Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905622
besetzte ihn mit einem Uinschlage von andersfarbigem Sammet oder von Pelz, welcher sich nach 
obenhin verbreiterte. Die Oeffnung wurde durch einen eingeschobenen Latz oder auch durch das 
Unterkleid ausgefüllt (66. 9.10.13) und nach Bedarf verschnürt. Neben den weiten Aermeln kamen 
auch wieder knapp anschliessende Aermel von geradem Schnitte auf, mit einem Umschlag am 
Handgelenke, dazu viel breitere Gürtel als seither, die aber noch immer hinten verschnallt wurden. 
Man nahm das Kleid mit der Hand in die Höhe oder schob es vermittelst eines seitlichen Schlitzes über 
den Unterarm (66. 9.12). Der Schnitt des Oberkleides blieb bis zum Schlusse des jahr- 
hunderts mancherlei Schwankungen unterworfen. Man fing an, die ungeheuren Schleppen zu ver- 
kürzen, dem Halsausschnitt eine rundliche Form zu geben und die Taille etwas weiter herunter zu 
rücken (66.15). Zweierlei Roben kamen in Gebrauch, nämlich solche, die sich mit ihrem Leibchen, 
das besonders zugeschnitten wurde, scharf um den Oberkörper anschlossen, und solche, welche der 
Gestalt des Oberkörpers folgten, ohne ihn einzuengen; diese wurden mit einem auf den Gurt herab- 
steigenden dreieckigen Ausschnitte oder einem offen stehenden Schlitze versehen (66.11). Bei 
den ersten liess man die Taille sich nach vornhin ein wenig senken und setzte das Kleid bald glatt, bald 
faltig an das Leibchen an. Der Gürtel wurde jetzt vorn verschnallt und häufig ein langes Behäng mit 
einer Kapsel voll Essenzen an demselben angebracht. Auch fing man damals an die weiten Aermel am 
Handgelenk einzuraffen, mit dem unteren Saum emporzunehmen und im Oberarm zu befestigen (68. n). 
Neben allen diesen Wandlungen erhielt sich noch das zierliche Sürkot, namentlich als Mädchen- 
kleid (66. 2a). Der halbkreisförmige Mantel, fast nur noch bei Staats- und Leichenfegten übligh 
(67. 10. 12), erhielt als Trauerkleid eine Kapuze, welche mit ihrem Kragen gegen den Ellbogen, mit 
ihrem schmalen Zipfel aber fast bis auf den Boden herabstieg (68. s). In Mode blieb noch das 
unter den Mund gehängte dicht gefältelte weisse Linnentuch, die Barbe. 
Gross war die Zahl der Kopftrachten um diese Zeit und es ist keine leich  0' 
eine anschauliche Beschreibung von denselben zu geben. Um 1460 kam der vHenninu lfledlällxSull-ZTEÜIFCTT 
dieser glich einem geraden Horne, war eine halbe bis dreiviertel Ellen hoch und sass rückwärts 
geneigt auf dem Oberkopfe (66. 9); an seiner Spitze oder auch seiner ganzen Länge nach behängte 
man ihn mit weiten Schleiertüchern, welche bisweilen auf den Boden herabstiegen und unter dem 
Arm aufgesteckt werden mussten. Es gab auch Hennins in abgestumpfter Kegelform sowie cylinder- 
und beclierförmige. Der gesteifte Schleier wurde häufig in mehrfachen Brüchen über ein Draht- 
gestell ausgespannt und so auf dem Hennin befestigt; in dieser Form legte er den Vergleich mit 
einem Schmetterlinge nahe, weil er ähnlich diesem Insekte zwei Flügel auf jeder Seite zeigte. Als 
Unterlage der doppelt gehörnten Kopftracht (68.11) benützte man einen aus Tüchern gedrehten 
und an beiden Enden zugespitzten Wulst, den man wie eine Mondsichel bog und auf der Hinterseite 
einer abgestumpft kegeligen oder runden Haube befestigte (67. s). Ein weiterer Kopfputz bestand in 
einem dicken Wulste, welcher dergestalt über eine mehr oder weniger hohe Unterkappe gesetzt 
wurde, dass er sich oberhalb der Stirn und dem Nacken herunter, über beiden Schläfen aber hinaufbog. 
Die Frauen der mittleren Stände trugen über einfachen Unterhauben kapuzenartige Tuchkappen mit 
aufgeschlagenem Saume und nicht selten mit zwei seitlichen Höckern, die Affenohren glichen (65.11). 
(Weiteres über Kopftrachten siehe unter französischen Trachten.) Gegen Ende dieser Periode wurden 
die hohen Aufsätze bedeutend niedriger gemacht und nur wenige derselben retteten sich in das 
nächste Jahrhundert hinüber. 
Tunika, Dalmatika, Mantel und geschlossener Schulterkragen aus Hermelin bildeten die 
Hauptstücke der königlichen Tracht. Noch ist uns der Mantel Heinrichs VII. erhalten ge- 
blieben (Fig. 35); derselbe gleicht in seiner Halbkreisform mit dem ebenmässig gestalteten Hals- 
loehe in der Mitte seiner geraden Kante völlig den alten byzantinischen und deutschen Kaiser- 
mänteln (vrgl. Fig. 6 u. 7). Die Farben der königlichen Gewänder waren nicht stehend, sondern 
wechselten zwischen rot, blau und purpur in allen Abschattungen. Kleinmalereien aus der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigen uns. den Königsmantel in Blau (66. es), das Unterkleid in Rosa,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.