Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904279
CS einen Mäntel, WCIChCT auf der Sßhlllter mit einer Spange festgehalten wurde, und eine Abart 
desselben von Seide oder Scharlach, die mit Stickereien geziert und mit Pelz gefüttert als Prunk- 
stück diente. Den Kopf bedeckten die Skandinavier mit einem niedrigen breitkrempigen Hute von 
Filz, Leder oder Pelz, welcher mit einem Riemen unter dem Kinne befestigt wurde; über die 
Hände zogen sie grosse Fausthandschuhe. Das Haar liessen sie schlicht und lang auf die Schultern 
herabfallen, ebenso liebten sie den Bart in ungestutzter Fülle, rund oder ziegenbärtig, je nachdem 
er gewachsen war. Im 11 Jahrhundert war durch die Berührung mit dem Auslande grosse Pracht- 
liebe eingerissen; die Männer trugen Schleppröcke, die an der Seite geschnürt waren und Aermel 
von fünf Ellen Länge hatten, welche durch Schnüre vom Handgelenk bis zur Achsel heraufgezogen 
wurden, ferner geschnürtePrachtstrümpfe, um welche ein Goldring lag, und hohe Schuhe. Um 
die Wende des 11 und 12 Jahrhunderts wurden wiederum kurze Röcke und Ueberwürfe üblich, ja 
man ging sogar mit blossen Schenkeln. Die Tracht der gewöhnlichen Leute blieb sich während 
dieser Wandlungen immer gleich; sie bestand wie von altersher aus einem weiten, niederhängenden 
Hute, grünem oder grauem Kapuzenrock und aus Leinwandhosen, welche um die Beine fest ver- 
schnürt wurden; statt des Schnürwerkes waren auch Strümpfe und Schuhe gebräuchlich. 
Die weibliche Kleidung wird anfangs und lange Zeit hindurch von jener der Männer 
kaum verschieden gewesen sein; man bezeichnete sie auch mit demselben Namen; ein Unterschied 
begann erst mit der Aufnahme fremder Gewandstücke. Das Hemd war anliegend, aber am Kopfloche 
bis zur Brust ausgeschnitten; es reichte bis zu den Füssen und schleppte auch wohl auf dem Boden 
nach; da das Hemd als Hauskleid getragen wurde, liebte man es von farbigem, zumeist blauem 
Stoffe, die Reichen von Seide und mit Goldstickerei an den Rändern; den Schlitz pflegte man 
mit einem Brusttuche zu verhüllen. Der Rock schloss sich um den Oberkörper an, fiel aber von 
den Hüften an in zunehmender Weite bis auf die Füsse herab; er hatte lange oder auch ziemlich 
kurze Aermel und wurde gegürtet; an den Gürtel pflegte man Scheere, Messer und ein Täschchen 
zu hängen, die verheiratete Frau auch einen Schlüssel. Aehnliche Mäntel und Ueberröcke mit und 
ohne Kapuze, wie bei den Männern, wurden auch von dem Weiblichen Geschlechte zu Schutz und 
Putz getragen, ebenso Schuhe und Handschuhe. Mädchen liessen das Haar frei herabhängen und 
stülpten ab und zu den Männerhut darüber; Frauen aber ilochten das Haar in Zöpfe, ordneten diese 
dem Rücken entlang oder banden sie in die Höhe und bedeckten den Kopf einfach mit einem Ueber- 
hänge von Linnen. Vornehme Frauen umwanden den Kopf turbanartig mit einem oft zwanzig 
Ellen langen, farbigen, goldgestickten Leinwandstreifen; die so entstandenen Windelhauben waren 
entweder kegelförmig gerade oder wie ein Horn gebogen und auch sonst an Höhe verschieden. 
 Dem Schmucke waren die Skandinavier sehr zugethan. An den Küsten der Ostsee hat 
die Kultur der Bronze- und Eisenzeit Schmuckstücke hinterlassen, die an Reichtum und Schönheit 
vielleicht alles überbieten, was andere Länder unseres Erdteiles in dieser Art während derselben 
Periode angefertigt haben. Dass schon während der Bronzezeit die Mehrzahl dieser Gegenstände 
im Lande selbst hergestellt worden, scheint sowohl durch aufgefundene Gussformen und Bronze- 
klumpen, durch halbfertige oder zum Umschmelzen bestimmte Bronzegeräte wie auch durch solche 
Gegenstände bewiesen, die in anderen Ländern fehlen. Die älteren Schmuckstücke sind augen- 
scheinlich unter dem Einflüsse der römischen Kultur entstanden; Später aber, nachdem mit der 
römischen Macht auch der römische Einfluss verschwunden war, kam der heimatliche germanische 
Geist zum Durchbrüche, ein eigener Geschmack, welcher in phantastischen Tierfiguren und ver- 
schlungenem Geriemsel seinen Ausdruck fand. Dies war die Zeit der Wikinger. Wir sehen uns 
angesichts dieser kunstgewerblichen Reste gezwungen, die landläufige Meinung von der Roheit 
jener nordischen Periode bedeutend herunterzustimmen. Die Skandinavier erschienen damals reich 
geschmückt mit Brustketten, Hals- und Kopfreifen, Arm-, Finger- und Ohrringen, Hafteln, Gürteln 
und Schnallen (2. 1-50. 60-70. 83-86). Auch ihre Waffen waren besser als jene der Nachbar- 
völker. Die Verteidigungsrüstung des skandinavischen Kriegers während der Bronze- und ersten
        

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