Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905371
 114  
(S. 98). Das Visier, welches man über die Glocke aufschlagen konnte, hatte Sehschnitte oder ein 
sogenanntes nFenstera mit senkrechten Gitterstangen, über welches man nach Bedarf noch ein mit 
Querschienen versehenes Gitter oder ein geschientes Kinnstück befestigte; auch der Nackenschutz 
war geschieht. Da Helme dieser Art bei den Turnieren zu wenig Schutz gewährten, so bediente 
man sich eines Helmes, der gleichsam ein schwerer eiserner Topf mit Augenschlitzen war, stürzte 
diesen über die spitze Kesselhaube (37. 19. 20) und befestigte ihn auf Brust und Rücken mit Schrauben 
oder Schnallen (51 a). Die Stechhelme waren oben gewöhnlich mit dem sogenannten Kleinode 
besetzt, die übrigen Helme mit einem Busche von wallenden Straussfedern; dieser Busch stak in 
einer Röhre, der nFederhülseu, welche sich hinten am Ende des Kammes oder zur Seite desselben 
befand. Der Schild wurde fast nur noch als Modesache gebraucht (69. u); er zeigte vorwiegend 
eine Kreisform, doch gab es auch herzförmige Schilde. So lange man den Schaller trug, welcher das 
Gesicht unbedeckt liess (43. 20. 22. 23), schützte man beim Scharfrennen dieses und den Oberkörper 
mit einem dicken Holzschirme, den man auf die Rüstung anschraubte (51. 1. s), die rechte Seite 
überdies noch durch die schildartig vergrösserte Brechscheibe der Lanze (51. 7) und die Oberschenkel 
durch grosse Kniescheiben, welche man am Sattel befestigte. Als Schutz? und Sturmwand bediente 
man sich in der Schlacht der nSetztartscheu (51. 18); diese Tartsche war ein hoher, meist viereckiger 
Schild, entweder Hach oder längs der Mitte herab eingebuchtet; unten war sie mit eisernen Spitzen 
zum Einstossen in die Erde versehen. An den Schwertern wurden damals die Stichblätter ver- 
wickelter und die Querparierstange hörte auf, mit dem Griff ein einfaches Kreuz zu bilden. Das 
eigentliche Schlachtschwert jener Zeit war der nZweihänderu (49. ii. 1a); dieses Schwert war häufig 
über mannshoch; es wurde meistens ohne Scheide auf der Schulter wie eine Lanze getragen (68. 19) und 
mit zwei Händen geführt. Auch die Pferde wurden damals noch gepanzert (51. s. 11) und zwar mit 
den alten Stücken, nur dass man dieselben jetzt häufig aus schmalen Schienen und völlig von blankem 
Stahle herstellte. 
 
Als ältestes Feuergeschüt z gilt der gewöhnliche Mörser mit einem kleinen Loch im Boden. 
Schon im 14. Jahrhundert stellte man den Mörser aus geschmiedeten Eisenstäben her, die man wie 
die Dauben eines Fasses mit Reifen verband (38. 26). Die erste eigentliche Kanone, eine Bezeichnung 
die von "Kanne" herzuleiten ist, war an beiden Enden offen; die Ladung wurde in das untere Ende 
oder Bodenstück gebracht und diese Oeffnung durch Keile geschlossen. Die Kugeln waren anfangs 
von Stein, weshalb man die Mörser auch "Steinböller" nannte; um 1365 kamen die ersten Bleikugeln 
auf. Das Pulver wurde mit einer brennenden Kohle oder einem glühenden Eisen entzündet. Die 
Kanone lag unbeweglich auf Balken oder in einem Kasten (38. 21. 25. 44. 15) und ward erst gegen Ende 
des 15. Jahrhunderts mit einer beweglichen Lafette versehen, die das Geschütz zum Richten tauglich 
machte (44.16.11. 26). Man pflegte über dem Geschütz ein hölzernes Dach anzubringen, welches 
man beim Laden der Kanone herabsenkte, um den „Konstabel" und seinen Helfer sicherzustellen 
(38. 24. 44. 24). Auch das "Orgelgeschütz" kam schon im 15. Jahrhundert auf, eine Waffe aus meh- 
reren Feuerrohren, welche in einen Baumstamm eingefügt waren oder in ein aus Holz gezimmertes 
Gestell (44. 21); die Rohre wurden durch die Mündung oder von hinten geladen und konnten auf 
einmal oder nach einander abgefeuert werden. Schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts gab es 
tragbare Handkanonen, welche auf einem Stücke rohen Holzes befestigt lagen und mit der Lunte 
abgefeuert wurden. Einer kleinen Handkanone bedienten sich die Reiter, welche sie beim Abfeuern 
gegen den Panzer stemmten. Aus der Handkanone entwickelte sich das Handrohr mit Kolben, das 
zum Anlegen geschickter war. Um 1424 kam die Handkanone mit Hahn auf, eine Waffe, die man 
nach dem Hahn oder Haken "Haken" oder "Hakbusse" nannte (44. 30); die Lunte wurde an dem 
Hahne befestigt. Im Anfange des 16. Jahrhunderts ersetzte man den Hahn durch ein Radschloss; 
die Abfeuerung geschah mittelst Schwefelkies, welcher durch das Rad zerrieben sich entzündete. 

        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.