Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904293
an den Enden stumpf abgehauen, der Länge nach in zwei Hälften gespalten und ausgehöhlt sind. 
In die untere Hälfte wurde die Haut eines frischgeschlachteten Tieres ausgebreitet, die Leiche im 
vollen Kleider- und Waffenschmuck darauf gebettet, mit der Haut zugedeckt, der Deckel aufgelegt, 
die Fugen ringsum mit Harz zugekittet und der Sarg mit Erde überschüttet. 
Die Stämme, welche den südlichen Teil von Jütland, das heutige Schleswig und Holstein 
bewohnten, waren Angeln und Sachsen; diese gehörten nach den übereinstimmenden Angaben des 
Tacitus und Ptolemäus dem Verbande der Sueven an und wanderten im 5 Jahrhundert nach 
Britannien hinüber. Aus der Mischung dieser als Angelsachsen zusammengefassten Germanen mit 
eingebornen Kelten und normannischen Eroberern ist das englische Volk erwachsen, eine Nation, 
in welcher bis auf den heutigen Tag entschieden germanischer Geist in norddeutscher Eigenart 
vorherrschend geblieben ist. Betrachten wir uns zuerst die keltischen Stämme, welche vor Ankunft 
der Angelsachsen den britannischen Boden bewohnten. Die nördlichen Horden, die Kaledonier, 
lebten noch in urtümlicher Roheit dahin; Tierfelle, welche sie, mit der Haarseite nach Innen, wie 
Mäntel umhingen, waren ihre einzige Bedeckung, namentlich gefleckte Ochsenhäute oder Felle von 
Bären und Schafen, je nachdem sie Jäger oder Hirten waren. Das Kopfhaar liessen die Kaledonier 
ungekürzt, den Bart aber schoren sie bis auf einen Knebel hinweg; sie punktirten sich die Haut 
mit linearen, pflanzlichen oder tierischen Mustern, und rieben das Stichwerk mit blauer Waidfarbe 
ein (4. 1), so dass sie aussahen, wie die heutigen Inselbewohner der Südsee. Ihr Schmuck war von 
Eisen; um den Hals trugen sie Ringe, um die Hüften aber Ketten; eine vierkantige Wurfkeule mit 
Lederriemen, ein ebenso ausgestatteter Speer mit einer Kugel am stumpfen Ende waren ihre 
Hauptwaffen; die Speerkugel war mit Eisenstücken gefüllt, um mit deren Gerassel die Pferde des 
Feindes in Schrecken zu setzen. Die südbritannischen Stämme dagegen, die Bretonen, gingen 
wie ihre gallischen Nachbarn vollständig und sogar reich bekleidet einher; beliebt waren gewürfelte 
Zeuge. Man trug enge Hosen (Breach und Brycan, bei den Engländern Breacan), die rot oder ge- 
würfelt, Tuniken, die mit allen möglichen Farben geblümt waren, und blaue oder schwarze Mäntel, 
(Saie). Nur die Einwohner von Cornwallis und den Scillyinseln pflegten sich mit einem langen 
schwarzen Gewande zu bekleiden, so dass sie, mit ihrem Stabe in der Hand, das Aussehen von Furien 
in der Tragödie hatten. Das Haar strichen die-Bretonen zurück, so dass es mit einem Busch in 
den Nacken nel; Kinn und Wangen aber rasierten sie und liessen nur einen gewaltigen Schnurrbart 
stehen, welcher wie Flügel auf die Brust herabhing; an Hand und Fussknöcheln trugen sie Ringe, 
ebenso am Mittelfinger, und Spangen an den Armen; als höchster Schmuck und als Abzeichen 
ihres Standes galt ein Halsring (Torch) aus verschlungenen Fäden von Edelmetall, bei den Armen 
von Eisen. Dürftig sind die Berichte über die weibliche Tracht der Bretonen. Boadicea, die Königin 
von Iceni, trug nach Dio Cassius eine Tunika in verschiedenen Farben und sehr faltenreich, darüber 
einen Mantel von rauhem Stoffe, mit einer Fibel befestigt, am Hals einen Ring von Gold, das 
lichte Haar aufgelöst über die Schultern herabfliessend. Auf einer römischen Münze findet sich 
die Britannia in langem Kleide mit kurzen Aermeln dargestellt. Mit der römischen Herrschaft fand 
auch die römische Tracht Eingang unter den Bretonen, namentlich unter den Häuptlingen, so dass 
schon vor Ablauf des 1 Jahrhunderts die alte bretonische Kleidung als ein Zeichen mangelnder 
Kultur in Missachtung gekommen war. Statt der langen Hosen bedienten Sieh die Vernehmen 
jetzt der kurzen römischen Kniehosen, ebenso der Tuniken und Mäntel nach römischer Art. Der 
weibliche Anzug war von Haus aus dem römischen ähnlich und veränderte sich aus diesem Grunde 
vielleicht nur wenig oder gar nicht; auf der Trajanssäule und auf MünZeH finden Sieh die keltisehen 
Weiber in zwei übereinanderliegenden Tuniken dargestellt, von welchen die untere bis auf die 
Knöchel, die obere bis in die halben Schenkel fällt und weite, doch kurze Aermel hat. Auch das 
Haar schnitten und frisierten sich beide Geschlechter jetzt nach römischer Art. Die ältesten Waffen 
der Britannier waren aus Knochen und Feuerstein. Phönizische und galliSChe Handelsleüte bfaehten 
Schwerter, Speer- und Pfeilklingen von Bronze ins Land. Der Schild war anfangs flach, rund und
        

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