Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905606
Eduard IV. bis 1483, Eduard V. und Richard III. bis 1485 und Heinrich VII.) wurde der Luxus 
in der Kleidung so gross, dass sich der Arme vom Reichen, der Hohe vom Niederen und selbst 
der Geistliche vom Laien fast nicht mehr unterscheiden liess. Die Kleidung der Männer 
während der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wich in keinem wesentlichen Punkte 
von der Tracht der abgelaufenen Periode ab. Die knappen Strumpfhosen und Röcke, sowie 
die langen Gewänder mit den umfangreichen Aermeln und hohen Stehkragen bildeten die all- 
gemein übliche Tracht unter allen Ständen. Gesetzte Leute jedoch trugen die lange Robe nur bis 
an die Knöchel reichend, über die Brust herab oder auch völlig geschlitzt und verknöpft, gegürtet 
und ungegürtet, in den Aermeln von mässigem Umfange, dazu gelegentlich eine Kapuze (64. 2. 11). 
Sehr beliebt im Volke war der kurze Ueberrock, das Jacket; doch wurde dies Gewandstück 
nicht ganz so eng wie in Frankreich zugeschnitten, sondern von bequemer Weite gemacht und vorn 
herab oder doch über die Brust her geöffnet (64. 4). Edelleute trugen diesen Rock knapp anliegend 
und in ihren Wappenfarben (64. u). Das Jacket, welches gegürtet wurde, führte einen kleinen Steh- 
kragen; seine Aermel waren offen oder sackförmig und stets von grossem Umfang. "Die Stallknechte, 
schreibt ein Zeitgenosse, brauchen keinen Besen mehr, seitdem ihre Aermel den Kot aufleckenm Das 
Armloch im Sackärmel, wie solches namentlich an den langen Roben angebracht wurde, sass entweder 
im Boden des Sackes (G4. 2. 14) oder oben in der vorderen Naht; in der hinteren (64. 15) wurde nicht 
selten ein Besatz von Zaddeln angebracht. Es gab auch lange Aermel von minderer Weite, welche 
vorn herab völlig aufgeschlitzt waren, so dass sie frei herabfielen (vrgl. 65. 12). Gegen die Mitte 
des 15. Jahrhunderts kam die vom burgundischen Hof ausgehende lange, ringsum geschlossene Robe 
mit den dick ausgestopften Achseln auf  Stiefeln und Schuhen beliess man noch die 
langen Schnabel. Auch Unterschuhe oder lang gespitzte Sohlen wurden üblich (64. ß). Der Bart 
kam selten vor, anfangs noch gegabelt, später rund geschnitten (64. e); auch der Schnurrbart wurde 
nur noch ausnahmsweise getragen. Ein glattes Kinn war überhaupt ein Grundzug in der Mode 
dieser Zeit. Das Haar beliebte man kurz oder von massiger Länge. (Ueber Kopfbedeckungen 
s. die folgende Seite sowie Fig. 19 samt Erklärung S. 87 u. S8.) 
Die Frauentracht während der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das 
Unterkleid behielt seine alte Form; es umschloss den Oberkörper bis unter die Hüften so knapp 
als möglich (64. s). Die Aermel waren meist eng und lang; sie gingen noch häufig wie zur Zeit 
HeinfißhiS I- übel" die Hand (64. 20.  oft mit beträchtlicher Weite völlig über diese herabfallend 
(64.11.10); der Halsausschnitt richtete sich nach dem Oberkleide. Dieses, die Robe, stieg fast 
bis an die Halsgrube hinauf und hatte eine Schleppe, sowie hängende oder sackartige Aermel 
(64. 0. 20-23), ganz wie die damaligen Männerröcke. Es gab Roben, die am Oberkörper fest an- 
lagen und ungegürtet blieben, andere waren auch oben ziemlich weit; diese wurden gegürtet und 
zwar dicht unter der Brust. Vorder- und Hinterblatt der Robe waren gleich im Zuschnitt, die Arm- 
löcher ziemlich gross und oval. Mit dieser Robe angelegt zeigte das Unterkleid nicht selten einen 
kleinen, nach aussen gebogenen und vorn geöffneten Stehkragen, in welchem das Kinn sass (64. 9. 2a). 
Die anschliessende Robe kam nach 1420 ausser Gebrauch. Nach dieser Zeit erhielt auch die weitere 
Robe einen Kragen; dieser War ziemlich breit, vorn geteilt und lag glatt auf beiden Schultern 
(64. 21. 22); er war gewöhnlich von weisser, immer aber von einer anderen Farbe als das Kleid. 
Der Gurt wurde hinten verschnallt. Neben der Robe erhielt sich noch der zierliche, an den Seiten 
ausgeschnittene Sürkot (64. 11). Der halbkreisförmige Schultermantel aber kam immer mehr in 
Abnahme (64. 11. 16. 22) und wurde wol nur noch von älteren Frauen beim Kirchengange getragen. 
Diese benutzten auch noch das urväterliche Halstuch (gorget), welches sie dicht gefältelt unter 
dem Kinn oder dem Munde festbanden, so dass es die obere Brust bedeckte (64. 16); dazu trugen 
sie eine einfache, über die Wangen herabsteigende Haube mit dem ebenfalls uralten Kopftuche 
darüber, welches in seinem über die Stirne fallenden Teile strahlenartig gefältelt war. Die hohen 
Kopftrachten kamenimmer mehr in Aufnahme und es scheint die damals erhobene Beschuldigung
        

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