Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905581
In Mode waren bunte Stoffe, die geteilten Farben: das party-coloured, die Zaddeln und Lappen an 
den Rändern und, wenn auch massiger als in Deutschland, das Schellenwerk (63. 20). Man versah 
die Kapuze mit einem langen Schwanze und legte sie entweder einfach an, mit einem mantel- 
artigen verknöpfbaren Kragen (63. 12) oder zu einem Turban verschlungen (63. 20). Daneben beliebte 
man ganz wie in Frankreich die hohe cylindrische Mütze ohne Rand. Auch die Schuhe mit den 
langen Schnabeln, die man crakowes nannte, fanden freundliche Aufnahme. Das Haar wurde lang 
getragen und sorgfältig gekräuselt, der Bart massig gekürzt und in zwei Spitzen geteilt, der 
Schnurrbart in seiner Fülle belassen. Gegen Ende des Jahrhunderts rasierte man das Kinn und 
trug es völlig bartlos in weibischer Glätte.  
Die Frauentracht im 14. Jahrhundert scheint nicht so sehr in allen Stücken der 
französischen Mode nachgebildet worden zu sein, wie die männliche. Das Hemd war bekannt und stieg 
bis auf die Füsse herab (63.15). Die Damen zur Zeit Eduard's I. trugen das Unterkleid (63.11) 
bis zur Halsgrube hinaufreichend, mit engem Anschluss bis auf die Hüften, nach unten die Füsse 
berührend, auch hinten in eine Schleppe verlängert, in den Aermeln lang und eng; zuweilen ver- 
knöpften sie es über die Brust her oder- auch seiner ganzen Länge nach (63. 6.15). Ebenmässig 
lag der Ueberrock (cotte-hardie) fest am Oberkörper und hatte lange, enge, auf der Rückseite 
des Unterarms verknöpfbare Aermel, doch häufiger noch kurze Aermel, welche nur in den halben 
Oberarm reichten und sich aussen am Arm, aber nicht hinten, wie es sonst der Fall war, mit einem 
schmalen Zeugstreifen fortsetzten (63. s). Ueberdies besetzte man das Kleid, wenn völlig ärmellos, 
mit Hängeärmeln aus Pelz (63.11). Die Cotte liess gewöhnlich noch die Fussspitzen blicken und 
führte nur unter vornehmen Frauen eine Schleppe. Eigentümlich waren ihr zwei Schlitze von etwa 
Handlänge vorn auf den ODEYSChGIIRClILJC einer aufjeder Seite (63. s), welche man scherzweise vHöllen- 
fensteru nannte. Den Gürtel behielt man auch noch als gelegentliches Zierstück bei, um die 
Cotte, wenn überlang, darin unterstecken zu können; er wurde locker unterhalb der Hüften um- 
gelegt und wol auch eine Tasche daran befestigt. Statt der Cotte wurde um diese Zeit häufig 
der Sürkot (sosquenie, surquayne oder sucheny) beliebt, der hübscheste Anzug, den damals eine 
Frau tragen konnte. Dieses Kleid hatte keine Aermel, sondern war auf beiden Seiten von den 
Achseln an bis unter die Hüften im Bogen ausgeschnitten (63.14.16); auch der Brustausschnitt war 
ziemlich tief, so dass auf die Achseln nur ein handbreiter Streif zu liegen kam. Der Sürkot reichte 
gewöhnlich nur bis an die Fussspitzen, wurde auch vorn heraufgesteckt oder, falls er eine Schleppe 
hatte, mit dieser über den Arm genommen. Sein oberer Teil war entweder ganz aus Hermelin 
(63.14), oder an den Rändern farbig besetzt, in letzterem Falle aber unten auf beiden Seiten ge- 
schlitzt und hier wie am unteren Saume breit mit Pelz verbrämt (63.16). Edeldamcn schmückten 
das Kleid mit ihren Wappenfarben. Der Mantel, nur noch als Festkleid üblich, hatte die Gestalt 
eines Kreisausschnittes mit fehlender Spitze und lag auf beiden Schultern, durch eine über die Brust 
laufende Schnur festgehalten (63. s. v). Daneben gab es noch Mäntel mit Armschlitzen und einer 
vorn und hinten tief herabsteigenden Zierkapuze (63. s). Auch die Schürze kam damals auf (63. 11); 
sie wird mit nbarmeu oder ßSchosstuche bezeichnet. Hals- und Kopftücher waren nicht mehr so 
allgemein wie früher (63. s. 11). Das Haar wurde entweder geflochten und zu beiden Seiten des 
Gesichtes geordnet oder rückwärts frisiert und in ein Netz gesteckt, gelegentlich auch frei herab- 
fallend belassen; man bedeckte es mit einem kurzen Schleier, der mit einem Kranze von Gold- 
schmiedearbeit oder mit einem Krönchen befestigt wurde, je nach dem Range der Trägerin. Auch 
verbarg man das Haar völlig unter einem turbanartigen Wulste (63. in). Verheiratete Frauen trugen 
eine Kapuzenhaube, die, am vorderen Rand in die Höhe geschlagen, die Stirne eckig umrahmte und 
an den Schläfen hinab tief in den Nacken stieg (63. 15). Gegen Ende dieser Periode tauchten die hohen 
Kopfpütze auf (63. 11), welche im folgenden Jahrhundert eine so grosse Rolle spielten. Die Schuhe 
waren geschnäbelt, doch von massiger Länge. 
So gross die Umwandlung in der bürgerlichen Kleidung war, so gering erschien sie in der
        

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