Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905368
briimung untersagt. Die amtliche Tracht erhielt eine weitere Durchbildung; die der niederen 
Beamten, der Boten und Stadtknechte, unterschied sich von der alltäglichen Tracht nur durch die 
Farbe; sie war zumeist halb geteilt, d. h. an jeder Seite von anderer Färbung, die den Stadtfarben 
entsprach (54. 14), und zugleich auf der Brust mit dem Stadtwappen in Form eines kleinen Schildes 
besetzt (54.51). Für die höheren Stadtbeamten kam die Schaube in bestimmter Färbung als 
Amtstracht zur allgemeinen Geltung und wurde als solche selbst dann noch beibehalten, als die 
Mode sie bereits aus der bürgerlichen Gesellschaft entfernt hatte. Die höfische Tracht folgte 
der herrschenden Mode; die k u r fü rstliche Tracht aber war fast noch ganz so, wie am Ausgänge 
des vorigen Jahrhunderts (S. 97 u. 98). Der Kurfürst (50. 12) trug noch den langen roten Sammetrock 
mit Armschlitzen, den Hermelinkragen und die cylindrische rote Sammetmütze mit breitem Hermelin- 
besatze; erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fing man an, den nChurhutu nach oben 
hin auszuweiten. Die kaiserliche Tracht (50. 11)) war stehend geworden (S. 24-28, 74, 75, 82, 98). 
Die Tracht der Herolde (50. 1G) bestand aus einer reichen Kleidung, welche der Mode folgte, 
und einem Ueberwurfe, dem nWappenrockeu, welcher dem alten Tapperte glich; dieser war an beiden 
Seiten offen und reichte bis an die Kniescheibe; er bestand aus zwei fast rechteckigen, nach untenhin 
etwas breiter werdenden Zeugstücken, welche obenher durch breite Achselstücke sich zusammen- 
schlossen. Das Vorderblatt war mit dem Wappen desjenigen Herrn geschmückt, in dessen Dienst der 
Herold stand; der kaiserliche Herold führte den zweiköpiigen Reichsadler. Ein Gewandstück, das im 
ganzen Mittelalter und selbst noch während des dreissigjährigen Krieges in unheimlicher Achtung 
stand, weil man glaubte, dass es seinen Träger hieb- und schussfest mache, war das wNothemda. Dieses 
Schutzkleid glich im Zuschnitte völlig einem gewöhnlichen Hemde mit Aermeln und reichte eine 
Handbreit über den halben Leib herab. Auf der Brustseite hatte es zwei Gesichter, das rechts mit 
langem Bart und einer helmartigen Bedeckung, das links, eine grosse Teufelslarve, mit einer Krone, 
neben jedem Gesicht ein Kreuz. Die Zauberkraft des Nothemdes bestand im Glauben an seine Schutz- 
kraft; wenn diese versagte, so nahm man an, dass bei der Herstellung des Hemdes etwas versehen 
worden sei, denn das Garn dazu musste von einer unberührten Jungfrau in der Christnacht gesponnen 
und das Hemd mit den Worten: vin Teufels Namenu, hergestellt werden. 
Die Mode bemächtigte sich selbst der R ü st u ng. Eine Weiterbildung der Rüstung war nicht 
mehr möglich, sondern nur eine Umbildung im Gesehmacke der Zeit. Die Flächen füllten sich mit 
dicht aneinander gereihten Riefeln oder vPfeifenu (49. 15. 20); die Schenkeldecken lösten sich in beweg- 
liche Schienen auf, welche bis auf die Kniekacheln herabstiegen (50. 11); die Füsse, sonst gespitzt, 
wurden stumpf und breit (49. 1a. 11-20. 22); dieser breite Eisenschuh, welchen man nHolzschuha oder 
vBärenfussu nannte, währte bis 1560. Die straffen Formen der Rüststücke verloren sich vor den 
rundlichen Formen; der Brustpanzer wurde stark gewölbt (49.10. 16_1 9) und ebenso stark liess man 
die Hüften hervortreten. Die Ränder aller Rüstteile erschienen kordelartig eingefasst. Die Schwere 
der Rüstung bestimmte den Brauch nur vhalbe Rüstungem zu tragen; diese waren verschieden zu- 
sammengesetzt und gewöhnlich ohne Beinschienen und Eisenschuh (49. 10. 16-1 e). Die Rüstung wurde 
grotesk; die Mode jversah sie selbst mit gebauschten Stahlärmeln oder die Schienen an Arm und 
Bein mit Wulsten und übersäte die ganze Rüstung mit scheinbaren Wulsten und Schlitzen (49. 22. 51. 11. 
68.19). Die Schamkapsel ahmte sie in Eisen nach und versah den Brustpanzer mit einem eisernen 
Schosse, der gleich dem Schoss am Waffenroeke rundum in Längsfalten gerippt war (49. 22); diesem 
Eisenschosse war, um das Reiten zu ermöglichen, vorn und hinten ein bogenförmiges Stück ausge- 
schnitten, welches mittelst Häkchen wieder eingehängt werden konnte. Das Visier des Helmes schmie- 
dete die Mode derartig aus, dass es einem menschlichen oder tierischen Gesichte ähnlich sah, wesshalb 
man derartige Helme auch nAffenhelmeu nannte. An die Stelle des zweiteiligen Schallers trat der 
Burgunder- und Visic r hclm. Der Burgunderhelm hatte eine gewölbte Glocke mit einem Kamm 
in der Mitte, der von vorn nach hinten lief, einen Augenschirm, Wangenklappen und Nackenschutz. 
Aehnlich war der Visierhelm, welcher sich aus dem Bassinet oder der Kesselhaube entwickelt hatte
        

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