Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905573
von Blumen. Frei herabhängendes oder in Zöpfe geflochtenes Haar wurde fast gar nicht mehr 
getragen; man nahm das Haar ungebunden hinten in die Höhe und steckte es in ein Netz (61. 7). 
Noch werden Strümpfe von Tuch erwähnt, die unter Frauen von Stand mit Gold gestickt waren. 
Den Fuss bedeckten kurze Stiefel oder Schuhe, nach der Mode zugespitzt. 
Die königliche Staatstracht bestand aus zwei langen gegürteten Röcken (61.  
der Tunika und Dalmatika, Wovon das untere Kleid lange und enge Aermel hatte, das obere gleich- 
lange, doch weitere; auch war dieses etwas kürzer als das untere, welches knapp an die Füsse 
reichte; ferner aus Schulter- oder Rückenmantel, gestickten Schuhen und den Insignien. Eine Klein- 
malerei aus dem 13. Jahrhundert (61.11) zeigt uns den König Eduard I. (1272-1307) fast ganz 
in demselben Ornate, mit welchem angetan dessen Leiche im Jahre 1774 in der Westminster-Abtei 
aufgefunden wurde. Letzterer bestand in roter Dalmatika mit langen weiten Aermeln, einer dem 
byzantinischen Ornat entlehnten langen, weissen, mit Gold gestickten Binde, der Stola, welche 
zwiefach vor der Brust gekreuzt war, in langem Rückenmantel, der scharlachrot und an den 
Rändern verbrämt, in Krone und Reichsapfel. Für die Hof- und Staatsbeamten scheint es 
damals noch keine bestimmte Tracht gegeben zu haben. 
 Das 14. Jahrhundert (das die Herrschaft Eduardls I. bis 1307, Eduardls II. bis 1327, 
Eduard's III. bis 1377 und Richards II. bis 1399 umfasst) zeigt wie in ganz Westeuropa so auch in Eng- 
land die Mode der engen und kurzen Unterkleider sowie der weiten und überlangen Oberkleider. 
Zwar unter Eduard I. verblieb es noch bei der alten Tracht; aber gegen Ende der unruhigen Re- 
gierung Eduard's II. kam die Narrheit der bunten, knappen wie schleppenden Gewänder in das 
Land, welche dann unter Eduard III. sich dergestalt verbreitete, dass damals eine grössere Umwand- 
lung in der Kleidung statthatte, als in irgend einer andern Periode von der normannischen Er- 
oberung an bis zu den Tagen der Königin Elisabeth. 
Die männliche Tracht der besseren Stände glich um die Mitte des 14. Jahrhunderts 
völlig der französischen. Die Hosen bestanden aus zwei knapp anliegenden Langstriimpfen (62.38. 
63.12.13), die oben an eine Unterjacke festgebunden und häufig an den Füssen mit Sohlen besetzt 
wurden, die als Schuhwerk dienten. Der Rock (cotte-hardie), unter dem Volke bequem und bis 
zu den Knieen gehend (63. 1) reichte unter Leuten von Stand etwa bis in die halben Oberschenkel, 
umschloss den Körper knapp und faltenlos und seine rückwärts im Unterarme verknöpften Aermel 
gingen häufig, sich etwas erweiternd, in die halbe Hand (63.13); nicht selten bedeckten die Aermel 
auch nur die Oberarme bis zur Hälfte oder bis zum Ellbogen (63. 10.12) und setzten sich in einen 
frei herabhängenden Streifen von Tuch oder Pelz fort, während die Unterarme von den Aermeln 
einer Unterjacke bedeckt wurden. Man pflegte den Rock vorn herab ganz oder teilweise zu ver- 
knöpfen. Darüber legte man den Mantel (63. 1a); dieser war von halbrundem Zuschnitte, ziemlich 
lang und an den Rändern häuüg gelappt; man befestigte ihn auf der rechten Schulter mit mehreren 
grossen Knöpfen und warf sein vorderes Stück über die linke Schulter zurück. Neben den knappen 
Unterkleidern benützte man weite und lange, oft schleppende Ueberröcke: die geschlossene, 
nur auf der Brust oder unten an beiden Seiten geschlitzte Robe (63. 211. 21) und die Husse, auch 
paltots genannt, die wie das Skapulier der Mönche gewöhnlich ohne Aermel und an beiden Seiten 
offen war (vrgl. 66. 2). Aermel gab es in allen Formen; sie reichten in ihrer Weite bis auf die 
Knie oder schleiften auf dem Boden nach (63. 20. 21); es gab geschlossene Aermel oder pokys in 
Form eines Dudelsackes (64.14. 15), welche der Volkshumor vTeufelskastenu nannte, denn was nur 
gestohlen werden konnte, wurde dort hineingesteckt. Namentlich unter Richard 11., der selbst der 
grösste Geck seiner Zeit war, brachte man die weiten Aermel auch an den knappen Röcken an, 
die engen und kurzen Aermel mit den Fahnen aber an den schleppenden Roben (62. 55. 5c), welche 
um den Oberkörper her gleichfalls fest anschliessend gemacht wurden, so dass die Männer, namentlich 
von hinten betrachtet, wie Weiber aussahen. Ueberdies stattete man diese langen Röcke noch mit 
einem Stehkragen aus, welcher vorn an das Kinn stiess und hinten, etwas höher, an die Haarwurlßln-
        

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