Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905465
wandern liegenden metallischen Zierstücke aber scheinen grösstenteils als fremde Beutestücke in 
das Land gekommen zu sein.  
Nach den Römern machten.sich die Franken zu Herren der westdeutschen Niederung. Jene 
Grab- und Moorfunde ergänzen zugleich die ältesten Berichte über die Tracht der fränkischen Stämme. 
In den ältesten Ueberlieferungen begegnet uns der Franke, wie schon bemerkt worden, in fest anliegen- 
dem Rocke mit kurzen Aermeln und breitem Gurt, an den Knieen nackt, in späteren Berichten mit 
langen weiten Hosen von Linnen oder Leder und nacktem Oberkörper; so dürftig bekleidet mögen die 
Franken in die Schlacht gegangen sein, bei rauhem Wetter aber verwahrten sie sich besser; sie 
legten alsdann über den Rock, der wol mit langen Aermeln ausgestattet war, ein Pelzwams, das schon 
die ältesten römischen Berichte als altgermanisches Gewandstück nennen, ferner einen kurzen oder 
langen Mantel aus Pelz oder Wolle und schliesslich Schuhe, deren lange Riemen sie um die Beine 
heraufwickelten. Die Mütze, welche Karl der Grosse auf den lateranischen Musivbildern trägt 
(Fig. 29. 1), lässt sich vielleicht durch eine andere Mütze erklären, die sich in den Wandmalereien 
der Abtei St. Savin in Poitou aus dem 11. Jahrhundert dargestellt findet und ein Mittelding zwischen 
phrygischer und schottischer Mütze scheint (Fig. 29. 5. ß). Eine zweite Mütze auf demselben Bild- 
werke ist viereckig und zeigt völlig ungewölbte Flächen (Fig. 29. 4). Die römische Kleidung fand bei 
jenen Germanen, die auf heimischem Boden zurückgeblieben waren, keineswegs die rasche und 
weite Verbreitung wie unter den ausgewanderten Stämmen, die sich in den römischen Provinzen 
sesshaft gemacht hatten. Da aber nach der Teilung des Reiches Karl's des Grossen weder Frank- 
reich noch Deutschland imstande war, eine grosse Wandlung in dem bestehenden Kostüm zu 
bewirken, so war es eben doch die römische Tracht, die fort und fort nachwirkte und die Ueber- 
reste der altgermanischen Kleidung auch auf deutschem Boden zum Verschwinden brachte. In 
welchem Umfange und wie lange sich die urväterliche Tracht unter den Bewohnern der rheinischen 
Niederung behauptete, lässt sich jetzt nicht mehr nachweisen; was sich an abbildlichen Resten bis 
zum Schlusse des 13. Jahrhunderts vorgefunden hat, zeigt uns das niederländische Kostüm durchaus 
gleichförmig mit der Tracht, die sich in den Nachbarlanden aus der römischen Gewandung heraus- 
gebildet hatte. Frankreich hatte damals wie auf politischem so auch auf kostümlichem Gebiete 
Deutschland den Vorsprung abgewonnen; sein grosser Verkehr mit England und den Niederlanden 
verschafften seiner Tracht in beiden Ländern einen entscheidenden Einfluss, und dieser machte 
sich, wenn auch in abnehmendem Grade, der ganzen nordwestlichen Meeresküste entlang bis nach 
Jütland hinein und nach Schweden hinüber bemerklich, ja Deutschland selbst wurde ihm unter- 
than. Die leder- und plüschartigen Zeuge, aus welchen schon in römischer Zeit die friesischen 
Mäntel hergestellt worden waren, blieben neben feineren Tuchsorten ein ständiges Erzeugnis der 
Niederlande; von hier aus verbreitete sich um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Tuchweberei und 
mit ihr die Färberei über ganz Westeuropa. Im 14. Jahrhundert, als sich Frankreich und England 
in langwierigen Kriegen erschöpften, brachten die Niederländer ihr Gewerbe in Wolle, Linnen, 
Damast, Seide und Baumwolle zu immer höherer Blüte; ja die Verbindung mit dem reichen Bur- 
gund sicherte ihnen im 15. Jahrhundert selbst eine gesetzgeberische Macht über das französische 
Kostüm; später kamen nacheinander italienische, deutsche und spanische Trachten in das Land. 
Wie im 13. und 14 Jahrhundert an den Quellen des'Rheines die deutsche Tracht, so 
herrschte an der Mündung dieses Stromes die französische; aus diesem Grunde kann hier für 
das Einzelne, soweit es diesem Zeitraum angehört, auf den entsprechenden Abschnitt über die 
französische Tracht verwiesen werden. Im 13. Jahrhundert war der kurze fränkische Rock 
wie ein weibliches Gewand mit bequemer Weite bis auf die Füsse herabgestiegen (72. a. s. 14) und nur 
tagewerkende Leute hatten die alte Tracht beibehalten. Um die Wende des 13. und 14. Jahr- 
hunderts verkürzte man den langen Rock bis in die halben Waden (55.14), verengte ihn auch 
wieder um den Oberleib oder faltete ihn straff um die Hüften mit einem Gurt zusammen. Unter 
dem Rock, aber über den Hosen, wurde auch von ärmeren Leuten ein Hemd getragen (72. 4. s. 7).
        

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