Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905486
fallen liess oder rings um den Kopf zusammenlegte und völlig mit dem Kopfputze verdeckte. Eine 
Zeit lang trugen die Frauen auch die Gugel (55. 27), doch gaben sie dieselbe bald gegen eine gugel- 
artige Haube auf (75. 1); diese war häufig vorn mit mehrfach übereinander liegenden gekräuselten 
Besätzen eingefasst, welche das Gesicht umrahmten und auf die Schultern herabfielen. Auch ein 
feines weisses Kinntuch (gorgerette) benutzten die Frauen (75. 1), mit welchem sie Gesicht und 
Hals bis zum Kinn umschlossen und den Brustausschnitt des Kleides ausfüllten (73. 19); dies war 
eine höchst ehrbare Tracht, deren sich meist nur die älteren Frauen bedienten. In den achtziger 
Jahren kam unter den vornehmen Damen die Wulsthaube auf, eine hohe cylindrische Haube 
mit dickem Wulste (73. 22), der hufeisenförmig auf und nieder stieg, über Stirn und Nacken die 
Schenkel nach oben, an den Schläfenseiten nach unten richtend. Haube und Wulst waren reich 
bestickt und oben mit einem nach hinten fallenden kurzen Schleier besetzt (Fig. 30. z). Frauen 
von Adel umschlossen das Haar mit einem seidenen metallgeschmückten Netze, setzten einen kro- 
neuartigen Reif darüber und umgaben die Flechte, Welche rechts und links um das Ohr gelegt war, 
mit einer Scheide, dergestalt, dass in dem umschlossenen Raume das Haarnetz sichtbar blieb (55. 
12.111). Die niederen Stände folgten der Mode nur insoweit, als ihre Beschäftigung es zuliess. 
Enge Hosen, Schuhe oder Halbstiefel, bequeme gleichbreite und um die Hüften geschnürte, zu- 
weilen untenher gezaddelte Röcke mit langen Aermeln und die Gugel oder eine Rundmütze: das 
war die Tracht der Bauern (55. 20. 25); Aermelröcke, welche kaum den Boden berührten, Schuhe 
samt Strümpfen, ein Kopftuch, welches um das Kinn gefaltet auf die Brust fiel: die Tracht der Bäue- 
rinnen (55. 1a. 2a). Die Schürze kam unter den tagewerkenden Ständen allgemein in Aufnahme und 
ihr Schnitt wurde zum unterscheidenden Merkmal der Zünfte (55.  Als Schutzkleid diente unter 
beiden Geschlechtern ein kurzer, ringsum geschlossener Umhang oder die Husse  21. a9). 
Schier unübersehbar sind die Wandlungen, welche die niederländische Tracht im 
Verlaufe des 15. Jahrhunderts durchmachte. Die Hosen bestanden aus zwei knappanschlies- 
senden Langstrümpfen, welche im Kreuz und über den Unterleib her zusammengenestelt wurden; 
vorn hatten sie einen Sack für die Geschlechtsteile, den man oben festknöpfte oder vernestelte. 
Der Leibrock (pourpoint), meist mit niedrigem Stehkragen besetzt, wurde noch enger und kürzer 
gemacht als seither, so dass er kaum über die Hüften reichte, und vorn herab mit Knöpfen oder 
Nesteln geschlossen (75. so); auch wurde er auf der Brust auswattiert, um die Hüften eingeschnürt 
und, um den Gegensatz zwischen schlanker Taille und breiten Schultern noch grösser zu machen, auf 
den Achseln ausgestopft. Man verkürzte den Leibrock in den Aermeln, versah ihn auf Brust und Rücken 
mit einem weiten Ausschnitt und verschnürte ihn vorn über einem eingesetzten Latze, hinten aber über 
dem Hemd (57. 19. 21). Oft auch liess man den Leibrock bis zum Knie herabsteigen, versah ihn mit 
weiten Aermeln und zaddelte ihn an allen Rändern (56.  Statt des Leibrockes oder über dem- 
selben trug man die Schecke (jaquette); diese hatte im wesentlichen noch die alte gleichweite 
Tunikaform der Bauernröcke (55. 25. 35): sie war gewöhnlich sehr kurz und reichte kaum über die 
Hüften (55. aß. a4. aa. 41. Fig. 30. s), hatte gleichfalls hohe Achseln und lange, ja überlange und weite 
Aermel, die nicht selten untenher gezaddelt waren (57. s), oder Sackärmel mit Armschlitzen (57. s), 
oder auch statt der Aermel nur Armschlitze (55.  oft beliebte man die Aermel nicht vorn, sondern 
auf der Rückseite geschlitzt und den Schlitz mit Borten oder Pelz umrandet (55. 45. 49). Man trug 
die Schecke gegürtet und ungegürtet (55. a3), häufig um die Taille in festgenähte Falten gelegt 
(Fig. 30. e). Statt der Schecke wurde ein ebenso kurzes Mäntelchen (55. 5a) oder die gleichfalls ge- 
kürzte Husse beliebt (55. 42). Es war die Zeit der Willkür und Gegensätze; so knapp die Unterkleider, 
S0 völlig waren die Oberkleider; der Mann verschwand fast in den Falten seiner um die Hüften 
geschnürten Huppelande (77. 10. 12), die er auf dem Boden nachschleppte und mit den weiten 
Aermeln lang über die Hände fallen liess (57.11. 77. 12). Nicht selten hatten die Aermel eine den 
Boden berührende Weite und waren gezaddelt, oder sie hatten vorn einen weiten Schlitz zum 
Durchstecken der Arme (58. 17); auchgab es Doppelärmel, davon der eine angezogen wurde_, 
Hottenroth, 'l'rachten. n. Band. z. Aufl. 17
        

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