche auf, die weiter und länger waren, bis unter das Knie herabstiegen und hier mit einer 
Zugschnur geschlossen wurden, so dass sie in Bauschen den Schenkel umgaben (68. s). Man trug 
sie häufig ihrer Länge nach in Riemen zerschlitzt, mit ausgepolsterten andersfarbigen Unterhosen 
gefüttert und mit farbigen Zeugstreifen wagrecht in kurzen Zwischenräumen überbunden (68. e.  
oder man schmückte die ausgestopften Hosen sonstwie mit bunt unterlegten Schlitzen. So gestaltet 
führten die Hosen den Namen vTrussenu. Die Schamkapsel, auswattiert und geschlitzt, kam auf 
einen dreieckigen Latz zu sitzen, und sah, während die Trussen von den Rockschössen fast ganz 
verdeckt wurden, stets zwischen den letzteren hervor (68. s.  s). Um die Mitte des Jahrhunderts fing 
man an, die engen Beinlinge, über welchen die Oberhose lag, über dem Knie abzuschneiden und unter 
demselben zu binden. Den unteren Teil nannte man aStrunks (Stocks), eben weil er nur ein Teil der Hose 
war, später aber wStrumpfß (stocking), als man ihn als selbständiges Gewandstück behandelte, wie 
solches gelegentlich schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts vorkam. Der Strumpfwurde anfangs 
aus Tuch oder Seidenzeug zugeschnitten, gewöhnlich in der Farbe der Oberhose und an dieselbe fest- 
genäht, später aber aus andersfarbiger Wolle oder Seide gestrickt. Neben dem mehr oder minder ge- 
spitzten Filzhut mit Krämpe (68.18) bildete das flache Barett aus Sammek mit handbreitem steifem 
Rande, der Vorstand oder aufgeklappt und je nach Vermögen mit Puffen und Edelsteinen besetzt war, 
die ausschliessliche Kopfbedeckung (684  5  Hut und Barett zeigten Federschmuck. Das Fusszeug 
von Leder, Sammet oder Atlas, war an den Zehen zuerst breit und rundlich, wurde dann aber eckig 
und von übertriebener Breite gemacht, auch geschlitzt und gepufft. Neben Schuhen und Halbstiefeln 
gab es hohe Reitstiefel, deren Schaft man oben umzustülpen pflegte. Das Haar trug man gegen 
Ende der Regierung Heinrich's VIII. sehr kurz, Bart und Schnurrbart aber nach Belieben. 
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollzog sich eine Umwandlung der männ- 
lichen Tracht zuerst in spanischem, dann in spanisch-französischem und selbst in holländischem 
Sinne; es gab bald so vielerlei Modeformen als Tage im Jahre. Für die ausländischen Formen 
muss an dieser Stelle auf die Moden der betreffenden Völker hingewiesen werden; nur die Ab- 
änderungen, insoweit dieselben mehr oder weniger englisch erscheinen, seien hier näher berührt. 
Etwa bis 1570 beliess man die Oberhosen in der alten Form; von da an machte man sie länger, 
liess sie nach obenhin und namentlich in der Mitte bedeutend anschwellen, versah sie mit reihen- 
weis gesetzten kleinen Schlitzen, wattierte sie dann und raffte und unterband sie im oberen Drittel 
dergestalt, dass sie nur noch knapp unter das Knie reichten, wo man sie ebenfalls verschnürte (69. i). 
Daskurze Wams, jetzt nicht mehr ausgeschnitten, hatte sich in eine Art von ärmelloser, auf der 
Brust verknöpfbarer Weste oder in ein Koller verwandelt und wurde fast ausschliesslich nur von Soldaten 
getragen (69. i). Das lange Schosswams "zeigte jetzt glatte Schösse (68. s), einen Stehkragen, lange 
HOKICDrOKlI, Trachten. n. Band. 2. Auß. 19
        

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