Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905459
Steigen wir von dem Hochlande, das die Quellen des Rheines birgt, hinab in das Nieder- 
land, wo der Rhein seine Mündungen hat. In römischer Zeit wohnten auf den Inseln zwischen 
den Stromarmen, auf den Bet-ouwen, die Bataver, südlich davon die Belgen und nördlich nach 
der Weser hin die Friesen. Der ganze Küstenstrich war bedeckt mit dichten Waldungen und 
weitgedehnten Morästen, doch waren die Bewohner damals schon sesshaft; ihr Hauptreichtum be- 
stand in Vieh und der Beute des Waldes und des Meeres, Ihre Bewafinung war mangelhaft und 
häufig nur ein Speer, dessen Spitze im Feuer gehärtet war, eine Doppelaxt aus geschärftem Stein 
und ein langer schmaler Schild von Holz mit WeidengeHecht, mit eisernem Buckel verstärkt und 
meist bemalt, bei den einen schwarz, bei den Friesen braun oder rot. Es gab nur wenig Eisen- 
waffen, darunter ein Dolchmesser, den Sax, und einen Wurfspeer, die Framea, aber keinen Panzer; 
als Sturmhaube diente die Kopfhaut eines erlegten Tieres, eines Hirsches, Ebers oder Bären. 
Ueber die alltägliche Tracht jener Stämme haben uns die Römer nur spärliche Zeugnisse hinter- 
lassen, desto ausgiebigere jedoch, wenn auch aus etwas späterer Zeit, die Torfmoore und Baum- 
särge der nordwestlichen Niederung; diese lassen eine völlige Umhüllung des Körpers erkennen, 
ganz so, wie sie das feuchtkalte Strandklima voraussetzen lässt. Die Römer berichten von den bunt- 
gestreiften Mänteln der Bataver; diese Mäntel wurden auch von den Galliern und Römern gern ge- 
tragen; man nannte sie Fig. 29. nFTlCSKWlCÖCYEIIIS Tages- 
dort Gunna oder Gonella.  1   2) 3  licht gebracht (Fig.29.1); 
Zu Karl's desGrossen Zeit    _x derselbe ist etwa 1 Elle 
kamen diese kurzen Wol-    l  lang und mehr als drei- 
lenmäntel als friesische      ,mal so breit, halbrund 
Mäntel aufs neue in Auf-      pi", ämi;  und hat einen Ausschnitt 
aber nicht mehrdurchweg      l  aus Wolle und die Vor" 
bunt, sondern auch ein-     Ä stehenden Enden der 
farbig, grau, iblau und   X174   S, Wollfäden bilden auf der 
meergrün. Aus einem  '  s, ß Aussenseite eine pelz- 
schleswigschen Toten- '   "f, g 1,11909 artige Plüsche. Auch Ho- 
baume wurde solch ein 4 5 o 7 sen haben sich in dem 
Torfe von Ostfriesland und Schleswig gefunden (Fig. 29. 2); diese sind gleichfalls von Wolle, 
haben angenähte Strümpfe und am oberen Rande mehrere Schlingen für den Gurt, der hin- 
durchgezogen wurde. jütischem Boden haben wir einen Schurz von grober Wolle enthoben 
(Fig. 29. a), welcher von der halben Brust bis zu den Knieen reicht und um die Hüften der 
Leiche mit langen Riemen zusammengeschlossen war; nach Art unserer Kinderschürzen scheint er 
sich über die Achseln her in Tragbändern fortgesetzt zu haben. Weitere Fundstücke bestanden 
in grobwollenen Mützen von überhöhter fesartiger und halbkugeliger Form, und in Schuhen, jeder 
aus einem einzigen Lederstücke mit Riemen am Rande oder mit Oesen zum Durchziehen von 
Binderiemen; ferner in Wollbinden, deren Zweck sich nicht anders erklären lässt, als dass sie zum 
Umwickeln der Beine gedient haben; schliesslich in schmaleren Wollenstreifen, mit welchen ver- 
mutlich die Binden festgeschnürt wurden. Ein weiblicher Leichnam fand sich angethan mit 
langem faltigen Rocke (1. 1), welcher von einem langen Gürtel mehrfach umschlungen war, und 
mit einer kurzen, bis an die Hüften reichenden Jacke mit Halbärmeln, den Schädel bedeckt mit 
doppelter Netzhaube. Ausser der Wolle wurde auch das Leder aus der Haut heimischer Tiere, 
wie des Schafes, Rindes und Auerochsen (Wisent), zu Kleidungsstücken verwendet, namentlich 
zu Umhängen. Es hat sich eine Art von Mantel gefunden, welcher mit seitlichen Schlitzen für 
die Arme versehen ist; vielleicht, dass er mit Riemen vorn zusammengebunden wurde. Alle diese 
Fundstücke gehören etwa in die Zeit vom 3. bis 9. Jahrhundert nach Christus; sie müssen nach 
Stoff und Schnitt als heimische Erzeugnisse betrachtet werden; die nicht selten bei den Ge- 
        

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