Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905562
Tunika als Schutzkleid; diese hatte lange und ziemlich Weite Aermel, die an der vorderen Seite auf- 
geschlitzt oder mit Schlitzen für die Arme versehen waren (61. 10. 17); man nannte sie im da- 
maligen Latein Super-totus (Ueber-alles) oder Balandrana; daneben bediente man sich der urväter- 
liehen Pänula (61. u.) und der Kragenkapuze (61. 14). Pilger trugen ähnliche Kragen auch 
ohne Kapuze (G1. 44). Als Schutzdecke wurde überdies noch der Mantel benützt, der Sonst wol 
nur noch als Festkleid unter reichen Leuten in Mode war. Stets ein Kreisabschnitt an Form wurde 
der Mantel auf der rechten Schulter verhaftelt (61. 4) oder aber von hintenher über beide Schultern 
gelegt und mit einer Doppelschnur über die obere Brust her festgehalten (G1. 2). Gewöhnlich ging 
man barhäuptig, doch gebrauchte man auch Mütze n verschiedener Art, darunter die für das Kostüm 
des 13. Jahrhunderts so charakteristische Haube (61. 19), die glatt anlag und unter dem Kinne ver- 
schnürt, verknöpft oder seitwärts mit einer Nadel zusammengeheftet wurde. Auch gab es eine niedrige 
etwas gespitzte Mütze, deren unteren Teil man nach aussen hin umzukrämpen pflegte, so dass der- 
selbe als stehender Rand die Mütze umschloss (61. 16. 21. G2. 17). Barfüssig aber gingen selbst arme 
Leute nur noch selten; die Schuhe waren völlig geschlossen oder über dem Spann ausgeschnitten, 
langzehig und gespitzt (61. 39), schwarz gefärbt oder würfel- und gitterartig gestickt, je nach dem 
Stand ihres Trägers; auch Sandalen und Beinverschnürungen kamen noch vor; die Schnüre wurden 
gekreuzt und nicht mehr wie früher spiralisch unigewickelt (vgl. 62.  Der Adel bediente sich der 
in Frankreich aufgekommenen Schnabelschuhe, ebenso der Handschuhe aus gewebtem Zeug; in 
der ersten Hälfte des Jahrhunderts pflegte man das Haar halblang zu schneiden, über der Stirn 
in die Höhe und an den Schläfen zurückzustreichen, mit Kräuseleisen zu locken und mit Reifen 
oder Bändern festzuhalten. Bärte und Schnurrbärte trug man nach Gutdünken. Später wurde der 
Bart seltener und das glatte Kinn fast allgemein, das Haar aber in fliessenden Locken beliebt. 
Die weibliche Tracht erfuhr schon im Anfange des 13. Jahrhunderts bedeutende 
Veränderungen. Zwar das Unterkleid behielt seine bis auf die Füsse reichende Länge, seine engen 
Aermel, welche am Handgelenk endeten, und den Gürtel, der locker auf den Hüften sass, falls das 
Kleid ohne Oberkleid getragen wurde (G1. i). Der Ueberrock, cyclas oder cyclaton genannt 
nach einem vorzugsweise auf den Cycladen hergestellten Stoffe, allgemeiner aber cotte-hardie oder 
kurzweg cotte, verlor seine unförmlichen und bis zum Boden weit geöffneten Aermel mit den 
auffallenden Umschlägen und Verknotungen. Die Aermel wurden jetzt wieder verengt und derart 
gekürzt, dass sie nur noch bis in die Armbeuge reichten oder in den halben Unterarm (61. 6. s. 1a). 
Aber nach untenhin erhielt das Kleid eine grössere Länge, so dass es ringsum den Boden bedeckte. 
DDle Damen machen ihre Schwänze jetzt tausendmal so lang als Pfauen und Elsternu heisst es in 
einem gleichzeitigen Spottgedichte. Man trug das Kleid mit und ohne Gürtel; ungegürtet nahm 
man es mit der Hand in die Höhe, sonst aber steckte man es unter dem Gürtel herauf. Anfangs 
auch obenher von bequemer Weite (G1. ß) unterlag das Kleid gegen Ende des Jahrhunderts der 
allgemeinen Mode des Verengens und Verkürzens, indem es. sich fest um Brust und Taille legte 
und den unteren Saum (61. ß. 11x) bis auf die Füsse, den Aermelrand aber bis in den halben Ober- 
arm zurückzog. Der Gürtel, obwol überflüssig geworden, blieb als Schmuckstück in Geltung. Der 
Mantel, ein Kreisabschnitt, wurde auf beide Schultern gelegt und mit einer Doppelschnur oder 
breiten Spange festgehalten (61. 1.6.13). Schon seit den Zeiten des Königs Johann (1199-1216) 
benützten die Frauen ein feines weisses Tuch (gorget), das sie zwei- oder dreimal fest um den Hals 
wanden (GLG. 13), dann auf beiden Seiten das Gesicht umrahmend in die Höhe zogen und über 
den Ohren mit einer Menge von Stecknadeln befestigten. Die Abbildungen sind undeutlich 
und lassen dieses Tuch namentlich unter den tagewerkenden Frauen noch anders angelegt ver- 
muten, nämlich über den Kopf genommen, vor dem Halse gekreuzt und nach hinten geworfen (61. s). 
Vornehmc Frauen legten über den Kopf einen bis auf die Schultern fallenden Schleier, bei beson- 
deren Anlässen auch einen langen Schleier, der wallend auf den Boden fiel. Ueber den Schleier 
setzten sie einen Goldreif, chappel oder capellum genannt, und dazu oder auch allein einen Kranz 
Hottenroth. Trachten. u. Band. 2. Aun. 13
        

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