Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905477
Als Schutzkleid diente unter allen Ständen ein ärmelloser Ueberrock (55. 5. 72. s), unter den höheren 
Ständen ausserdem der Mantel, in verschiedener Weise umgelegt (72. 2. 18), im Volke aber die ringsum 
geschlossene Pänula und die Kapuze, letztere als selbständiges Gewandstück oder am Rocke festgemacht 
(72.  daneben war noch eine glatt anliegende Haube in Gebrauch (55. ß), sowie ein gesteifter 
Rundhut (72. 4) oder ein Strohhut mit breitem Rande (72. 11). Die Hose bestand aus zwei 
engen Beinlingen mit Strümpfen; die Schuhe waren niedrig, geschlossen oder über dem Reihen 
offen. Die weibliche Kleidung des 13. Jahrhunderts war lang, faltenreich und bequem. Die Röcke 
wurden entweder gar nicht oder nur locker gegürtet (72.10.15); beliebt war ein langes Ueberkleid 
ohne Aermel (72. 9_11), als Schutzkleid die Pänula mit Kapuze (72. 111), seltener der Mantel, von 
hinten los über beide Schultern gelegt und mit Schnüren über die obere Brust her festgehalten 
(72.15), als Kopfschutz ein auf mannigfache Weise umgelegtes weisses Tuch oder die Kapuze (72. 
9. 10). Im I4. Jahrhundert kam die Neigung zum Verengen und Verkürzen der Gewandung unter 
beiden Geschlechtern immer mehr zum Durchbruch. Um die Mitte des Jahrhunderts war der männ- 
liche Rock insbesondere bei der Jugend so kurz geworden, dass er die Kniescheibe nicht mehr 
erreichte, und so enge, dass er wie eine Zwangsjacke den Körper in seinen Bewegungen hinderte; 
er schloss sich allenthalben um Arme, Brust und Hüften genau und faltenlos an (55. 14. 10. 2a). 
Weniger auffallend, weil leichter erklärlich, war diese Verengung an dem weiblichen Gewand; hier 
wie dort folgte jedoch das eingeschnürte Kleid den Formen des Körpers ohne in die Taille einen Ein- 
schnitt zu machen. Die grösser werdende Enge verlangte schliesslich eine Aufschlitzung; diese 
ging anfangs nur über die Brust, später jedoch über den ganzen Rock herab und ebenso hinter- 
wärts den Unterarmen entlang; durch Verknöpfen liess sich der Rock um so enger spannen. Diese 
ungenügenden Unterkleider verlangten desto besser deckende und bequemere Oberkleider und so 
kamen unter beiden Geschlechtern neue Gewandformen mit neuen Namen auf, wie Husse, Huppe- 
lande und Simarre. Die Husse (housse) war ein an beiden Seiten aufgeschlitzter Ueberwurf, der 
völlig dem deutschen Tappert in seiner ältesten Form entsprach (55. 24); man konnte ihn unter 
den Achseln herab nach Belieben verschliessen. Die Huppelande glich unserm heutigen Schlafrocke, 
bald schleppend, bald kürzer, war sie vorn herab völlig offen und wurde mit einer Schnur oder 
einem Gurt um dieiHüften zusammengefasst (57.s. 74. 16. 77. 12). Die Simarre glich einer Art von 
Huppelande, reichte aber nur bis zu den Knöcheln, war auch nur vom Gürtel an geschlitzt und 
wurde gewöhnlich in Verbindung mit einer Kragenkapuze getragen (74. 10). Die Aermel beliebte man 
an Huppelande und Simarre sehr weit. nicht selten schleppend und am unteren Rande gezaddelt. 
Seitdem man anfing, die knappen Aermel am Unterarm aufzuschlitzen, liess man sie von den Schul- 
tern oder den Ellbogen an als Hängeärmel herabwachsen, nicht selten bis auf den Boden, und 
besetzte sie mit Pelzwerk und Posamenterien. Die Kapuze oder der Schaperon, früher nur das 
Schutzkleid von Bauern und Werkleuten, wurde jetzt unter allen Ständen getragen; die Stutzer 
und bald auch die gesetzten Leute aus den höheren Klassen liessen die Spitze des Schaperon zu 
einem ellenlangen Schwanze auswachsen, und ebenso die Spitze an den Schuhen in einen übermässigen 
Schnabel; diese Schnabelschuhe waren schon einmal in Frankreich während des 12. Jahrhun- 
derts auf kurze Zeit herrschend gewesen. Die weibliche Kleidung folgte den Wandlungen 
der männlichen; man beliess ihr die schleppende Länge, verkürzte sie aber oben am Leibchen 
und vermehrte sie hier durch ein enges Ueberziehleibchen. Es wurde um die Mitte des 
14. Jahrhunderts Mode, das ärmellose Ueberkleid an den Seiten tiefer auszuschneiden, so dass 
es hier von der Schulterhöhe an bis über die Hüften herab offen stand und das knappe Unterkleid 
samt dem tiefsitzenden Gürtel sehen liess (73. 24); so entstand ein Ueberwurfkleid von sehr ge- 
falligem Aeusseren, welches bis zum Ende des folgenden Jahrhunderts in Gunst verblieb (77. 22). 
Gegen Schluss des 14. Jahrhunderts fing man an, das Kleid bis auf den Gürtel auszuschneiden und den 
Ausschnitt mit einem Brustlatz auszufüllen, aber so, dass die obere Hälfte der Brüste sichtbar blieb 
(75. 4). Das Haar wurde gescheitelt und in Zöpfe geflochten, die man über den Nacken herab-
        

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